Telegram-Gründer Durov: 41 Krypto-Entführungen in Frankreich in
Pavel Durov kritisiert staatliche Datensammelwut: Eine ehemalige Steuerbeamtin soll Investorendaten an Kriminelle verkauft haben – mit verheerenden Folgen.
Veröffentlicht
26. April 2026

Pavel Durov, Gründer des Messengerdienstes Telegram, hat alarmierende Zahlen aus Frankreich öffentlich gemacht: In den ersten dreieinhalb Monaten des Jahres 2026 wurden landesweit 41 Bitcoin- und Kryptoinvestoren entführt. Das entspricht einem Angriff alle zweieinhalb Tage. Die Betroffenen und ihre Angehörigen werden demnach gefoltert und zur Herausgabe von Kryptowerten gezwungen.
Vom Datenleck zur Gewalttat
Die Ursache sieht Durov nicht in digitalen Wallet-Hacks, sondern in massiven Sicherheitslücken bei staatlichen Behörden. In einem Beitrag auf X vom 24. April verwies er auf den Fall einer ehemaligen französischen Steuerbeamtin namens Ghalia C. Sie wurde 2025 festgenommen, nachdem sie behördliche Datenbanken genutzt hatte, um Adressen und Vermögensverhältnisse von Kryptoinvestoren auszuspähen. Diese Informationen verkaufte sie an kriminelle Netzwerke – eine direkte Vorlage für gezielte Entführungen.
Die konkrete Bedrohung zeigte sich am 20. April in der Region Burgund. Eine Frau und ihr elfjähriger Sohn wurden von einer Gruppe verschleppt, die ein Lösegeld in Kryptowährungen forderte. Erst nach einem Großeinsatz mit 100 Beamten konnten die Geiseln befreit werden, sieben Verdächtige wurden festgenommen, wie die Zeitung Le Monde berichtete.
Frankreich als Epizentrum der Gewalt
Damit bestätigt sich ein besorgniserregender Trend: Bereits im Februar dieses Jahres entfielen laut früheren Berichten 11 von 14 weltweit dokumentierten Krypto-Entführungen auf Frankreich. Durov nutzt diese Entwicklung für eine grundsätzliche Kritik an der französischen Regierungspolitik. Paris dringe seit Monaten auf eine stärkere Identifizierung von Nutzern und den Zugriff auf private Nachrichten bei Telegram – genau das sei Teil des Problems.
„Jetzt will der Staat auch noch ID und private Nachrichten von Social-Media-Nutzern“, schrieb Durov. Er argumentiert, dass die Zentralisierung persönlicher Daten beim Staat das Risiko erhöhe, dass diese Daten durch korrupte Beamte oder Hacker in die Hände von Kriminellen geraten.
Ein grundsätzlicher Konflikt
Der Unternehmer hat eine wechselhafte Beziehung zur französischen Justiz. Im August 2024 wurde er auf dem Flughafen Paris-Le Bourget festgenommen und sah sich zwölf Strafanklagen gegenüber, darunter Beihilfe zur Verwaltung von Plattformen für illegale Transaktionen und Geldwäsche. Seine aktuelle öffentliche Kritik ist daher auch als Verteidigung seiner Plattform und ihres Datenschutzkonzepts zu verstehen.
Der Fall zeigt ein grundsätzliches Dilemma: Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfung durch verstärkte Überwachung können neue Einfallstore für Kriminelle schaffen, sobald die gesammelten Daten nicht ausreichend geschützt sind. Für Anleger in Deutschland und der Schweiz bleibt die Entwicklung relevant, da der europäische Rechtsrahmen MiCA eine zunehmende Identifizierungspflicht vorsieht – und damit ähnliche Risiken nicht ausschließt.