Coinbase zieht Unterstützung für US-Krypto-Gesetzentwurf zurück
CEO Brian Armstrong kritisiert den Entwurf des US-Senats als "schlechtes Gesetz" und nennt konkrete Probleme, darunter ein de-facto Verbot von Token-Aktien und Einschränkungen für DeFi.
Datum
16. Januar 2026

Key Takeaways:
- Coinbase zieht die Unterstützung für den aktuellen Entwurf des US-Senats für ein Krypto-Marktstrukturgesetz zurück.
- CEO Brian Armstrong kritisiert den Entwurf als "schlechtes Gesetz" mit "zu vielen Problemen".
- Konkrete Kritikpunkte sind ein de-facto Verbot von Token-Aktien, restriktive DeFi-Regeln und die Abschaffung von Stablecoin-Rewards.
- Die Entscheidung fällt kurz vor einer wichtigen Ausschusssitzung am 15. Januar.
Coinbase zieht die Notbremse: "Lieber kein Gesetz als ein schlechtes"
Die US-Börse Coinbase hat ihre Unterstützung für den aktuellen Entwurf eines umfassenden Krypto-Marktstrukturgesetzes im US-Senat zurückgezogen. Die Entscheidung fällt in einer heißen Phase der Gesetzgebung, nur einen Tag vor einer geplanten Ausschusssitzung zur Überarbeitung des Textes.
Coinbase-CEO Brian Armstrong begründete den Schritt in einem Post auf X mit deutlichen Worten: "Wir hätten lieber kein Gesetz als ein schlechtes Gesetz. Hoffentlich können wir alle zu einem besseren Entwurf gelangen."
Was Armstrong am Gesetzentwurf kritisiert
Armstrong listete in seiner Kritik mehrere gravierende Mängel des sogenannten "Manager's Amendment" auf, der vom Senate Banking Committee vorgelegt wurde. Die zentralen Kritikpunkte sind:
- De-facto Verbot von Token-Aktien: Der Entwurf würde die Tokenisierung traditioneller Wertpapiere wie Aktien praktisch unmöglich machen.
- Problematische DeFi-Regulierung: Die vorgeschlagenen Regeln für dezentrale Finanzprotokolle (DeFi) würden dem Staat Zugriff auf die Finanzdaten der Nutzer gewähren.
- Schwächung der CFTC: Die Autorität der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) als Krypto-Marktaufseher würde ausgehöhlt.
- Keine Stablecoin-Rewards: Geplante Änderungen würden Belohnungsprogramme für Stablecoins abschaffen.
"Wir werden weiter für alle Amerikaner und für wirtschaftliche Freiheit kämpfen", so Armstrong. "Krypto muss auf Augenhöhe mit dem Rest der Finanzdienstleistungen behandelt werden, damit wir diese Industrie in Amerika auf sichere und vertrauenswürdige Weise aufbauen können."
Politisches Tauziehen um die Zukunft der US-Kryptoregulierung
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist brisant. Der Januar gilt als entscheidende Phase für die Kryptoregulierung im Senat. Der Gesetzentwurf soll laut den republikanischen Ausschussmitgliedern "klare Regeln für digitale Vermögenswerte schaffen und gleichzeitig Kleinanleger schützen".
Armstrong zeigte sich trotz der scharfen Kritik grundsätzlich optimistisch: "Ich bin eigentlich sehr zuversichtlich, dass wir mit weiterem Einsatz zum richtigen Ergebnis kommen werden. Wir werden weiter präsent sein und mit allen zusammenarbeiten, um dorthin zu gelangen."
Hintergrund: Coinbase als politischer Akteur
Die Stellungnahme unterstreicht die wachsende politische Schlagkraft der Krypto-Industrie:
- Im Wahljahr 2024 gehörten von der Branche unterstützte Political Action Committees (PACs) zu den drei größten Geldgebern.
- Mehr als die Hälfte der damals gesammelten 54 Millionen Dollar stammte von direkten Unternehmensausgaben, vor allem von Coinbase und Ripple Labs.
- CEO Armstrong traf sich bereits mit dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, um über Personalentscheidungen zu sprechen, und nahm im März 2025 am ersten "Crypto Summit" des Weißen Hauses teil.
Die Ablehnung durch einen der größten und etabliertesten Player der Branche stellt ein erhebliches Hindernis für den aktuellen Gesetzentwurf dar. Es bleibt abzuwarten, ob der Senatsausschuss die Kritikpunkte vor der morgigen Sitzung noch adressieren kann.