Cardano-Entwickler IOI reduziert Finanzierungsantrag drastisch
Input Output beantragt nur noch 46,8 Millionen US-Dollar aus der Community-Kasse – knapp die Hälfte des Vorjahres – und kündigt schrittweise Unabhängigkeit an.
Veröffentlicht
24. April 2026

Input Output, das private Entwicklungsunternehmen hinter der Cardano-Blockchain, wagt den ersten Schritt in die finanzielle Eigenständigkeit. Statt der im Vorjahr geforderten 97,5 Millionen Dollar beantragt die Firma für 2026 nur noch 46,8 Millionen US-Dollar aus der Community-Tresor. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Neun Einzelvorschläge sollen über die Mittelvergabe entscheiden, die über das dezentrale Governance-System von Cardano läuft.
Weniger Abhängigkeit, mehr Spezialisierung
Der reduzierte Antrag ist kein Zufall, sondern Teil einer strategischen Neuausrichtung. Input Output erklärte, die jährliche Anfrage schrittweise senken zu wollen, bis das Unternehmen vollständig aus eigenen Einnahmen bestehen kann. Statt der bisher dominierenden Rolle sollen künftig kleinere, spezialisierte Teams die Weiterentwicklung der Blockchain übernehmen. Dazu zählen Firmen wie VacuumLabs und Midgard Labs, die sich auf einzelne Ebenen der Cardano-Software konzentrieren.
„Die Community-Gelder sollen perspektivisch einem breiteren Spektrum an Ingenieurteams zugutekommen“, hieß es. Bis Ende 2026 sollen die externen Partner den Großteil der bisher von Input Output erledigten Arbeit übernommen haben.
Zwei Flaggschiff-Projekte: Leios und Pogun
Die neun Anträge gruppieren sich um zwei zentrale Vorhaben. Das größte Projekt ist Leios, ein Upgrade des Konsensmechanismus. Input Output verspricht eine Steigerung der Transaktionskapazität um das 10- bis 65-Fache – auf über 1.000 Transaktionen pro Sekunde. Zum Vergleich: Das würde Cardano von einer vergleichsweise langsamen Blockchain auf ein Niveau heben, das mit Solana und den schnellsten Ethereum-Layer-2-Netzen konkurrieren kann. Ein Testnetz ist für Juni geplant, der vollständige Einsatz bis Jahresende.
Das zweite Vorhaben heißt Pogun und zielt darauf ab, Bitcoin-basierte DeFi-Dienste auf Cardano zu ermöglichen. Bitcoin-Inhaber könnten dann Kredite aufnehmen oder Renditen erwirtschaften, ohne ihre Coins einer zentralen Stelle anvertrauen zu müssen. Die Kreditkomponente soll im zweiten Quartal öffentlich starten.
Weitere Anträge betreffen Verbesserungen an der Smart-Contract-Engine, Sicherheitstests, Entwicklerwerkzeuge und erweiterte API-Dienste. Jeder Vorschlag nennt konkrete Verantwortliche und knüpft die Auszahlung an das Erreichen von Meilensteinen – vergleichbar mit einer abschnittsweisen Bezahlung eines Bauunternehmens.
Wähler stimmen ab – ein Test für die Governance
Die Abstimmung läuft ab Dienstag bis zum 24. Mai. Rund 1.000 gewählte Delegierte, sogenannte DReps, entscheiden über die Mittelvergabe. Sie vertreten die ADA-Inhaber ähnlich wie Stimmrechtsvertreter in einer Aktiengesellschaft. Charles Hoskinson, Gründer von Input Output, will diese Woche in einem Video direkt für die Anträge werben.
Die Wahl wird zum Gradmesser für die Reife der Cardano-Governance. Im Vorjahr passierte der Antrag über 97,5 Millionen Dollar noch ohne größere Widerstände. Doch seither hat die Cardano Foundation die Kontrolle über die Fördermittel übernommen, und Intersect, die Organisation hinter dieser Abstimmung, verwaltet nun zentrale Softwarebestandteile. Es existieren Alternativen zu Input Output – ein Novum.
Parallel verbuchte das Ökosystem Erfolge: Die neue Stablecoin USDCx erreichte binnen Wochen 14,6 Millionen Token im Umlauf. Die Gesamteinlagen auf Cardano stiegen im selben Zeitraum von 137,5 auf 142,7 Millionen Dollar. Ob die Delegierten den vollständigen Antrag bewilligen, teilweise kürzen oder umschichten, wird zeigen, wie sehr sich das Denken der Community verändert hat. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung solcher Governance-Entscheidungen relevant – insbesondere mit Blick auf die anhaltende Debatte um die Besteuerung von Staking-Erträgen aus dezentralen Netzwerken.