XRP-Kursrutsch: Realisierter Gewinn-Verlust-Quotient stürzt auf
Die On-Chain-Daten signalisieren eine drastische Verschiebung: Anleger realisieren immer mehr Verluste, während die Abflüsse von den Börsen zunehmen. Ein mögliches Zeichen für Kapitulation oder Bodenbildung?
Veröffentlicht
11. Juni 2026

Der Druck auf den XRP-Kurs hält an. Nachdem die Münze kurzzeitig über die Marke von 1,20 Dollar kletterte, ist sie nun wieder darunter gefangen – und mit ihr die Stimmung vieler Anleger. Ein genauer Blick auf die On-Chain-Daten zeigt nun, wie tief die Verunsicherung tatsächlich reicht.
Realisierte Verluste dominieren den Markt
Die Analyseplattform Glassnode hat einen bemerkenswerten Indikator aktualisiert: den Realized Profit to Loss Ratio auf dem 90-Tage-Zeitraum. Dieser liegt aktuell bei 0,38. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt des Aufwärtstrends im Jahr 2025 lag der Wert noch bei 50. Damals wurden also auf jeden realisierten Dollar Verlust 50 Dollar Gewinn mitgenommen. Heute hat sich das Verhältnis komplett umgekehrt. Auf jeden Dollar Verlust, den Anleger realisieren, kommen nur noch 38 Cent Gewinn.
Ein Wert deutlich unter 1 gilt als klassisches Anzeichen für Kapitulation – viele Marktteilnehmer steigen zu Verlustpreisen aus.
Kapitulation oder falsches Signal?
Die Analyseplattform betont, dass ein derart niedriger Wert oft die intensivste Phase eines Bärenmarktes markiert. Wenn die Mehrheit der Teilnehmer, die ihre Bestände bewegen, dies mit Verlust tut, spricht man von einem capitulation event. Historisch gingen solchen Phasen häufig Trendwenden voraus – aber nicht immer.
Interessant ist die Gegenbewegung im Spotmarkt. Während der Kurs fällt, steigt das Handelsvolumen auf den Kassa-Börsen – und zwar angeführt von großen Adressen, den sogenannten Whales. Daten von CW auf X (ehemals Twitter) zeigen, dass diese Großanleger seit Oktober 2022 den Spotmarkt dominieren. In der Vergangenheit fiel dieses Verhalten häufig mit Akkumulationsphasen zusammen, also dem gezielten Aufbau von Positionen, bevor Kurse wieder steigen.
Abflüsse von Upbit als Hoffnungsschimmer
Ein weiteres Indiz liefern die Abflüsse von den Börsen. Besonders auffällig: Die Reserven von XRP auf der koreanischen Plattform Upbit sinken. Laut Analysten gibt es eine inverse Korrelation zwischen den Upbit-Reserven und dem XRP-Kurs: Steigen die Bestände, folgt oft eine Abwärtsbewegung. Sinken sie – wie aktuell – deutet das auf Abflüsse in private Wallets und möglicherweise auf eine Bodenbildung hin.
Für Anleger im deutschsprachigen Raum ist die Entwicklung aus mehreren Gründen relevant: Einerseits wirkt sich ein tiefer Kursstand auf die Steuerpflicht aus. Wer XRP mit Verlust verkauft, kann diesen unter bestimmten Voraussetzungen mit anderen Gewinnen verrechnen. Andererseits bleibt die Frage der BaFin-Regulierung im Raum – besonders im Hinblick auf die rechtliche Einordnung des Tokens nach dem SEC-Prozess. Solange diese Unsicherheit besteht, bleibt Vorsicht geboten.
Die On-Chain-Daten zeichnen ein gemischtes Bild: Die kurzfristige Stimmung ist schlecht, aber die Aktivität der großen Akteure und die Abflüsse von den Börsen könnten ein frühes Signal für eine Trendwende sein. Ob XRP den tatsächlichen Boden bereits gesehen hat, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.