Prediction Markets: 255 Mio. Dollar auf Khameneis Tod und
Nach den tödlichen Angriffen auf Irans Obersten Führer geraten Plattformen wie Polymarket und Kalshi unter Druck. Nutzer klagen über unfaire Abrechnungen, Politiker fordern ein Verbot von Märkten, die Tod und Krieg bepreisen.
Datum
2. März 2026
Key Takeaways:
- Auf Polymarket und Kalshi wurden mindestens 255 Millionen Dollar auf Märkte im Zusammenhang mit den US/Israel-Streiks im Iran und dem Tod von Ali Khamenei gesetzt.
- Nutzer kritisieren die Abrechnung ihrer Wetten als unfair oder undurchsichtig. Einige verdächtigen Insider-Informationen.
- US-Senatoren fordern gesetzliche Maßnahmen gegen Märkte, die finanzielle Anreize für Tod und Krieg schaffen könnten.
Die Nachricht von den tödlichen US- und israelischen Angriffen auf Ziele im Iran und den Tod des Obersten Führers Ali Khamenei schlug am Wochenende nicht nur politisch, sondern auch auf den Prediction Markets ein. Während die Welt auf die Eskalation blickte, setzten Tausende auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi Millionen – und sorgten nun für eine zweite Welle der Kontroverse.
Märkte im Ausnahmezustand
Allein auf Polymarket wurden nach Angaben von Business Insider mindestens 200 Millionen Dollar in vier Wetten gepumpt, die sich direkt auf US-Streiks, einen Regimewechsel oder Khameneis Tod bezogen. Die reguliertere US-Plattform Kalshi, die Märkte zu Krieg und Attentaten verbieten muss, verzeichnete fast 55 Millionen Dollar an Kontrakten zur Frage, ob Khamenei in den kommenden Monaten „raus“ sein würde.
Die Aktivität war so hoch, dass Kalshi die Märkte am Samstagnachmittag vorübergehend stoppte. Die Unklarheiten in den Vertragsbedingungen und der stetige Nachrichtenfluss verleiteten einige Nutzer dazu, glauben, einen Vorteil zu haben. Die anschließende Abrechnung führte jedoch zu massiver Verärgerung.
„Raub. Diese Plattform ist schrecklich“, schrieb ein Nutzer, nachdem er 11,25 Dollar auf einen Long-Shot auf Khameneis Sturz verloren hatte.
Der Vorwurf: Unklare Regeln und mögliche Insider
Die Kritik der Nutzer zielt auf zwei Hauptpunkte ab:
- Die unklare Formulierung der Märkte und ihre Abrechnungslogik.
- Der Verdacht auf Insiderhandel oder Marktmanipulation.
Das Marktüberwachungs-Unternehmen Bubblemaps identifizierte am Samstagmorgen mehrere neue Krypto-Wallets auf Polymarket, die gemeinsam über 1,2 Millionen Dollar mit Wetten auf einen US-Angriff auf den Iran verdient hatten. Auffällig: Die meisten dieser Wallets wurden erst in den 24 Stunden vor dem Angriff finanziert und setzten gezielt auf den 28. Februar.
Auf Polymarket sorgte ein geschlossener Markt, der fragte, ob die USA Khamenei bis zum 31. März „gewaltsam entfernen“ würden, für Aufruhr. Die Plattform entschied mit „Nein“, da die USA den Tod des Obersten Führers lediglich „beitrugen oder unterstützten“, ihn aber nicht allein durchführten. Nutzer forderten eine Überprüfung dieses Ergebnisses.
Politisches Donnerwetter: Senatoren fordern Verbot
Die Ereignisse heizen eine bereits laufende politische Debatte an. Märkte, die teilweise vom Tod einer Person abhängen, gehören zu den umstrittensten überhaupt, da sie finanzielle Anreize für Tötungen schaffen könnten.
- In Israel wurden im Februar bereits mehrere Personen festgenommen, die mutmaßlich militärische Geheimnisse für Polymarket-Wetten nutzten.
- Sechs demokratische US-Senatoren forderten Ende Februar die Aufsichtsbehörde CFTC auf, gegen Verträge vorzugehen, die „körperliche Verletzung oder Tod incentivieren“.
- Senator Chris Murphy kündigte an, „so schnell wie möglich“ Gesetze einzubringen, um zu verhindern, dass „Leute um Trump“ „von Krieg profitieren“.
Die Reaktion der Plattformen
Unter diesem Druck reagierten die Plattformen. Kalshi-Gründer Tarek Mansour erklärte, dass Wetten auf Khameneis Sturz zum Kurs eine Minute vor den gemeldeten Streiks abgerechnet würden. Nutzer, die danach kauften, erhielten teilweise eine Rückerstattung.
Ein Kalshi-Sprecher betonte gegenüber Business Insider: „Kalshi erlaubt keine Märkte, die direkt mit Tod verknüpft sind. Wir haben jede Vorkehrung getroffen, um sicherzustellen, dass Menschen nicht auf das Ergebnis eines Todes handeln können.“ Man habe Gebühren und Nettoverluste erstattet, weil die User Experience hätte klarer sein können.
Einige Nutzer unterstützten diese Linie. „90% von euch habt nie die Regeln gelesen und seid sauer auf Kalshi, weil ihr mit euren lächerlichen 10 Dollar kein Geld machen konntet“, kommentierte ein User. „Reißt euch zusammen und fangt an, Regeln zu lesen.“
Polymarket äußerte sich auf Anfrage von Business Insider nicht.
Die Ereignisse der letzten Tage zeigen: Prediction Markets sind aus der Nische herausgewachsen und stehen nun im Rampenlicht globaler Krisen. Die Frage, wie sie mit Ereignissen von tödlichem Ernst umgehen, wird ihre regulatorische Zukunft maßgeblich bestimmen.