Blockade der Straße von Hormus treibt Öl auf 100 Dollar –
Die Eskalation am strategischen Nadelöver löst eine Energiekrise in Asien aus und belastet Risikoanlagen weltweit. Bitcoin verzeichnet die höchsten realisierten Verluste seit Wochen.
Veröffentlicht
1. Mai 2026

Die Blockade der Straße von Hormus hat sich von einem geopolitischen Konflikt zu einer handfesten Energiekrise ausgeweitet. Am Dienstag erreichte der Ölpreis die Marke von 100 Dollar je Barrel – ein Niveau, das zuletzt in den ersten Wochen der Sperrung des strategischen Nadelöhrs erreicht worden war. Gleichzeitig fiel Bitcoin auf ein Einwochentief unter 76.000 Dollar, belastet von einer breiten Risikoaversion an den Finanzmärkten.
Die iranische Blockade, die nach gescheiterten Verhandlungen mit den USA verhängt wurde, unterbricht rund 20 Prozent des globalen Ölhandels, der durch die Meerenge fließt. US-Präsident Donald Trump signalisierte bislang keine Bereitschaft, die Sperrung aufzuheben. Iran selbst steht unter Druck: Die Lagerkapazitäten des Landes sind laut Berichten von Bloomberg in nur noch 12 bis 22 Tagen erschöpft. Eine Produktionskürzung um 1,5 Millionen Barrel pro Tag droht – mit verheerenden Folgen für die asiatischen Volkswirtschaften, die bereits unter der schwersten Energiekrise ihrer Geschichte leiden.
Öl bei 100 Dollar: Ein historischer Rückschlag
West Texas Intermediate (WTI) kehrte am Dienstag zur 100-Dollar-Marke zurück. Preise in dieser Höhe wurden zuletzt zu Beginn der Schließung der Straße von Hormus registriert. Tanker müssen nun um die Arabische Halbinsel herumfahren, was die Kosten drastisch erhöht und die Lieferzeiten verlängert.
Der Marktbeobachter The Kobeissi Letter betont, dass vor allem Asien die Last trägt: Der Iran exportierte den Großteil seines Öls in die Region, und diese Lieferungen sind effektiv gestoppt. „Asiens Energiekrise wird sich bald noch weiter verschärfen“, warnte der Dienst.
Bitcoin unter 76.000 Dollar – Risikoassets unter Druck
Die Kursbewegung bei Bitcoin spiegelt die allgemeine Risikoaversion wider. BTC/USD fiel unter die Marke von 76.000 Dollar und löschte damit die Gewinne der Vorwoche aus. Die Analyseplattform Glassnode führt den Rückgang direkt auf die geopolitischen Spannungen im Persischen Golf zurück. „Die anhaltenden Störungen in der Straße von Hormus verunsichern die Märkte insgesamt“, schrieb das Unternehmen.
Ein Indikator für die Schwäche ist der Coinbase Premium Index, der erstmals seit drei Wochen negativ wurde – auf -0,008. Das deutet auf eine nachlassende Nachfrage von US-Investoren hin. Die realisierten Verluste auf Wochenbasis erreichten laut CryptoQuant 829 Millionen Dollar, während die realisierten Gewinne nur bei 566 Millionen Dollar lagen.
Trumps Signal auf Truth Social: Keine Entspannung in Sicht
US-Präsident Trump äußerte sich auf seiner Plattform Truth Social: „Iran hat uns gerade mitgeteilt, dass sie sich im ‚Zustand des Zusammenbruchs‘ befinden. Sie wollen, dass wir die Straße von Hormus so schnell wie möglich öffnen, während sie ihre Führungsfrage klären.“ Die Botschaft enthielt kein Signal zur Beendigung der Blockade.
Der Iran hat die Sperrung der Meerenge in der Vergangenheit wiederholt als Druckmittel eingesetzt – zuletzt 2019 nach US-Sanktionen. Bisher blieben die Blockaden jedoch stets kurzlebig. Die aktuelle Situation unterscheidet sich durch ihre Dauer und Eskalation. Der frühere iranische Minister Khandouzi warnte im Juni 2025, eine 100-tägige Schließung könne den Brent-Ölpreis auf 130 Dollar treiben. Diese Prognose erscheint nun alles andere als alarmistisch.
Irans Lagerkrise setzt ein Zeitfenster
Die begrenzten Lagerkapazitäten des Iran zwingen das Land zu einer Entscheidung. Entweder es öffnet die Straße von Hormus oder es drosselt die Förderung drastisch. Eine Produktionskürzung um 1,5 Millionen Barrel pro Tag würde die ohnehin angespannte Lage in Asien weiter verschärfen.
Die Auswirkungen gehen über die Energiemärkte hinaus: Lieferketten, die auf Öl aus dem Nahen Osten angewiesen sind, geraten ins Stocken, der Inflationsdruck in den Importländern steigt, und die Zentralbanken stehen vor schwierigen geldpolitischen Entscheidungen. Für die Kryptomärkte zeigt sich erneut die enge Korrelation mit Risikoassets – Bitcoin bewegt sich nahezu im Gleichschritt mit Aktien und Rohstoffen.
Ausblick: Ein Ende ist nicht in Sicht
Die Blockade der Straße von Hormus hat sich von einem geopolitischen Konflikt zu einer strukturellen Wirtschaftskrise entwickelt. Öl bei 100 Dollar, Bitcoin unter 76.000 Dollar und eine Energiekrise in Asien – das sind die realen Kosten einer Konfrontation, die keine Anzeichen einer Deeskalation zeigt. Präsident Trumps Social-Media-Äußerungen bieten den Märkten wenig Klarheit, während Irans begrenzte Lagerkapazität ein zeitliches Ultimatum setzt.
Auch wenn die direkten Auswirkungen für Anleger im DACH-Raum zunächst gering erscheinen mögen, bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Sollte die Krise die Inflation weiter anheizen und die Zentralbanken zu einer restriktiveren Geldpolitik zwingen, könnte dies auch die Bewertung von Kryptowerten hierzulande beeinflussen. Die kommenden Tage dürften entscheidend sein.