Bitcoin-Debatte: Nur 0,0032% des Blockraums durch große OP_RETURN
Entwickler Murch legt On-Chain-Daten vor, die die Kritik an der Core-30-Erweiterung auf 100.000 Bytes relativieren. Die Community bleibt gespalten.
Veröffentlicht
16. Mai 2026

Ein einziger Wert bringt die Gemüter in der Bitcoin-Community zum Kochen: 0,0032 Prozent. Das ist der Anteil am gesamten Blockraum, den OP_RETURN-Outputs mit mehr als 83 Bytes in den vergangenen Monaten belegt haben. Veröffentlicht hat diese Zahl Murch, einer der führenden Bitcoin-Core-Entwickler und Herausgeber des offiziellen BIP-Repositoriums. Sein Kommentar dazu fiel knapp und sarkastisch aus: „erschütternd“.
Die Daten stammen von Dune Analytics und decken den Zeitraum von Februar 2023 bis Mai 2026 ab. Murch hat sie in zwei Grafiken aufbereitet: Die erste zeigt die wöchentliche Anzahl aller OP_RETURN-Outputs, aufgeschlüsselt nach Größe. In der von ihm analysierten Woche machten Outputs über 83 Byte gerade einmal 0,000075 Prozent aller Ausgaben aus. Die zweite Grafik misst den belegten Speicherplatz – mit dem genannten Ergebnis von 0,0032 Prozent des gesamten Blockraums.
Der Streit um Bitcoin Core 30
Der Hintergrund dieser Zahlen ist ein seit Monaten schwelender Konflikt. Bitcoin Core 30 hatte im Oktober 2025 das Standardlimit für OP_RETURN-Daten von 83 auf 100.000 Bytes angehoben. Kritiker warnten damals, dies ebne den Weg für Spam und potenziell illegale Inhalte auf der Blockchain. Die nun vorgelegten On-Chain-Daten scheinen diese Befürchtungen zu entkräften – jedenfalls auf den ersten Blick.
Doch die Gegenseite hält dagegen. Ein Betreiber von Bitcoin-Knoten konterte mit einer anderen Statistik: Im letzten Quartal hätten Inskriptionen via Ordinals und Runes zusammen mit OP_RETURN-Transaktionen 44 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen ausgemacht – davon fast 63 Prozent OP_RETURN. Aus dieser Perspektive erscheint die marginale Nutzung der großen Outputs als scheinheiliges Argument. „Es geht nicht um die Menge, sondern um die Qualität“, schrieb ein Nutzer. Das Problem sei nicht, was heute gespeichert werde, sondern was morgen ohne Einschränkung möglich sei.
Technische Kritik und BIP-110 als Gegenentwurf
Der Quanten-Experte Steve Tippeconnic brachte eine technischere Nuance in die Debatte. Seiner Ansicht nach habe die Limit-Erhöhung das eigentliche Problem nicht gelöst: Die Datenablage im Witness-Bereich, die Protokolle wie Ordinals nutzen, bleibe möglich. Stattdessen habe Core 30 einfach einen neuen, direkteren Weg eröffnet, Daten sichtbar zu machen. „Genau wie alle in BIP-110 vorhergesagt haben“, so Tippeconnic.
BIP-110 ist der Gegenentwurf zum Core-30-Update. Entwickelt vom anonymen Programmierer Dathon Ohm, sieht die Proposal einen Soft Fork vor, der nicht-finanzielle Nutzungen des Blockraums einschränkt. Bitcoin Knots, ein alternativer Client, hat BIP-110 bereits standardmäßig integriert und filtert die von Core 30 freigegebenen Transaktionen heraus. Ob die Initiative Wirkung entfaltet, hängt nun davon ab, ob eine kritische Masse von Node-Betreibern freiwillig auf Knots umsteigt.
Adam Back, Mitgründer von Blockstream, kommentierte die Situation mit beißender Ironie. Auf X schrieb er, Bitcoin Mechanic – einer der lautstärksten Kritiker – solle sich ruhig mit einem Hard Fork abspalten. Für Back sind die jetzt vorgelegten Daten der Beleg, dass die Aufregung unverhältnismäßig war.
Einordnung für den DACH-Raum
Der Disput um OP_RETURN und die Ausrichtung von Bitcoin Core mag technisch wirken, hat aber handfeste Konsequenzen. Sollte sich BIP-110 durchsetzen, ändern sich die Transaktionsregeln – mit potenziellen Auswirkungen auf Wallet-Provider und Dienstleister im deutschsprachigen Raum. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Ändert sich durch restriktivere Regeln die Nutzung des Netzwerks, könnte dies auch die Bewertung von Transaktionsgebühren und damit die Attraktivität von Bitcoin als Zahlungsmittel beeinflussen.