Bitcoin als neutrales Zahlungsmittel: Neue Bewertung durch
Bitwise-CIO Matt Hougan argumentiert, dass geopolitische Spannungen Bitcoin nicht nur als Gold, sondern als unabhängiges globales Abrechnungsnetzwerk aufwerten.
Veröffentlicht
15. April 2026

Bitcoin stieg zwischen dem 27. Februar und dem 10. April um 12 %, während der S&P 500 um 1 % fiel und Gold sogar 10 % verlor. Für Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise, ist diese divergente Performance mehr als nur eine kurzfristige Marktreaktion. Sie deutet auf eine tiefgreifende Neubewertung des Assets hin.
In einem aktuellen Memo argumentiert Hougan, dass der Markt Bitcoin zunehmend auf zwei Ebenen bewertet. Die erste ist die bekannte „Digital Gold“-These, bei der Bitcoin als besseres Wertaufbewahrungsmittel gegenüber dem Edelmetal konkurriert.
Vom Spekulationsobjekt zur geopolitischen Option
Die zweite, spekulativere Ebene ist neu: Bitcoin wird als eine Art „Out-of-the-Money-Call-Option“ auf seine Zukunft als politisch neutrales Abrechnungsasset bewertet. Der Wert dieser Option steigt, je fragmentierter und unsicherer die globale Finanzarchitektur wird. „Konflikte erhöhen den Wert der Optionalität von Bitcoin“, schreibt Hougan, „weil sie sowohl den Stress auf das aktuelle Währungssystem erhöhen als auch neue Anreize schaffen, Werte durch Vermögenswerte zu leiten, die außerhalb der Kontrolle einer einzelnen Regierung liegen.“
Als Beleg führt Hougan die Entwicklung seit dem Ukraine-Krieg 2022 an. Der Ausschluss russischer Banken aus SWIFT habe alternative Abrechnungswege beschleunigt. Der Anteil des Yuan am russischen Außenhandel sei von unter 2 % vor dem Krieg auf fast 40 % Anfang 2024 gestiegen. Zudem berichtet der CIO von einem Financial Times-Artikel, wonach der iranische Ölexportsektor für Schiffe in der Straße von Hormus eine Maut von einem Dollar pro Barrel in Bitcoin verlangen wolle.
Konsequenzen für die langfristige Bewertung
Hougan betont, dass Bitcoin noch kein bedeutendes globales Abrechnungsmittel sei. Doch das Szenario sei heute weniger abwegig als noch vor wenigen Jahren, und der Markt beginne möglicherweise, diese Möglichkeit einzupreisen. Die Konsequenz für Investoren: Bitcoin könnte sich zunehmend als Absicherung gegen geopolitische Unordnung etablieren – nicht, weil Kriege risikofreudige Anlagen beflügeln, sondern weil eine fragmentierte Weltordnung den Reiz neutralen, portablen Geldes erhöht.
Sollte sich Bitcoin tatsächlich parallel als Wertaufbewahrungsmittel und Abrechnungsnetzwerk durchsetzen, könnten heutige langfristige Bewertungsmodelle zu konservativ sein. Die vielzitierte Marke von einer Million Dollar pro Bitcoin rückt in Hougans Sicht dann in einen realistischeren Rahmen.
Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche Behandlung solcher Szenarien relevant: Gewinne aus dem Verkauf nach einer Haltefrist von über einem Jahr sind hierzulande steuerfrei, was langfristige strategische Wetten wie die von Hougan beschriebene begünstigen kann.