Santiment warnt: Euphorie auf Social Media könnte Rallye
Das Verhältnis von bullischen zu bärischen Kommentaren liegt bei 1,5:1. Santiment sieht Risiko einer schnellen Korrektur – und ein Ideal-Szenario bei 75.000 Dollar.
Veröffentlicht
11. Mai 2026

Die Stimmungslage in den sozialen Medien könnte der aktuellen Bitcoin-Rallye zum Verhängnis werden. Das Verhältnis von bullischen zu bärischen Kommentaren liegt nach Daten der Analyseplattform Santiment bei etwa 1,5:1 – ein Wert, der erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lässt.
„Rallies, die mit einer selbstbewussten Menge eintreffen, verblassen tendenziell schneller als solche, die eine ‚Mauer der Sorge‘ erklimmen“, schrieb Santiment in einem Report am Samstag. „Die, die Skepsis erklimmen, neigen dazu, sich auszudehnen.“
Bitcoin notiert derzeit bei rund 80.600 US-Dollar und hat damit binnen 30 Tagen gut 11,5 Prozent zugelegt. Doch die Frage, ob dieser Aufschwung nachhaltig ist, beschäftigt Analysten zunehmend.
Fear & Greed Index zeigt Nervosität
Der viel beachtete Crypto Fear & Greed Index, der die Gesamtstimmung am Kryptomarkt misst, steht aktuell bei 47 Punkten – neutral. Am Donnerstag war er sogar kurzzeitig in die Angstzone (38 Punkte) gerutscht. Das deutet darauf hin, dass viele Anleger trotz der jüngsten Gewinne vorsichtig bleiben.
Santiment zufolge wäre ein weiteres Kursfeuerwerk derzeit gar nicht wünschenswert. Das Team skizzierte ein Ideal-Szenario: „Ein Rückzug auf 75.000 Dollar, der späte Long-Positionen ausräumt, die Stimmung zurücksetzt und eine gesündere Basis aufbaut.“
Bitcoin-Zuflüsse auf Börsen steigen
Ein weiteres Warnsignal: Die Menge an Bitcoin auf Handelsplattformen ist zuletzt wieder gestiegen. Nach einem längeren Abwärtstrend der Reserven verzeichnen die Börsen seit fünf Tagen wieder steigende Bestände. Santiment spricht von „frühen Gewinnmitnahmen“.
Die Analysten sind uneins, wohin die Reise geht. Michael van de Poppe, Gründer von MN Trading Capital, sagte, er „wäre nicht überrascht, wenn wir vor dem nächsten Anstieg noch einmal die 70.000 bis 75.000 Dollar testen“. Sein Kollege Matthew Hyland hält dagegen ein Kursniveau zwischen 87.000 und 95.000 Dollar noch vor Juni für „wahrscheinlich“.
Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Wer Bitcoin mit einer Haltedauer unter einem Jahr veräußert, muss die Gewinne nach § 22 EStG versteuern – eine plötzliche Korrektur könnte also nicht nur Kursverluste, sondern auch unerwartete Steuerzahlungen bedeuten.