Kanadische Häuser heizen mit Bitcoin-Minern
Ein Immobilienprojekt in Québec nutzt die Abwärme von ASIC-Geräten zur Beheizung und verspricht passive Einnahmen in BTC. Doch die langfristige Wirtschaftlichkeit ist fraglich.
Veröffentlicht
20. März 2026

In Sainte-Julienne, Québec, vermarkten die Brüder Daniel und Eric Tadros ein ungewöhnliches Immobilienkonzept: Häuser, deren primäre Wärmequelle Bitcoin-Miner sind. Unter der Marke Liberty City sollen speziell entwickelte ASIC-Geräte (Application-Specific Integrated Circuits) nicht nur das Bitcoin-Netzwerk absichern, sondern auch die Bewohner wärmen.
Vom Strom zu Wärme und Bitcoin
Das Prinzip ist simpel, die Umsetzung technisch anspruchsvoll. Die für das Mining benötigte elektrische Energie wird nahezu vollständig in Wärme umgewandelt. Statt diese Abwärme als lästiges Nebenprodukt abzuführen, leitet das System sie über neun Verteilungspunkte im Haus – darunter Fußbodenheizung, Pool und Warmwasserbereitung. „Der System generiert passive Einnahmen in BTC und die Wärme wird im ganzen Haus wiederverwendet“, erklärt Mitgründer Daniel Tadros. Die Standortwahl Québec ist dabei kein Zufall: Günstige Industriestromtarife und kalte Winter sollen die Wirtschaftlichkeit des Minings trotz der Heizfunktion sicherstellen.
Die Herausforderung: Lärm und Wirtschaftlichkeit
Damit das Zusammenleben mit Industriehardware überhaupt möglich ist, mussten die Entwickler das Lärmproblem lösen. Herkömmliche Miner sind für ihre lauten Lüfter berüchtigt. Liberty City setzt daher auf eine Hybridkühlung aus Luft und Flüssigkeit sowie speziell mittels 3D-Druck gefertigte Komponenten. Der Geräuschpegel soll so auf das Niveau einer herkömmlichen Klimaanlage gesenkt werden.
Dennoch bleiben erhebliche Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit des Modells. Die Branche steht vor bekannten Herausforderungen: die schnelle Obsoleszenz der Hardware, das anstehende Bitcoin-Halving im April 2024, das die Blockbelohnungen halbiert, sowie volatile Strompreise. Ob der Verkaufspreis von rund 488.000 US-Dollar pro Einheit im Vergleich zu einem konventionellen Haus gerechtfertigt ist, wenn der Eigentümer zusätzlich das technische und betriebswirtschaftliche Risiko des Minings trägt, ist eine offene Frage.
Ein Trend mit Vorläufern
Die Idee, Abwärme sinnvoll zu nutzen, ist nicht neu. In den USA berichteten Ende 2025 Privatleute von Einsparungen bei den Heizkosten durch den Einsatz von Minern. Ein Projekt in Texas vermarktet ein Haus sogar explizit als „mining-ready“. Der kanadische Ansatz unterscheidet sich jedoch dadurch, dass die Wärmenutzung von Anfang an integraler Bestandteil des Hausdesigns ist und nicht nachgerüstet wird. Prominente Unterstützung erhält das Projekt von Risikokapitalgeber Tim Draper, einer der bekanntesten Bitcoin-Investoren, der über eine Million Dollar beigesteuert hat.
Für potenzielle Anleger im DACH-Raum ist das Konzept vor allem aus steuerlicher Sicht interessant. Die aus dem Mining generierten Bitcoins wären hierzulande als sonstige Einkünfte nach § 22 EStG zu versteuern, sofern die Haltefrist von einem Jahr nicht überschritten wird. Die Anschaffungskosten der speziellen Haustechnik könnten unter Umständen absetzbar sein. Ob sich die Rechnung in Regionen mit höheren Stromkosten als in Québec jemals ausgeht, erscheint jedoch mehr als fraglich.