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KI-Super-PACs fluten US-Wahlen – aber ihre Werbung schweigt über

Millionenschwere Lobbygruppen der KI-Industrie versuchen, die Regulierung des Sektors zu beeinflussen. In den Vorwahlen setzen sie jedoch auf andere Themen, um Kandidaten durchzubringen.

Datum

28. Februar 2026

KI-Super-PACs fluten US-Wahlen – aber ihre Werbung schweigt über

KI-Riesen wie OpenAI und Anthropic pumpen bereits Millionen in die Vorwahlen für den US-Kongress 2026. Ihr Ziel: Die künftige Regulierung der Künstlichen Intelligenz in ihrem Sinne gestalten. Doch in ihrer politischen Werbung sucht man das Wort "KI" vergeblich. Stattdessen dominieren Themen wie Einwanderung, Trump und Gesundheitsversorgung die Spots.

Die ersten Vorwahlen in Texas und North Carolina sind zum Schauplatz eines verdeckten Lobbykriegs geworden. Zwei rivalisierende, von der KI-Industrie finanzierte Super-PAC-Allianzen versuchen, kandidatenfreundliche Abgeordnete ins Rennen zu schicken. Die eigentliche politische Agenda – die Gestaltung eines nationalen KI-Rahmens – bleibt dabei bewusst im Hintergrund.

Die rivalisierenden Allianzen hinter den Kulissen

Auf der einen Seite steht Leading the Future. Diese Super-PAC-Allianz wird maßgeblich von OpenAI-Mitgründer Greg Brockman, seiner Frau Anna sowie den Venture-Capital-Größen Marc Andreessen und Benjamin Horowitz finanziert. Sie verfügte Ende letzten Jahres über 39 Millionen Dollar Kriegskasse. Ihr erklärtes Ziel ist eine einheitliche, nationale KI-Regulierung, um einen Flickenteppich von Staatsgesetzen zu verhindern.

Leading the Future agiert über zwei angeschlossene Gruppen:

  • Think Big (unterstützt Demokraten)
  • American Mission (unterstützt Republikaner)

Die Gegenseite wird von Public First angeführt. Diese Super-PAC hat mindestens 20 Millionen Dollar vom KI-Unternehmen Anthropic erhalten und fordert strengere Regulierungen für KI. Auch sie operiert mit zwei Parteien-Gruppen:

  • Jobs and Democracy PAC (Demokraten)
  • Defending Our Values (Republikaner)

Brad Carson, ein ehemaliger demokratischer Kongressabgeordneter, der Public First mitführt, begründet die Strategie so: "Wir wissen, dass KI nicht das erste ist, woran die Wähler denken, wenn sie zur Wahl gehen." Stattdessen würden Themen wie Lebenshaltungskosten und Korruption im Vordergrund stehen.

New York: Erste große Schlacht im KI-Krieg

Ein heiß umkämpfter Vorwahlkreis in New York City ist zum ersten großen Schauplatz geworden. Im Rennen um den Sitz des ausscheidenden Abgeordneten Jerry Nadler konzentrieren sich beide Lager auf einen Kandidaten: den ehemaligen Palantir-Datenwissenschaftler und Staatsabgeordneten Alex Bores, ein Befürworter von KI-Sicherheitsregulierung.

Die Taktik ist dabei alles andere als transparent:

  • Think Big (Leading the Future) hat über 1,5 Millionen Dollar ausgegeben, um Bores anzugreifen – und zwar wegen Palantirs Arbeit für die Einwanderungsbehörde ICE. Das ist ironisch, da Palantir-Mitgründer Joe Lonsdale Leading the Future unterstützt und Bores genau wegen dieser ICE-Arbeit das Unternehmen verlassen hat.
  • Jobs and Democracy PAC (Public First) kontert mit eigenen Spots, die diese Angriffe als zynisch und profitgetrieben darstellen. Sie stellen Bores als den Einzigen dar, der sich den "rechten Milliardären" entgegengestellt habe.

KI-Themen bleiben in der Werbung außen vor

Das Muster setzt sich in anderen Rennen fort. Die millionenschweren Werbekampagnen der KI-Gruppen thematisieren bewusst nicht ihre eigentliche Agenda.

  • In Illinois unterstützt Think Big die Comeback-Versuche von Jesse Jackson Jr. und Melissa Bean mit über einer Million Dollar pro Kandidat. Die Werbung preist deren frühere Abstimmungen für das Affordable Care Act – lange bevor KI überhaupt ein Kongressthema war.
  • In North Carolinas Research Triangle pumpt Public First über 1,6 Millionen Dollar in den Wahlkampf der amtierenden Abgeordneten Valerie Foushee. Obwohl in ihrem Bezirk ein heftiger Streit um ein neues KI-Datenzentrum tobt, thematisiert der Pro-Foushee-Spot stattdessen Einwanderungsrazzien und die Verantwortung von Donald Trump.

"Die Debatte über KI steckt noch in den Kinderschuhen", sagt Jesse Hunt, ein Sprecher von Leading the Future. Er erwartet, dass sie sich über diesen und zukünftige Wahlzyklen hinweg entwickeln wird.

Eine bewährte, aber undurchsichtige Strategie

Die Entscheidung, das zentrale Thema herunterzuspielen, ist keine neue Strategie. Auch Lobbygruppen aus den Bereichen Kryptowährungen, Israel oder Umweltpolitik führen ihre politischen Kämpfe oft mit Themen, die für die Wählerschaft greifbarer sind.

Die KI-Titanen trennen so geschickt die politischen Ziele (das Gewinnen von Wahlen) von ihren politischen Zielen (die spätere Unterstützung ihrer regulatorischen Agenda im Amt).

Was bedeutet das für die Zukunft der KI-Regulierung?

  • Die massive Frühinvestition zeigt, wie existenziell die Branche die anstehenden Regulierungsdebatten einschätzt.
  • Die Strategie der "versteckten Agenda" könnte die demokratische Debatte über eine der transformativsten Technologien unserer Zeit verzerren.
  • Wähler in den betroffenen Bezirken treffen ihre Entscheidung möglicherweise, ohne die dahinterstehenden Interessen und die Haltung der Kandidaten zur KI vollständig zu kennen.

Die Schlacht um die Köpfe und Herzen der Wähler in Sachen KI hat begonnen. Sie wird nur zunächst nicht als solche erkennbar sein.

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