Tether friert 344 Millionen US-Dollar auf OFAC-Anordnung ein
Der Stablecoin-Emittent kooperiert mit US-Behörden und stellt Circle beim Drift-Protocol-Hack als reaktionsschneller dar.
Veröffentlicht
25. April 2026

Der Stablecoin-Emittent Tether hat auf Ersuchen des US-Finanzministeriums (OFAC) und amerikanischer Strafverfolgungsbehörden knapp 344 Millionen US-Dollar in USDT eingefroren. Betroffen sind zwei Wallets auf der Tron-Blockchain, die mutmaßlich mit sanktionierten Personen oder kriminellen Netzwerken in Verbindung stehen. Das Unternehmen präsentiert den Schritt als routinemäßigen Teil seiner Compliance-Praxis – und stellt sich damit einmal mehr als kooperationswilliger Partner der US-Behörden dar.
Tether als verlängerter Arm der Strafverfolgung
Das eingefrorene Volumen ist kein Einzelfall. Tether gibt an, weltweit mit über 340 Polizei- und Justizbehörden in 65 Ländern zusammenzuarbeiten. Insgesamt habe man mehr als 2.300 Fälle unterstützt, davon über 1.200 mit direktem Bezug zu US-Behörden. Die Summe aller eingefrorenen Vermögenswerte belaufe sich auf über 4,4 Milliarden US-Dollar – mehr als 2,1 Milliarden davon im Auftrag amerikanischer Stellen.
„USDT darf kein sicherer Hafen für kriminelle Aktivitäten sein“, sagte Tether-CEO Paolo Ardoino. Das Unternehmen handle schnell und entschlossen, sobald glaubwürdige Verbindungen zu sanktionierten Entitäten erkennbar seien.
Circle gerät in die Kritik – Drift-Protocol-Hack als Wendepunkt
Die Tether-Meldung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der zweitgrößte Stablecoin-Emittent Circle (USDC) massiv unter Druck steht. Hintergrund ist der Hack des Drift Protocol Anfang April. Damals erbeuteten Angreifer rund 280 Millionen US-Dollar in Kryptowerten. Laut einem Bericht von NewsBTC und einer in Massachusetts eingereichten Klage habe Circle es versäumt, gestohlene USDC-Bestände rechtzeitig einzufrieren – obwohl das Unternehmen technisch und vertraglich dazu in der Lage gewesen wäre.
Die Kläger werfen Circle vor, die Täter hätten über Circles Cross-Chain Transfer Protocol (CCTP) bis zu 230 Millionen US-Dollar auf die Ethereum-Blockchain transferieren können. Circle habe diese Transfers nicht gestoppt, obwohl der Diebstahl bereits bekannt war. Das Unternehmen weist die Vorwürfe bislang nicht öffentlich zurück.
Tether punktet mit Kooperation – Circle mit Image-Schaden
Noch bemerkenswerter: Während Circle wegen des Drift-Vorfalls juristisch in der Defensive ist, gab Tether eine strategische Zusammenarbeit mit dem Drift Protocol bekannt. Ziel sei ein strukturierter Wiederherstellungsplan für betroffene Nutzer, der mit bis zu 150 Millionen US-Dollar hinterlegt werde – rund 127,5 Millionen davon von Tether selbst. Der Schritt dürfte das Vertrauen in USDT innerhalb der DeFi-Szene weiter stärken.
DACH-Perspektive: Regulierung als Marktvorteil?
Aus deutscher Sicht ist die Entwicklung doppelt relevant. Einerseits zeigt sie, dass Stablecoin-Emittenten unter MiCA künftig noch strengeren Transparenz- und Kooperationspflichten unterliegen werden. Andererseits verdeutlicht der Fall Circle, dass sich Compliance-Verstöße unmittelbar in Klagen und Reputationsverlusten niederschlagen können – ein Risiko, das Anleger im DACH-Raum bei der Wahl ihrer Stablecoin-Plattform berücksichtigen sollten.
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung solcher Freeze-Ereignisse relevant: Wird ein Wallet eingefroren, gelten die Coins steuerlich weiterhin als gehalten – eine Veräußerung liegt nicht vor. Eine private Nutzungspflichtverletzung kann jedoch bei Dienstleistern wie Tether oder Circle Schadensersatzansprüche auslösen.