Markt-Crash: Dow, Bitcoin und Gold stürzen ab – Was steckt
Nach einem Feiertag erlebt der US-Markt einen Rücksetzer. Neben Aktien leiden auch Krypto und Rohstoffe. Wir analysieren die Treiber: KI-Ängste, Zinsunsicherheit und eine breite Risikoaversion.
Datum
18. Februar 2026
Key Takeaways:
- Dow Jones fällt um 114 Punkte, S&P 500 und Nasdaq schließen ebenfalls im Minus.
- Bitcoin verliert 2,19%, Gold stürzt um 3,21% ab – eine breite Korrektur erfasst alle Risiko-Assets.
- Treiber sind KI-Disruptionsängste, Unsicherheit über Fed-Zinssenkungen und Gewinnmitnahmen nach der Rally.
- Der Fokus liegt nun auf den anstehenden US-Inflationsdaten (PCE), die die nächste Marktrichtung vorgeben könnten.
Ein breiter Rücksetzer erfasst die Märkte
Der US-Aktienmarkt startete die Woche nach dem Presidents Day mit Verlusten. Der Dow Jones Industrial Average fiel um 114,78 Punkte auf 49.386,15 Zähler. Der S&P 500 gab 0,25% nach, der tech-lastige Nasdaq Composite verlor 0,35%. Die Korrektur war jedoch kein isoliertes Aktienphänomen.
Eine Welle der Risikoaversion erfasste parallel die Märkte für Rohstoffe und Kryptowährungen:
- Bitcoin brach um 2,19% auf 67.326 US-Dollar ein.
- Gold stürzte spektakulär um 3,21% auf 4.884,20 US-Dollar ab.
- Silber verlor sogar 6,38%, Erdgas 6,57%.
Diese synchronen Bewegungen deuten auf ein umfassendes Umschichten von Risikokapital und Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rally hin.
KI-Ängste und Zinsunsicherheit als Haupttreiber
Zwei zentrale Themen belasten die Stimmung an der Wall Street.
Die Kehrseite des KI-Booms
Während Künstliche Intelligenz in den letzten zwei Jahren massive Kursgewinne antrieb, kehrt sich die Stimmung nun. Investoren fragen sich zunehmend, welche Unternehmen wirklich von der Disruption profitieren und welche Marktanteile verlieren werden. Diese Unsicherheit führt zu Profit-Taking bei Tech- und Wachstumsaktien, was den Nasdaq besonders belastet.
„Die Märkte bewerten neu, welche Unternehmen Nutznießer sind und welche durch die beschleunigte Automatisierung Marktanteile verlieren könnten.“
Ein konkretes Beispiel ist der Energiesektor: Das Unternehmen Ormat Technologies sprang um über 5%, nachdem es eine Vereinbarung zur Lieferung von geothermischer Energie für Google-Rechenzentren bekannt gab. Dies unterstreicht, wie der KI-getriebene Datencenter-Boom die Nachfrage nach Strom fundamental verändert.
Das Fed-Dilemma
Die größte makroökonomische Unsicherheit bleibt die Geldpolitik der US-Notenbank. Wann und wie stark die Fed die Zinsen 2026 senken wird, ist völlig offen. Alle Blicke richten sich nun auf zwei anstehende Daten:
- Den Personal Consumption Expenditures (PCE) Index am Freitag, den bevorzugten Inflationsindikator der Fed.
- Die zweite Schätzung des US-BIP für das vierte Quartal.
Ein kühlerer Inflationsausdruck könnte Erwartungen für Zinssenkungen stützen, ein starkes BIP-Wachstum sie hingegen verzögern – beides wäre ein starker Kursmotor.
Auffällige Bewegungen in Einzeltiteln und ETFs
Neben den Indizes zeigten einige Einzelwerte und börsengehandelte Fonds (ETFs) extreme Bewegungen, die die Nervosität widerspiegeln.
- Nvidia: Der KI-Chipführer gewann leicht (+0,94%) bei riesigem Volumen von 93 Millionen Aktien – ein Zeichen anhaltenden Interesses trotz Tech-Schwäche.
- Tesla: Verlor fast 3% und setzte seine jüngste Volatilität fort.
- Spekulative Biotech: Hier zeigte sich die ganze Bandbreite des Risikos: Polaryx Therapeutics schoss um über 82% nach oben, während Ocular Therapeutix um 23,5% abstürzte.
Besonders aufschlussreich war das Handelsvolumen in inversen und gehebelten ETFs:
- Der Direxion Daily Semiconductor Bear 3x Shares (eine Wette auf fallende Chip-Aktien) wurde 588 Millionen Mal gehandelt.
- Der ProShares UltraShort Silver legte über 10% zu.
Dieser massive Handel in defensiv ausgerichteten Produkten signalisiert eindeutig, dass viele Investoren Absicherungsstrategien gegen weitere Rückgänge fahren.
Krypto folgt der Risikostimmung
Die Korrelation zwischen Kryptomärkten und traditionellen Risiko-Assets blieb intakt. Der breite Nasdaq Crypto Index fiel um 1,91%. Neben Bitcoin verloren auch Ethereum, Litecoin und XRP zwischen 1,2% und 2%. Die Bewegung unterstreicht, dass Kryptowährungen bei einer generellen Flucht aus risikoreichen Anlagen oft mit nachgeben.
Langfristige strukturelle Sorge: Die „K-förmige“ Wirtschaft
Jenseits der täglichen Volatilität weist eine Analyse der Bank of America auf ein tieferliegendes Problem hin: die sich weiter öffnende Schere zwischen Unternehmensgewinnen und Arbeitnehmereinkommen. In dieser sogenannten „K-förmigen Wirtschaft“ profitieren vermögende Haushalte von steigenden Asset-Preisen, während die Lohnentwicklung hinterherhinkt.
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte der wichtigste Wachstumstreiber der US-Wirtschaft – der private Konsum – langfristig unter Druck geraten. Dies ist ein struktureller Risikofaktor, der über die aktuelle Korrektur hinausreicht.
Fazit: Korrektur bei hohem Niveau
Trotz des Rücksetzers bewegen sich die US-Indizes nach wie vor auf Rekordnähe. Die kurzfristigen Risiken haben sich jedoch verdichtet. Die Kombination aus:
- KI-Bewertungszweifeln,
- Zinsunsicherheit der Fed,
- Rohstoffvolatilität und
- strukturellen Ungleichheitstrends
erzeugt eine vorsichtige Grundstimmung. Die Richtung für die kommenden Wochen wird der PCE-Inflationsbericht am Freitag vorgeben. Bis dahin dürfte die Volatilität hoch bleiben.