Salesforce-Mitarbeiter fordern Stopp der ICE-Geschäfte
Über 1.400 Beschäftigte wenden sich in einem offenen Brief an CEO Marc Benioff. Sie fordern Transparenz und einen Stopp von KI-Pitches an die umstrittene Einwanderungsbehörde.
Datum
12. Februar 2026

Key Takeaways:
- Über 1.400 Salesforce-Mitarbeiter haben einen offenen Brief an CEO Marc Benioff unterzeichnet.
- Sie fordern, alle aktiven Geschäfte mit der US-Einwanderungsbehörde ICE zu beenden.
- Hintergrund sind ethische Bedenken, dass Salesforce-Produkte wie KI-Systeme die operative Kapazität der Behörde ausbauen könnten.
- Der Vorfall zeigt den wachsenden Druck von Tech-Mitarbeitern auf ihre Arbeitgeber in politisch sensiblen Fragen.
Mitarbeiter fordern klare Kante gegen ICE
Mehr als 1.400 Beschäftigte des Software-Riesen Salesforce haben sich in einem offenen Brief an CEO Marc Benioff gewandt. Sie fordern das Unternehmen auf, alle aktiven Verkaufsgespräche („Pitches“) und Geschäftsmöglichkeiten mit der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE sofort zu stoppen.
In dem Schreiben, das CNBC vorliegt, zeigen sich die Mitarbeiter „zutiefst beunruhigt“ über Medienberichte, wonach Salesforce der Behörde KI-Technologie anbietet. Diese soll ICE dabei helfen, „rasch“ 10.000 neue Agenten einzustellen und Hinweis-Meldungen zu überprüfen.
Die Forderungen der Mitarbeiter sind konkret:
- Einstellung aller aktiven ICE-Geschäfte im Bereich Vollzug und Personalbeschaffung.
- Veröffentlichung einer öffentlichen Stellungnahme, die den Abzug vermummter Agenten aus US-Städten fordert.
- Transparenz darüber, welche Dienstleistungen Salesforce für ICE erbringt.
- Ein Stopp oder Verbot von Infrastruktur und KI-Systemen, die einen operativen Ausbau von ICE ermöglichen.
Tödliche Vorfälle und ein unglücklicher Scherz
Der Brief ist die jüngste Reaktion von Tech-Mitarbeitern auf die umstrittene Rolle von ICE. Die Behörde geriet nach den tödlichen Schüssen von ICE-Agenten auf die US-Bürger Renee Nicole Good und Alex Pretti in Minnesota im Januar erneut in die Kritik.
Die Spannungen wurden durch einen unglücklichen Auftritt von CEO Benioff verschärft. Wie 404 Media berichtete, scherzte dieser auf einer Mitarbeiterveranstaltung in Las Vegas, dass „ICE“ die anwesenden Beschäftigten beobachte – eine Anspielung auf die Behörde. Die Kommentare sorgten laut Insidern für Empörung in internen Slack-Kanälen.
Wachsende Bewegung und unternehmerische Risiken
Die Aktion bei Salesforce reiht sich in eine wachsende Bewegung ein. Erst letzte Woche hatten sich 900 Google-Mitarbeiter in einem ähnlichen Brief zusammengeschlossen, um ihr Unternehmen zum Rückzug aus Geschäften mit ICE und dem Grenzschutz zu bewegen. Auch CEOs wie Tim Cook von Apple haben das Verhalten von ICE-Agenten bereits kritisiert.
Die Salesforce-Mitarbeiter argumentieren in einem ergänzenden Dokument, dass eine Zusammenarbeit mit ICE reale Risiken für sie birgt:
- Reputationsschaden und soziale Stigmatisierung.
- Die Gefahr, als komplizenhaft in Aktivitäten wahrgenommen zu werden, die sie ablehnen.
- Mangelnde Transparenz behindert informierte Entscheidungen über die eigene Arbeit.
Salesforce in der Zwickmühle
Der interne Druck kommt zu einer schwierigen Zeit für Salesforce. Investoren sind besorgt, dass KI-Modelle das Wachstum von Softwareunternehmen wie Salesforce beeinträchtigen könnten. Die Aktie des Unternehmens ist seit Jahresbeginn 2026 bereits um etwa 27% gefallen.
Gleichzeitig hat das Unternehmen im Dezember seine Arbeit für die US-Regierung hervorgehoben und ein moderates Wachstum von 9-10% für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert. Im Mai hatte die US-Behörde für allgemeine Dienste (GSA) bekannt gegeben, dass Salesforce wie auch Adobe, Microsoft und ServiceNow Rabatte auf Software für Regierungsbehörden anbietet.
Benioffs politische Ambivalenz
Die Briefschreiber verweisen auf eine gewisse Ambivalenz ihres CEOs. Sie loben ihn dafür, dass er im Oktober sagte, er glaube nicht, dass die Nationalgarde in San Francisco eingesetzt werden müsse. Nur eine Woche zuvor hatte die New York Times jedoch berichtet, Benioff unterstütze Präsident Donald Trumps Idee, Truppen in die Stadt zu entsenden.
Benioffs Nähe zur Trump-Administration wurde auch durch ein Gespräch mit Trumps KI- und Krypto-Beauftragten David Sacks im Oktober sowie einen Besuch im Weißen Haus im November deutlich.
Die Organisatoren planen, den Brief bis Freitag an Benioff zu übermitteln. Sie appellieren an sein oft zitiertes Mantra: „Business is the greatest platform for change.“ Heute, so schließen sie, müsse diese Plattform genutzt werden, um die verfassungsmäßigen Rechte der Nachbarn und die Sicherheit der Gemeinschaften zu verteidigen.
Salesforce hat auf eine Bitte um Stellungnahme zunächst nicht reagiert.