KI-Expansion bedroht Bitcoin-Mining: Anthropic sichert sich
Die Partnerschaft mit Google und Broadcom zeigt, wie KI-Unternehmen um die gleiche knappe Energie-Infrastruktur konkurrieren wie Miner – mit klaren wirtschaftlichen Folgen.
Veröffentlicht
8. April 2026

Das KI-Unternehmen Anthropic hat eine strategische Partnerschaft mit Google und Broadcom bekannt gegeben. Der Deal sichert Anthropic Zugang zu „mehreren Gigawatt“ Rechenleistung auf Basis der nächsten Generation von Google TPUs, die ab 2027 online gehen sollen. Das Unternehmen bezeichnete dies als seine bisher bedeutendste Kapazitätsverpflichtung, während sein Umsatz auf eine jährliche Rate von 30 Milliarden US-Dollar beschleunigte – ein Anstieg von 9 Milliarden Dollar Ende 2025.
Die Ankündigung unterstreicht ein fundamentales Problem: Der gewaltige Bedarf an KI-Rechenleistung konkurriert direkt mit dem Bitcoin-Mining um dieselben knappen Ressourcen. Netzanschlüsse, Baugenehmigungen, Kühlinfrastruktur und vor allem günstiger Strom sind das Schlachtfeld.
KI wird zum Peer-Konkurrenten
Laut dem Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index zieht das Bitcoin-Mining global schätzungsweise 13 bis 25 Gigawatt Dauerleistung. Dass Anthropic allein durch einen Deal „mehrere Gigawatt“ sichert – zusätzlich zu bestehender Kapazität bei AWS, Google und Nvidia – zeigt die neue Dimension des Wettbewerbs. KI entwickelt sich zum gleichrangigen Konkurrenten für die Energieinfrastruktur, von der Miner abhängen.
Und Anthropic ist nur ein Akteur. OpenAI, das letzte Woche 122 Milliarden Dollar einsammelte und Rechenleistung als „strategischen Burggraben“ bezeichnet, baut ein noch breiteres Infrastruktur-Portfolio auf. Der aggregierte KI-Ausbau stellt eine der größten neuen Stromnachfragequellen in den USA dar – genau zu dem Zeitpunkt, an dem Bitcoin-Miner entscheiden müssen, ob sie weiter minen oder ihre Infrastruktur an KI-Firmen vermieten.
Die wirtschaftliche Logik kippt
Diese Entscheidung fällt zunehmend zugunsten der KI aus. Ein Miner, der ein Gigawatt Kapazität betreibt, erzielt Einnahmen, die mit dem Bitcoin-Preis und der Netzwerk-Schwierigkeit schwanken. Vermietet er dasselbe Gigawatt an ein KI-Unternehmen, erhält er vertraglich vereinbarte, vorhersehbare Cashflows.
Bei einem Bitcoin-Preis von 69.000 Dollar, Rekord-Schwierigkeitsgraden und steigenden Energiekosten im Wettbewerb mit anderen Industriekunden zahlt sich die KI-Vermietung oft besser aus. Unternehmen wie Core Scientific, Iris Energy und Hut 8 haben bereits Teile ihrer Kapazitäten auf KI-Hosting umgestellt. Der Verkauf von über 19.000 BTC aus Unternehmensschatullen durch Riot Platforms und andere letzte Woche ist ein weiteres Indiz für den wirtschaftlichen Druck.
Mining bleibt, ändert aber sein Gesicht
Das Bitcoin-Mining stirbt nicht. Die Netzwerk-Hashrate erreicht weiterhin Rekordwerte über 1 Zettahash pro Sekunde. Doch die Miner, die den aktuellen Zyklus überstehen, könnten sich wandeln: weg vom reinen Energieunternehmen, das Bitcoin produziert, hin zur Infrastrukturfirma, die nebenbei minet, während sie ihr eigentliches Asset – günstigen Strom im großen Maßstab – an eine KI-Industrie vermietet, die nicht schnell genug Rechenzentren bauen kann.
Für Anleger im DACH-Raum, die in Mining-Aktien oder Infrastruktur-ETFs investiert sind, wird diese strategische Neuausrichtung immer relevanter. Die steuerliche Behandlung von Einnahmen aus KI-Hosting gegenüber Mining-Erlösen sollte dabei beachtet werden.