Indische Behörde deckt 234 Fälle von Krypto-Cyberkriminalität auf
Die indische Enforcement Directorate untersucht Betrugsfälle im Wert von über 34.000 Crore Rupien. Ein Großteil der illegalen Gelder wurde über Kryptowährungen nach China geschleust.
Datum
17. Februar 2026
Key Takeaways:
- Die indische Enforcement Directorate (ED) untersucht 234 Fälle von Cyberkriminalität mit mutmaßlichen illegalen Erlösen von 34.855 Crore Rupien (ca. 3,8 Mrd. Euro).
- Ein erheblicher Teil der Gelder wurde über Kryptowährungen nach China transferiert, oft über Mittelsmänner.
- Die Behörde hat bereits Vermögenswerte im Wert von 12.230 Crore Rupien beschlagnahmt und 141 Personen festgenommen.
- Die Täter nutzen komplexe Netzwerke aus Scheinfirmen und „Mule“-Konten, um die Geldflüsse zu verschleiern.
Das Ausmaß der Ermittlungen
Die indische Strafverfolgungsbehörde Enforcement Directorate (ED) hat ein massives Netzwerk aus Cyberkriminalität und Geldwäsche aufgedeckt. Im Fokus stehen aktuell 234 Fälle, die von Online-Glücksspiel und Kryptowährungsbetrug über Investment-Schwindel bis hin zu digitalen Erpressungen reichen. Das Volumen der mutmaßlichen „Proceeds of Crime“ (PoC), also der illegal erwirtschafteten Gelder, beläuft sich auf gigantische 34.855 Crore Rupien.
Bisher konnte die Behörde bereits Vermögenswerte im Gegenwert von 12.230 Crore Rupien beschlagnahmen oder einfrieren. Die Ermittlungen führten zur Festnahme von 141 Personen und zur Einreichung von 93 Anklageschriften. In zwei Fällen wurden bereits sechs Personen verurteilt.
Kryptowährungen als Schlüsselkanal nach China
Ein zentrales Ermittlungsergebnis ist die Rolle von Kryptowährungen bei der internationalen Verschleierung illegaler Geldflüsse. Laut ED-Insidern wurden in vielen Fällen die illegalen Erlöse über digitale Währungen nach China transferiert.
„Es gibt Broker (Mittelsmänner), die große Geldbeträge in Krypto umwandeln und zurück, um Kunden zu helfen, Geld für unterbewertete Importe nach China zu schicken“, so eine Quelle.
Diese Methode ermöglicht es, die Herkunft der Gelder zu verschleiern und Kapitalkontrollen zu umgehen. Interessanterweise fließt ein Teil des Geldes später wieder nach Indien zurück – getarnt als legale ausländische Direktinvestitionen (FDI) oder Portfolioinvestitionen (FPI).
Die Methodik der Täter: Ein undurchdringliches Netz
Wie funktioniert der Betrug im Detail? Ein hochrangiger ED-Beamter beschreibt ein ausgeklügeltes System:
- Erzeugung der Illegalen Erlöse: Durch Betrugsmaschen wie Ponzi-Systeme, gefälschte Forex-/Aktienhandels-Apps, illegale Wett- und Glücksspielplattformen sowie digitale Erpressung.
- Einsatz von Scheinfirmen: Hunderte von Briefkastenfirmen werden speziell gegründet, um die Gelder aufzunehmen und abzuschöpfen.
- Nutzung von „Mule“-Konten: Die Erlöse werden auf zahlreiche Strohmann-Konten dieser Firmen geleitet. Die Täter täuschen dabei die Händlerkategorie bei Payment Gateways und Aggregatoren, die als Mittler zwischen Händler und Kunde agieren und so die Transaktionsverbindung unterbrechen.
- Verschleierung (Layering): Das Geld wird durch unzählige Transaktionen zwischen den Strohmann-Konten geschleust, um ein undurchdringliches Geflecht zu schaffen und die ursprüngliche Quelle zu verbergen.
Der internationale Geldtransfer
Die verschleierten Gelder werden schließlich ins Ausland transferiert. Dafür bedienen sich die Täter klassischer und moderner Methoden:
- Hawala-Operatoren: Traditionelle, informelle Geldtransfersysteme.
- Kryptowährungen: Direkte Umwandlung und Transfer.
- Falsche Auslandsüberweisungen: Unter Vortäuschung gefälschter Importe, Dienstleistungen, Lizenzgebühren oder Frachtkosten.
- Missbrauch von Payment-Gateways: Nutzung verfügbarer Zahlungsabwickler für den grenzüberschreitenden Transfer.
Ein besonders dreister Aspekt: Das illegal aus Indien transferierte Geld kehrt in einigen Fällen als scheinbar sauberes ausländisches Investment zurück. In den Fällen OctaFX und Mahadev Online Book wurden so 17,75 Crore bzw. 834 Crore Rupien reinvestiert.
Die Ermittlungen der ED zeigen die zunehmende Professionalisierung und Internationalisierung der Cyberkriminalität mit Kryptobezug. Sie unterstreichen die Notwendigkeit einer engen, globalen Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden, um solche undurchsichtigen Finanznetzwerke zu zerschlagen.