Junge Anleger setzen auf KI für Aktien-Picks – trotz Risiken
In Singapur nutzen immer mehr junge Investoren Tools wie ChatGPT für ihre Portfolios. Experten warnen jedoch vor den Gefahren in volatilen Märkten und vor zu viel Vertrauen in die Algorithmen.
Datum
21. Februar 2026
Key Takeaways:
- Junge Anleger in Singapur nutzen KI-Tools wie ChatGPT und Perplexity Finance zunehmend für Marktanalysen und Portfolio-Optimierung.
- Experten warnen vor den Risiken, besonders in volatilen Phasen, wenn historische Muster versagen.
- Die Nutzung reicht von der ersten Recherche bis zur direkten Aktienauswahl, oft gepaart mit digitalen Broker-Plattformen.
- Erfolgreiche Anleger kombinieren KI oft mit klassischen Strategien wie Dollar-Cost-Averaging oder behalten menschliche Berater bei.
KI als neuer Co-Pilot für junge Investoren
Trotz anhaltender Marktturbulenzen greifen junge Anleger in Singapur immer häufiger zu Künstlicher Intelligenz. Tools wie ChatGPT oder Perplexity Finance bieten einen schnellen, einfachen und kostengünstigen Weg, komplexe Finanzinformationen zu navigieren. Für viele ersetzt oder ergänzt die KI den traditionellen Finanzberater.
„KI erlaubt mir, die Informationen zu kontrollieren, die ich basierend auf meinen Prompts sehen möchte“, sagt Jadon Ching, Student an der Singapore Management University.
Sein Portfolio, das unter anderem Intel, Cameco und Ethereum enthält, erlebte 2025 noch eine Rallye, verlor dann aber im Januar deutlich an Wert. Diese Erfahrung unterstrich für ihn die Bedeutung von Risikomanagement und Strategien wie dem Dollar-Cost-Averaging.
Die Grenzen der KI in unsicheren Märkten
Die Märkte sind jedoch rau. Der S&P 500 erlebte 2026 heftige Schwankungen, angetrieben von geopolitischen Spannungen und Tech-Korrekturen. Solche Turbulenzen stellen datengetriebenes Investieren vor große Herausforderungen.
Analysten warnen: Die selbstbewusst klingenden Ausgaben einer KI können wichtige Nuancen oder Risiken verschleiern.
- Nicholas Low von der Finance Alliance warnt vor Trendjagd und Überhandeln ohne klare Strategie.
- Nick Cheung von Morningstar betont, dass KI-Modelle, die auf historischen Mustern basieren, riskant werden, „wenn diese Muster nicht mehr funktionieren“.
- „KI kann unbeabsichtigt schlechte Entscheidungsfindung verstärken, weil sie zu gut darin ist, Komplexes einfach darzustellen“, so Cheung.
Vom Startpunkt bis zum Hybrid-Ansatz
Nicht alle nutzen KI gleich. Für Ye Jia'En, Studentin an der NTU, ist ChatGPT ein Startpunkt für die Recherche, um schwierige Konzepte zu verstehen. Sie investiert in breit gestreute US-ETFs und verzeichnet moderate Gewinne.
Andere, wie Chern Yeh Jou (NTU), nutzen KI nur gelegentlich für Unternehmensvergleiche. Sein Tech-lastiges Portfolio hat seit 2022 beeindruckende 227% Rendite erzielt – ein Ergebnis der Tech-Rallye, nicht unbedingt der KI.
Einige sind grundsätzlich skeptisch. Liew En Jie (NUS) verzichtet komplett auf KI, da er glaubt, dass wichtige Informationen oft nicht quantifizierbar sind. Stattdessen setzt er auf ETFs und Einzelaktien und erzielte seit 2024 eine Rendite von über 48%.
Der Königsweg: KI intelligent einsetzen
Der vielleicht ausgewogenste Ansatz ist ein hybrides Modell. Ian Choi, ebenfalls NTU-Student, nutzt KI, um Finanzberichte zusammenzufassen und Renditen zu modellieren, behält aber einen Finanzberater für die finale Rationalisierung und Risikobewertung bei.
Diese Sicht teilen Experten. Timothy Liew, Leiter Investments bei der OCBC Bank, betont:
„KI kann den Zugang zu Informationen erweitern und die Entscheidungsfindung verbessern, aber menschliche Finanzberatung bleibt wichtig, um Portfolios an Ziele und Risikobereitschaft anzupassen. Es geht darum, KI klug, nicht blind, einzusetzen.“
Die Botschaft ist klar: KI ist ein mächtiges Werkzeug für die neue Generation von Anlegern, aber kein Ersatz für finanzielle Bildung, eine klare Strategie und gesundes Misstrauen – besonders wenn die Märkte wild werden.