Cardano auf Talfahrt: ADA fällt auf Fünf-Jahres-Tief unter 20
Einstige Top-3-Kryptowährung verliert über 93 Prozent an Wert – Gründer Hoskinson warnt vor weiteren Pleiten im Ökosystem und kündigt Rückzug aus sozialen Medien an.
Veröffentlicht
9. Juni 2026

Die einstige Top-3-Kryptowährung Cardano (ADA) setzt ihren Abwärtstrend ungebremst fort und notiert nun auf dem tiefsten Stand seit mehr als fünfeinhalb Jahren. Am Donnerstag fiel der Kurs unter die Marke von 0,20 Dollar – ein Preisniveau, das Anleger zuletzt im tiefsten Bärenmarkt von 2018/2019 gesehen hatten. Der Token hat damit über 93 Prozent seines Allzeithochs von 3,10 Dollar eingebüßt. Zeitweise lag die Marktkapitalisierung von ADA noch bei über 100 Milliarden Dollar, heute ist nur noch ein Bruchteil davon übrig.
Strukturelle Probleme im Ökosystem
Während der gesamte Kryptomarkt unter Druck steht, fällt Cardanos Absturz deutlich dramatischer aus als der von Bitcoin oder Ethereum. Der langsame, aber stetige Niedergang deutet auf tieferliegende strukturelle Schwierigkeiten hin. Viele neuere Blockchain-Plattformen haben Cardano längst in puncto Entwickleraktivität, Transaktionsgeschwindigkeit und Liquidität überholt. Das einst als "Ethereum-Killer" gefeierte Projekt verliert zunehmend den Anschluss im Wettbewerb um die smarten Verträge.
Gründer Charles Hoskinson, Mitbegründer von Ethereum und Kopf hinter Cardano, schlug am Donnerstag auf der Plattform X (ehemals Twitter) Alarm. Er kündigte an, sich aus den sozialen Medien zurückzuziehen – ein Schritt, den er mit dem wachsenden Druck auf das Ökosystem begründete.
„Ich habe bereits zu Jahresbeginn gesagt, dass wir eine Welle von Zusammenbrüchen erleben werden, weil die Märkte wirklich schlecht sind.“
Hoskinson bezog sich dabei unter anderem auf die Schließung von TapTools, einer Cardano-Analyseplattform, die nach Jahren des Betriebs wegen fehlender Wirtschaftlichkeit den Betrieb einstellen musste. Er warnte vor einer weiteren Pleitewelle und kritisierte die mangelnde Bereitschaft der Community, Gelder aus der Projektkasse zur Unterstützung des Ökosystems einzusetzen.
Führungskrise und Richtungslosigkeit
Bemerkenswert ist Hoskinsons eingeschränkte Selbstwahrnehmung. Anders als in den Anfangsjahren, als er als unangefochtener Visionär auftrat, räumte er nun ein, dass sein Einfluss auf die Entwicklung des Netzwerks begrenzt sei:
„Ich suche nach einer Lösung für das Problem – aber ich bin mir nicht sicher, welche Rolle oder welchen Platz ich habe, um es zu lösen. Ich habe keine besonderen Befugnisse bei Cardano.“
Er forderte die Community auf, von Schuldzuweisungen abzulassen und stattdessen eine klare Strategie zu entwickeln: „Eine Vision, eine Strategie und eine Lösung.“
Geteilte Meinungen zur Zukunft
Trotz des dramatischen Niedergangs bleibt die Meinung zu Cardano gespalten. Befürworter verweisen auf den wissenschaftlichen Ansatz, die formale Verifikation und die Betonung von Sicherheit – Werte, die sich bei einer Adoption durch institutionelle Anleger oder staatliche Stellen auszahlen könnten. Skeptiker sehen darin jedoch eine Ausrede für jahrelange Unterlieferung.
Zum Zeitpunkt der Berichterstattung notierte ADA bei 0,16 Dollar, ein marginales Plus von 0,10 Prozent in 24 Stunden. Die Erholung dürfte jedoch von kurzer Dauer sein, solange das Vertrauen in die Richtung des Projekts schwindet.
Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche Einordnung relevant: Verluste aus Kryptowährungen können in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen mit Gewinnen aus anderen Kapitalanlagen verrechnet werden, sofern die einjährige Haltefrist nicht überschritten wurde. Die aktuelle Entwicklung macht eine genaue Prüfung der individuellen Steuersituation empfehlenswert.