Securitize-CEO: Tokenisierte Aktien treiben RWA-Markt auf
Carlos Domingo sieht in tokenisierten Aktien und ETFs den wahren Wachstumstreiber – und nicht in Krypto-Staatsanleihen. Schon 2 bis 3 Prozent des globalen Aktienmarktes könnten den Markt auf 5 Billionen Dollar katapultieren.
Veröffentlicht
10. Juni 2026

Der CEO des Tokenisierungsunternehmens Securitize, Carlos Domingo, sieht tokenisierte Aktien und ETFs als den eigentlichen Wachstumstreiber für den Markt der realen Vermögenswerte (RWA) – nicht Krypto-Staatsanleihen oder Privatkredite. Beim ETHConf-Panel in New York am Dienstag erklärte er, dass ein Umzug von nur wenigen Prozent des weltweiten Aktienmarktes auf die Blockchain die gesamte RWA-Branche in den Billionenbereich katapultieren könnte.
„Der gesamte globale Aktien- und ETF-Markt liegt bei schätzungsweise 150 Billionen Dollar“, sagte Domingo. „Wenn davon nur ein kleiner Prozentsatz – etwa 2 oder 3 Prozent – auf die Blockchain wechselt, kommt man sehr nahe an die 5 Billionen Dollar heran.“
Tokenisierte Aktien als nächster Wachstumsmotor
Die Aussage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Securitize selbst den Börsengang an der New York Stock Exchange (NYSE) vorbereitet. Das Unternehmen hat sich als einer der größten Tokenisierungsdienstleister für Institutionen etabliert – inklusive einer Partnerschaft mit dem weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock.
Während tokenisierte US-Staatsanleihen in den vergangenen zwei Jahren die dominierende Kategorie im RWA-Sektor waren, argumentierte Domingo, dass tokenisierte Aktien der nächste große Wachstumsmotor werden. Securitize hat bereits Partnerschaften mit der NYSE und dem Transferagenten Computershare angekündigt. Ziel ist der Handel und die Abwicklung von Aktien auf der Blockchain.
„Echte“ Tokenisierung vs. Derivate
Domingo zog eine scharfe Trennlinie zwischen dem, was er als „echte“ tokenisierte Aktien bezeichnet, und den zunehmend außerhalb der USA angebotenen Blockchain-basierten Aktienprodukten. Viele dieser Angebote basieren seiner Meinung nach auf Derivaten oder synthetischen Strukturen – nicht auf direktem Eigentum an den zugrundeliegenden Aktien.
Das langfristige Ziel sei es, dass Blockchain-basierte Wertpapiere dieselben Anlegerrechte wie traditionelle Aktien bieten – ergänzt durch sofortige Abwicklung, Rund-um-die-Uhr-Übertragbarkeit und tiefere Integration in dezentrale Finanzmärkte (DeFi).
Ethereum als bevorzugte Infrastruktur
Domingo hält an Ethereum als bevorzugter Infrastruktur für institutionelle Tokenisierung fest – trotz Bedenken hinsichtlich Transparenz und Compliance. Securitize setzt Smart Contracts ein, um den Besitz auf zugelassene Investoren zu beschränken, während die Vermögenswerte auf öffentlichen Netzwerken handelbar bleiben.
„Die traditionellen Märkte werden bleiben. Wir werden einen neuen Markt sehen, der parallel entsteht, auf Blockchain-Schienen läuft und wesentlich effizienter sein wird.“
DACH-Perspektive
Sollte Domingo recht behalten, dürfte die Entwicklung auch für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz relevant werden. Die EU-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets) schafft bereits einen regulatorischen Rahmen für tokenisierte Vermögenswerte – inklusive Aktien. Deutsche Anleger müssten jedoch weiterhin die steuerliche Einordnung solcher Papiere beachten: Aktiengewinne unterliegen der Abgeltungsteuer, und die Haltedauer von einem Jahr für steuerfreie Veräußerungsgewinne könnte bei tokenisierten Anteilen neu bewertet werden. Die BaFin dürfte hier eine entscheidende Rolle spielen.