JPMorgan-Chef Dimon kündigt Kampf gegen US-Krypto-Gesetz an
Der CLARITY Act soll Stablecoins regulieren – doch Jamie Dimon sieht mangelnden Anlegerschutz und droht mit Widerstand der Bankenlobby.
Veröffentlicht
5. Juni 2026

Jamie Dimon, langjähriger CEO von JPMorgan Chase und einer der schärfsten Krypto-Kritiker im Finanzestablishment, hat dem geplanten US-Regulierungsentwurf CLARITY Act den Kampf angesagt. In einem Interview mit dem Portal The Daily Hodl bezeichnete der Bankchef die Vorlage als unzureichend – und drohte mit offener Konfrontation durch die gesamte Branche.
Der CLARITY Act soll in den USA erstmals einen umfassenden Rechtsrahmen für Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte schaffen. Besonders umstritten sind jene Passagen, die es Krypto-Unternehmen erlauben würden, auf Stablecoin-Einlagen Zinsen zu zahlen – ähnlich wie Banken es mit Spareinlagen tun. Dimon sieht darin ein massives Risiko für Anleger.
„Es erlaubt ihnen faktisch, Zinsen auf Einlagen zu zahlen – Stablecoins oder ähnliches – ohne den Schutz, den sie haben sollten. Und es tut nichts gegen Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung. Es bietet kaum rechtliche Sicherheit.“
Bankenlobby stellt sich quer
Dimon machte deutlich, dass nicht nur die Großbanken, sondern auch die American Bankers Association (ABA), kleinere Institute und Kreditgenossenschaften geschlossen gegen die aktuelle Fassung des Gesetzes Stellung beziehen. Bereits im Mai hatte ABA-Präsident Rob Nichols seine Mitglieder dazu aufgerufen, bei Senatoren gegen die Stablecoin-Zins-Klausel zu lobbyieren.
„Die Banken werden das so nicht akzeptieren. Die ABA, die kleinen Banken, die Kreditgenossenschaften – es sind nicht nur die Großen.“
Dimon drohte zugleich mit konkreten Konsequenzen: „Wir werden dagegen kämpfen. Wenn wir verlieren, verlieren wir – und dann gehen wir. Aber gekämpft wird.“
Was bedeutet das für den Gesetzgebungsprozess?
Der CLARITY Act steht kurz vor einer neuen Überarbeitungsrunde im Kongress. Die ablehnende Haltung der traditionellen Finanzbranche dürfte den Prozess weiter verkomplizieren. Während Befürworter des Gesetzes auf mehr Rechtsklarheit für Krypto-Startups hoffen, fürchten Gegner einen ungleichen Wettbewerb zulasten regulierter Banken. Besonders heikel: Stablecoins wie USDC oder USDT, die faktisch als digitales Geld genutzt werden, entziehen sich bislang weitgehend den für Banken geltenden Einlagensicherungs- und Liquiditätsvorschriften.
Einordnung für den DACH-Raum
Sollte der CLARITY Act scheitern oder in stark abgeschwächter Form verabschiedet werden, bliebe die US-Regulierung fragmentiert. Für deutsche und europäische Anleger ist die Entwicklung dennoch relevant: Die MiCA-Verordnung der EU schafft bereits einen umfassenden Rahmen für Stablecoins – und dürfte als Vorbild für künftige US-Gesetze dienen oder aber zu regulatorischen Friktionen führen. Die steuerliche Behandlung von Stablecoin-Erträgen bleibt auch hierzulande ein Thema, das durch US-Signale allenfalls indirekt beeinflusst wird, aber nicht an Brisanz verliert.