Canton Network: Yuval Rooz verteidigt Datenschutz-Blockchain
Der CEO von Digital Asset erklärt im Interview, warum Canton trotz fehlender klassischer Blockchain-Eigenschaften für Großbanken attraktiv ist, und räumt mit Missverständnissen auf.
Veröffentlicht
23. April 2026

JPMorgan, HSBC, die DTCC – die Liste der Finanzinstitute, die auf das Canton Network setzen, liest sich wie das Who's who der traditionellen Finanzwelt. Doch genau diese Erfolge bringen dem Protokoll scharfe Kritik ein. Yuval Rooz, CEO und Co-Founder von Digital Asset, dem Unternehmen hinter Canton, weist die Vorwürfe nun entschieden zurück.
„Die Kritik an Canton ist weitgehend unbegründet und resultiert aus unseren erfolgreichen Partnerschaften“, sagte Rooz im Podcast Unchained. Das Netzwerk sei kein zentralisiertes System, wie oft behauptet werde. „Canton ist eine zentralisierte Datenbank mit einem Coin obendrauf – das ist alles nicht wahr.“
Die Hürden für tokenisierte Kapitalmärkte
Rooz sieht die zentralen Herausforderungen für die Tokenisierung von Finanzmärkten an anderer Stelle: in der Abwicklungsendgültigkeit (settlement finality) und im Datenschutz. „Wie geben wir einem Emittenten Sicherheit, wenn er nicht möchte, dass seine Bücher und Aufzeichnungen öffentlich sind?“, fragt Rooz. Solange diese Fragen nicht gelöst seien, werde die Masse der traditionellen Emittenten ihre Wertpapiere nicht auf die Blockchain verlagern.
Cantons Ansatz: ein UTXO-Modell ähnlich dem von Bitcoin, das Double Spending verhindert, kombiniert mit atomarer Zusammensetzung von Smart Contracts unter strikter Privatsphäre. „Das ist, was man auf Canton erreichen kann, aber auf keiner anderen Blockchain“, betont Rooz. Der Clou: Die Super Validatoren des Netzwerks fungieren nicht wie klassische Block-Validierer, die die Geschäftslogik prüfen. „Sie verhalten sich eher wie ISPs im Internet – sie sind ein dezentraler Ordering-Service, eine reine Koordinations- und Zeitstempel-Ebene“, erklärt Rooz. Sie sehen die Transaktionsinhalte nicht, stellen aber die Reihenfolge sicher.
Ist Canton überhaupt eine Blockchain?
Genau diese Architektur wirft die Frage auf, ob Canton überhaupt als Blockchain im klassischen Sinne gelten kann. Rooz selbst räumt ein, dass es an einigen grundlegenden Eigenschaften fehle. „Wenn man Blockchain sagt, greift man auf mehr als ein Jahrzehnt einer Industrie mit bestimmten Werten zurück“, sagt er. Die Debatte, ob Canton wirklich eine Blockchain sei, sei letztlich eine Definitionfrage – wichtiger sei, welche Eigenschaften das Netzwerk biete.
Trotz aller Kontroversen: Die Integration schreitet voran. Erst kürzlich seien Partnerschaften in Japan mit Mizuho, Nomura und der JPX für tokenisierte Staatsanleihen bekannt gegeben worden, zuvor die von HSBC für Zahlungen. „Wir setzen diese Dinge einfach um“, so Rooz. Für Anleger im DACH-Raum bleibt die Entwicklung relevant, sollten tokenisierte Anleihen oder Fondsanteile künftig auch über europäische Plattformen wie die Deutsche Börse oder SIX abgewickelt werden – die steuerliche Einordnung solcher Papiere ist dann entscheidend.