Anchorage Digital launcht Settlement-Plattform für
Die US-Kryptobank ermöglicht mit CMS den Handel auf externen Börsen, während Vermögenswerte in regulierter Verwahrung bleiben und Vorauszahlungen entfallen.
Veröffentlicht
2. Juni 2026

Institutionelle Anleger stehen im Kryptomarkt oft vor einem Dilemma: Sie wollen auf liquiden Börsen handeln, aber ihre Vermögenswerte nicht dem Risiko unregulierter Verwahrung aussetzen. Anchorage Digital, eine der wenigen bundesstaatlich regulierten Kryptobanken der USA, hat nun eine Lösung vorgestellt, die beide Anforderungen vereinen soll.
Die Plattform heißt Coordinated Multiparty Settlement (CMS) und ist ein gemeinsamer Settlement-Layer. Er verbindet Handelsplätze, Prime Broker und institutionelle Kunden – während die Vermögenswerte durchgehend in der regulierten Verwahrung der Anchorage Digital Bank bleiben. Das System prüft die Funding-Verpflichtungen der Teilnehmer und koordiniert die Abwicklung in Echtzeit. Das Ziel: die Zahl der notwendigen Asset-Transfers reduzieren und vor allem die Praxis der vorfinanzierten Börsenkonten überflüssig machen.
Besonders in Offshore-Handelsplätzen, so Anchorage in einem Beitrag auf X, fungiere „eine einzelne Plattform als Börse, Verwahrer und Abwickler“ – Kundengelder seien dort oft vermischt und rechtlich der Börse zugeordnet. CMS trennt diese Rollen: Prime Broker verwalten Kredite und Salden, Börsen dienen als Matching-Engine, und Anchorage übernimmt Verwahrung und Settlement.
Der Start erfolgt mit der Devisenhandelsplattform Spotex, die täglich Milliardenumsätze abwickelt. Weitere Börsenanbindungen sind in Entwicklung.
Institutionelle Infrastruktur im Umbau
Anchorage bewegt sich damit in einem Umfeld, in dem die Infrastruktur für tokenisierte Vermögenswerte und institutionellen Handel rasant ausgebaut wird. Ein zentraler Knotenpunkt ist das Canton Network, ein blockchainbasiertes Netzwerk für regulierte Finanzmärkte. Im Dezember 2025 kündigte die US-Wertpapierverwahrstelle DTCC eine Partnerschaft mit Digital Asset und Canton an, um US-Staatsanleihen aus der DTC-Verwahrung zu tokenisieren. Im Februar 2026 stieg Fireblocks ein, um Banken und Vermögensverwaltern die Verwahrung und Abwicklung tokenisierter Assets auf Canton zu ermöglichen.
Parallel dazu bauen traditionelle Banken ihre digitale Verwahrinfrastruktur aus. So übernahm die Standard Chartered Bank im Mai 2026 die Zodia Custody und gliederte gleichzeitig Zodia Solutions als eigenständige Plattform für institutionelle Digital-Asset-Kunden aus.
Aus DACH-Perspektive ist die Entwicklung interessant, weil die MiCA-Verordnung in der EU ähnliche Trennung von Verwahrung und Handel vorschreibt – und weil die BaFin bereits strengere Anforderungen an Kryptoverwahrstellen stellt. Die steuerliche Behandlung solcher Strukturen bleibt für Anleger hierzulande relevant: Sind Vermögenswerte während des Settlements steuerverstrickt? Die Frage wird sich mit der zunehmenden Verbreitung solcher Plattformen stellen.