Aave stellt wETH-Kredite nach Kelp-DAO-Exploit wieder her
Der DeFi-Kreditriese reaktiviert die Kreditvergabe gegen Wrapped Ether auf allen V3-Märkten – und markiert damit einen weiteren Schritt im Krisenmanagement nach dem Hack im April.
Veröffentlicht
18. Mai 2026

Rund einen Monat nach dem Exploit bei Kelp DAO hat Aave die Kreditvergabe gegen Wrapped Ether (wETH) auf allen V3-Märkten reaktiviert. Der DeFi-Kreditriese setzte die Beleihungsgrenzen (Loan-to-Value, LTV) auf das Niveau vor dem Sicherheitsvorfall zurück – und zwar auf den Netzwerken Ethereum Core, Ethereum Prime, Arbitrum, Base, Mantle und Linea.
Mit diesem Schritt entfallen die Notbremsen, die Aave unmittelbar nach dem Hack verhängt hatte. Sie sollten verhindern, dass die durch den Exploit ausgelösten Verwerfungen bei rsETH – einem liquiden Staking-Derivat von Kelp DAO – auf das gesamte Protokoll überschwappen. Die Märkte für rsETH selbst waren bereits am 14. Mai wieder geöffnet worden.
„Technischer Recovery-Plan“ funktioniert
Stani Kulechov, Gründer von Aave, sprach öffentlich von einem „technischen Recovery-Plan für rsETH“ und bestätigte den Abschluss dieser Phase. „Nutzer können ab sofort wieder Kredite mit wETH aufnehmen – auch über Sicherheiten und Schuldentausch“, so Kulechov in einer Erklärung auf X.
Die Normalisierung des wETH-Marktes ist aus Sicht des Protokolls überfällig. Wrapped Ether zählt – gemessen an der hinterlegten Sicherheit – zu den am stärksten genutzten Collateral-Assets in der DeFi-Welt. Ein dauerhafter Ausfall hätte nicht nur die Attraktivität von Aave geschmälert, sondern auch Signalwirkung für andere Kreditprotokolle gehabt.
Die Community lobt die Geschwindigkeit
Bemerkenswert ist der Zeitplan: Innerhalb weniger Wochen gelang es dem Aave-Team, die Märkte für rsETH und anschließend für wETH wieder voll funktionsfähig zu machen. In sozialen Netzwerken wird die Effizienz des Krisenmanagements überwiegend positiv bewertet. „Selten, dass ein System nach einem solchen Schock so schnell wieder läuft“, heißt es in einem der meistgeteilten Kommentare auf X.
Dennoch bleibt ein Risiko sichtbar: Der Governance-Token AAVE notiert bei rund 90,54 US-Dollar – rund 22 Prozent unter dem Niveau vor dem Hack. Das deutet darauf hin, dass das Vertrauen des spekulativen Marktes noch nicht vollständig zurückgekehrt ist. Systemische Risiken, die der Exploit offengelegt hat, wirken nach. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant, da die Wiederaufnahme von Kreditaktivitäten in DeFi-Protokollen neue steuerliche Tatbestände nach § 22 EStG auslösen kann – insbesondere bei der Verwendung geliehener Sicherheiten.