US-Regierung transferiert 98.590 Chainlink im Wert von 768.000
Ein Wallet des US-Justizministeriums schickt beschlagnahmte LINK-Token an Coinbase Prime. Trotz Nervosität am Markt ist der Betrag im Verhältnis zum täglichen Handelsvolumen verschwindend gering.
Veröffentlicht
11. Juni 2026

Eine On-Chain-Transaktion hat erneut für Unruhe im Kryptomarkt gesorgt: Ein Wallet, das von der Analyseplattform Arkham mit der US-Regierung in Verbindung gebracht wird, transferierte 98.590 Chainlink-Token (LINK) an die institutionelle Plattform Coinbase Prime. Zum Zeitpunkt der Bewegung lag der Wert der Sendung bei rund 768.000 US-Dollar.
Der Transfer weckt unweigerlich Erinnerungen an die Insolvenz von FTX und Alameda Research. Die Token stammen aus beschlagnahmten Vermögenswerten, die nach dem Zusammenbruch des Krypto-Imperiums von Sam Bankman-Fried im November 2022 sichergestellt wurden. Seitdem verwaltet die US-Regierung ein milliardenschweres Portfolio an digitalen Assets, das zur Entschädigung der Geschädigten dienen soll.
Bewegung, aber noch kein Verkauf
Bereits im Juli 2024 hatte der US Marshals Service (USMS) Coinbase Prime als Partner für die Verwahrung und den Handel großer Krypto-Bestände ausgewählt. Ein Transfer auf diese Plattform bedeutet jedoch nicht zwangsläufig einen unmittelbaren Verkauf. Es könnte sich ebenso um eine reine Depotumschichtung handeln – oder um die Vorbereitung einer strukturierten Versteigerung, wie sie die Behörden in der Vergangenheit bereits praktiziert haben.
Dennoch reagiert der Markt empfindlich: LINK notiert bei rund 7,66 Dollar, mit einem Minus von zwei Prozent in den letzten 24 Stunden. Der Token hat im vergangenen Monat 27 Prozent und auf Jahressicht fast die Hälfte an Wert verloren. In einem ohnehin schwachen Umfeld wird jede Nachricht mit potenziellem Verkaufsdruck zum Stimmungskiller.
Realität vs. Symbolik
Eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass das Ausmaß der Bewegung überschaubar ist. Die 98.590 LINK entsprechen weniger als 0,4 Prozent des täglichen Handelsvolumens von Chainlink, das bei rund 225 Millionen Dollar liegt. Bezogen auf die zirkulierende Menge von 727 Millionen Token sind es sogar nur etwa 0,01 Prozent. Selbst wenn die Regierung alles auf einmal verkaufen würde, wäre der Effekt auf den Kurs begrenzt.
„Der Transfer ist eher symbolisch aufgeladen als quantitativ bedrohlich“, kommentiert ein Analyst der Plattform Lookonchain. „Das Volumen ist zu klein, um den Markt nachhaltig zu bewegen.“
Wie geht es weiter?
Die nächsten Schritte werden zeigen, ob es sich tatsächlich um eine Verkaufsvorbereitung handelt. Landen die Token auf einem OTC-Desk oder bleiben sie in der Verwahrung, entfällt der Verkaufsdruck. Eine direkte Marktplatzierung wäre dagegen ein klares Signal.
Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant. Sollte die US-Regierung tatsächlich LINK veräußern, könnte dies als externes Ereignis steuerlich nicht relevant sein – wohl aber mittelbar über die Kursentwicklung. Wer selbst Chainlink hält und Veräußerungen plant, sollte die Haltefrist von einem Jahr gemäß § 23 EStG im Blick behalten, um Spekulationsgewinne steuerfrei realisieren zu können.
Die Diskussion um den LINK-Transfer ist auch ein Beispiel dafür, wie schnell Stimmungslagen im Kryptomarkt durch vermeintliche Verkaufsdrohungen kippen können – und wie wichtig es ist, hinter die Symbolik zu blicken.