ETF-Flaute bei Bitcoin: Hyperliquid wird zum Wall-Street-Liebling
Bitwise, 21shares und Grayscale ziehen binnen weniger Tage rund 150 Millionen Dollar mit neuen HYPE-ETFs an – während klassische Krypto-Produkte Abflüsse verzeichnen.
Veröffentlicht
7. Juni 2026

Rund 150 Millionen Dollar in wenigen Tagen: Während Bitcoin-ETFs seit Wochen Abflüsse verzeichnen und die Kurse der großen Kryptowährungen unter Druck stehen, bahnt sich an den US-Märkten ein neuer Trend an. Gleich drei Emittenten – Bitwise, 21shares und Grayscale – haben im Mai börsengehandelte Produkte aufgelegt, die den Token HYPE der dezentralen Derivatebörse Hyperliquid abbilden. Und die Anleger greifen zu – mit einer Dynamik, die selbst Börsenkenner überrascht.
Der neue Star im Krypto-Universum
Hyperliquid ist keine klassische Krypto-Börse. Die Plattform handelt Perpetual Futures – unbefristete Terminkontrakte – ausschließlich auf einer eigenen Blockchain. Sie läuft rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, und ist für Anleger konzipiert, die unabhängig von US-Handelszeiten Zugang zu gehebelten Positionen suchen. Genau diese Eigenschaft rückte den Token zuletzt ins Rampenlicht: Der militärische Konflikt zwischen dem Iran und Israel sowie die damit verbundene Unsicherheit an den traditionellen Märkten ließen die Nachfrage nach einem 24/7-Handel explosionsartig steigen.
„Die meisten Anleger haben noch nie von Hyperliquid gehört“, sagte Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise, dem Sender CNBC. „Das lässt enormes Wachstumspotenzial erahnen.“
Das Erfolgsrezept: Token-Buyback statt Dividende
Was den HYPE-Token aus Sicht institutioneller Investoren besonders attraktiv macht, ist sein Rückkaufmodell. Anders als bei vielen Krypto-Assets fließt ein erheblicher Teil der auf Hyperliquid generierten Handelsgebühren direkt in den Rückkauf des Tokens zurück. Dadurch entsteht eine enge Verbindung zwischen der wirtschaftlichen Aktivität der Plattform und dem Wert des digitalen Assets – ein Mechanismus, den klassische Anleger von Aktienrückkaufprogrammen börsennotierter Unternehmen kennen.
Die ETFs dienen dabei als Brücke zwischen der traditionellen Finanzwelt und der dezentralen Ökonomie. Sie ermöglichen den Zugang zum Hyperliquid-Ökosystem, ohne dass der Anleger ein digitales Wallet eröffnen oder eine nicht regulierte Plattform direkt nutzen muss.
Zahlen, Daten, Fakten
Bis vergangenen Freitag verwaltete das 21shares HYPE ETF rund 75,8 Millionen Dollar, der Bitwise-Konkurrent kam auf 71,14 Millionen Dollar. Das Grayscale-Produkt, das als Staking-ETF konzipiert ist und zusätzliche Erträge durch das Hinterlegen der Token bietet, startete mit 4,5 Millionen Dollar.
Im Kostenwettbewerb setzt Grayscale mit einer Gebühr von 0,29 Prozent die Benchmark, knapp gefolgt von 21shares (0,30 Prozent) und Bitwise (0,34 Prozent). Bitwise wiederum gilt als besonders gut vernetzt mit Family Offices, während 21shares auf seine langjährige Erfahrung mit einem ähnlichen Produkt in Europa verweist, das bereits 2025 aufgelegt wurde.
Risiken bleiben
Trotz des Hypes warnen Experten vor einer Überhöhung. Die Marke Hyperliquid ist außerhalb der Krypto-Blase noch kaum bekannt, die Plattform selbst ist in den USA nicht zugänglich. Grayscale-Chef Zack Pantl schätzt, dass eine mögliche Zulassung für US-Nutzer frühestens 2027 erfolgen könnte – vorausgesetzt, die Regulierung für dezentrale Märkte ist bis dahin ausreichend geklärt.
Bis dahin könnte sich die Lage dramatisch verändert haben. Die Konkurrenz schläft nicht, und die inhärente Volatilität des Kryptomarktes kann jedes Momentum schnell zunichtemachen. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Produkte entscheidend: ETFs auf Krypto-Token mit Rückkaufmechanismus dürften nach § 20 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen behandelt werden – was die Haltefrist von einem Jahr für steuerfreie Gewinne bei Direktinvestments obsolet macht.