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Standard Chartered plant Crypto-Prime-Brokerage trotz Basel-Hürden

Die Londoner Bank will ihr digitales Asset-Geschäft ausbauen und könnte dabei regulatorische Kapitalanforderungen umgehen. Ein globaler Trend bei Finanzinstituten.

Datum

14. Januar 2026

Standard Chartered plant Crypto-Prime-Brokerage trotz Basel-Hürden

Key Takeaways:

  • Standard Chartered plant laut Berichten den Start eines Prime-Brokerage für Kryptowährungen.
  • Das Geschäft soll über die Venture-Capital-Einheit SC Ventures aufgebaut werden, was regulatorische Vorteile bieten könnte.
  • Die strengen Basel-III-Kapitalanforderungen für Banken mit Krypto-Exposure (bis zu 1250%) werden derzeit global auf den Prüfstand gestellt.
  • Die Bank ist bereits einer der aktivsten traditionellen Player im Krypto-Sektor mit Partnerschaften u.a. mit Coinbase und OKX.

Standard Chartered treibt Krypto-Expansion voran

Die Londoner Bank Standard Chartered bereitet offenbar den nächsten großen Schritt in den Kryptomarkt vor. Laut einem Bericht von Bloomberg plant der globale Finanzriese die Einführung eines Prime-Brokerage für digitale Assets. Ein solcher Service würde institutionellen Kunden einen umfassenden Zugang zu Handels-, Verwahrungs- und Finanzierungsdienstleistungen für Kryptowährungen bieten.

Die Diskussionen befinden sich noch in einem frühen Stadium, und ein offizieller Zeitplan steht nicht fest. Interessant ist jedoch der geplante Ansatz: Das neue Geschäft soll innerhalb der Venture-Capital-Einheit der Bank, SC Ventures, aufgebaut werden. Diese Struktur könnte strategische Vorteile mit sich bringen.

Harald Eltvedt, Operating Member bei SV Ventures, betonte kürzlich: „Da wir sehen, dass das institutionelle Engagement mit digitalen Assets zunimmt, wächst auch der Bedarf an Plattformen, die Innovation mit hohen Standards kombinieren.“

Ein aktiver Player im digitalen Ökosystem

Standard Chartered ist kein Neuling im Kryptobereich. Die Bank hat sich in den letzten Jahren als einer der proaktivsten traditionellen Finanzakteure positioniert:

  • Im Juli 2025 wurde sie die erste global systemrelevante Bank, die Spot-Handel mit Bitcoin und Ethereum für institutionelle Kunden anbot.
  • Im vierten Quartal 2025 kündigte sie eine Partnerschaft mit der Kryptobörse OKX im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) an.
  • Erst im letzten Monat erweiterte die Bank ihre Zusammenarbeit mit Coinbase, um ein Paket aus Prime-Services für Institutionen zu entwickeln, darunter Staking, Verwahrung und Kreditvergabe.

Das geplante Prime-Brokerage würde diese Aktivitäten unter einem Dach bündeln und das Angebot komplettieren.

Die regulatorische Hürde: Basel III und die 1250%-Falle

Der geplante Aufbau des Geschäfts über die VC-Sparte ist nicht nur eine organisatorische Entscheidung. Sie könnte der Bank helfen, einige der derzeit restriktivsten regulatorischen Hürden zu umgehen: die Basel-III-Kapitalvorschriften für Kryptoexposure.

Die vom Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) im Jahr 2022 veröffentlichten Standards sehen für Banken, die „permissionless“ Kryptoassets wie Bitcoin oder Ether halten, eine extrem hohe Risikogewichtung von 1250% vor. Im Klartext: Für jeden Euro Exposure in Bitcoin muss die Bank deutlich mehr Eigenkapital hinterlegen als für jedes andere Risikoasset.

Im Vergleich dazu unterliegen einige VC-Investitionen unter dem neuesten Basel-Kapitalpaket „nur“ einer 400%-Gewichtung. Die Aufnahme des Prime-Brokerage in den VC-Bereich könnte daher eine kluge strategische Manöver sein, um das Kapital effizienter einzusetzen.

Globale Regulatoren im Reformdialog

Die strikten Basel-Regeln stehen jedoch selbst auf wackeligen Füßen. Wie Bitcoinist berichtete, sind globale Aufseher bereits in Gesprächen, um die Standards für Banken-Kryptohaltungen zu überprüfen und möglicherweise zu überarbeiten. Die Regeln sollen eigentlich 2026 in Kraft treten.

  • Die USA führen laut Berichten die Forderungen nach einer Änderung an und argumentieren, die Regeln seien „inkompatibel mit der Entwicklung der Branche“, insbesondere im Stablecoin-Sektor.
  • Auch andere große Jurisdiktionen wie das Vereinigte Königreich haben sich noch nicht verpflichtet, die Standards fristgerecht umzusetzen.
  • Bankvorstände hatten die Regeln weitgehend als Signal interpretiert, Krypto zu meiden, „da sie eine schwere Kapitalbelastung für solche Bestände auferlegten.“

Der aktuelle globale Trend hin zur Regulierung und Integration von Kryptoassets hat Debatten im BCBS darüber ausgelöst, ob diese Regeln unter den heutigen Marktbedingungen noch angemessen sind. Eine Lockerung der Vorschriften würde den Einstieg für weitere Großbanken deutlich erleichtern und könnte einen neuen Schub für den institutionellen Kryptomarkt bedeuten.

Für Standard Chartered ist der Zeitpunkt für die Expansion also strategisch gewählt. Die Bank positioniert sich nicht nur als früher und aktiver Adopter, sondern könnte auch von einer möglichen regulatorischen Kehrtwende profitieren, während sie zunächst einen Weg gefunden hat, die aktuellen Hürden zu umschiffen.

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