Bitcoin ETF-Abflüsse: 1 Mrd. US-Dollar in 3 Tagen, Kurs unter Druck
Die anfängliche Januareuphorie bei den US-Spot-ETFs weicht einer Phase der Konsolidierung. Analysten sehen eine massive Widerstandszone und eine Verschiebung der Markterwartungen.
Datum
10. Januar 2026

Key Takeaways:
- US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in den letzten drei Tagen Netto-Abflüsse von fast 1 Milliarde US-Dollar.
- Bitcoins Erholung stößt auf eine massive Widerstandszone zwischen 92.100 und 117.400 US-Dollar.
- Daten aus dem Optionsmarkt deuten auf das Ende der Momentum-Jagd und eine Phase der Seitwärtsbewegung hin.
Die anfängliche Euphorie zum Jahresbeginn bei den US-Spot-Bitcoin-Exchange-Traded Funds (ETFs) scheint verflogen. Statt weiterer Zuflüsse verzeichneten die Produkte am Donnerstag den dritten Tag in Folge Netto-Abflüsse, während Händler das Risiko neu bewerten.
Laut Daten von Farside beliefen sich die täglichen Abflüsse auf 205,5 Millionen US-Dollar. Damit summieren sich die Netto-Abflüsse der letzten drei Tage auf fast 934,8 Millionen US-Dollar. Seit Jahresbeginn gab es nur an zwei Tagen mehr Zu- als Abflüsse. Dennoch bleibt der 7-Tage-Nettofluss mit 240,7 Millionen US-Dollar vorerst positiv.
ETF-Flüsse als Stimmungsbarometer
Obwohl es sich um einen nachlaufenden Indikator handelt, spiegeln ETF-Flüsse oft die Stimmung am Kryptomarkt wider und verstärken tendenziell die Richtung des zugrundeliegenden Asset-Preises.
Bitcoins Jahresgewinn hat sich von 8% am Mittwoch auf 4% am Donnerstag halbiert. Die größte Kryptowährung notiert nach einem kurzen Dip unter 90.000 US-Dollar derzeit nahezu unverändert bei etwa 91.100 US-Dollar.
„Es ist nicht überraschend, dass ETF-Anleger ein wenig Risiko abbauen“, sagte Sean Dawson, Forschungsleiter bei der On-Chain-Optionsplattform Derive, gegenüber Decrypt. „Die aktuellen Flüsse spiegeln eher taktische Positionierung und Stimmungswechsel wider als einen plötzlichen Zusammenbruch der zugrundeliegenden Nachfrage.“
Dawson führt eine Kombination aus Faktoren für die anhaltenden Abflüsse an:
- Kapitalumschichtungen nach Jahresende
- Bitcoins gescheiterter Ausbruchversuch bei etwa 92.000 US-Dollar
- Zunehmende makroökonomische Unsicherheit (u.a. nach US-Operation in Venezuela)
- Verschlechternde US-Konjunkturdaten wie steigende Arbeitslosenzahlen
Was den Bitcoin-Kurs bremst
Der Rückgang der ETF-Nachfrage fällt mit einer bedeutenden on-chain Widerstandszone zusammen. Der Rallye zum Jahresanfang hatte Bitcoin über 94.000 US-Dollar gedrückt – direkt in eine Zone, die von jüngsten Käufern auf hohem Niveau dominiert wird.
Laut einem aktuellen Bericht von Glassnode liegt deren durchschnittlicher Einkaufspreis (Cost Basis) eng gebündelt zwischen 92.100 und 117.400 US-Dollar.
„Der Markt sieht sich nun einem steigenden Verkaufsdruck auf Break-Even-Niveau gegenüber, da diese Anleger wieder die Möglichkeit haben, Positionen ohne Verluste zu schließen“, stellen die Glassnode-Analysten fest. „Folglich wird jeder Versuch, eine nachhaltige Haussephase wiederzubeleben, wahrscheinlich Zeit und Widerstandsfähigkeit erfordern, um dieses Überhangangebot zu absorbieren.“
Signale aus dem Optionsmarkt
Dawson verweist auch auf ein klares Signal aus dem Optionsmarkt: Das Ende der „Aufwärtsjagd vom frühen Januar“. Der Call-Skew für kurzfristige Optionen sei wieder negativ geworden, nachdem das Momentum nachließ.
„Insgesamt sieht die Aufwärtsbewegung begrenzt aus, und der Markt erwartet eine Konsolidierung in den nächsten Wochen“, so seine Einschätzung.
Sollte sich Bitcoin stabilisieren und einen neuen Erholungsversuch starten, wird die nächste wichtige Ebene die Cost Basis der kurzfristigen Halter bei etwa 98.900 US-Dollar sein. Bis dahin muss der Markt jedoch erst die massive Verkaufsmauer darüber überwinden.