US-Stablecoin-Gesetzgebung stockt an Zinsfrage für Privatanleger
Der CLARITY Act liegt im US-Senat auf Eis. Der Streitpunkt: Dürfen Plattformen wie Coinbase Erträge aus Stablecoins an Kunden weitergeben? Die Bankenlobby stemmt sich dagegen.
Veröffentlicht
11. April 2026

Ein scheinbar technischer Detailstreit lähmt den Fortschritt eines der wichtigsten US-Kryptogesetze der letzten Jahre. Nicht grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten über die Technologie, sondern eine einzige, enge Frage blockiert den CLARITY Act im Senat: Sollen Drittplattformen wie Coinbase ihren Kunden Erträge aus Stablecoin-Hinterlegungen weiterreichen dürfen?
Die traditionelle Bankenlobby sagt entschieden nein. Sie fürchtet einen Abfluss von Kundeneinlagen hin zu kryptobasierten Anlageformen. Die Kryptobranche hingegen pocht auf ein Ja und argumentiert, dass solche Angebote essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit sind. Dieser Konflikt hat das Gesetzgebungsverfahren seit Monaten festgefahren – trotz massiven Drucks der Trump-Administration.
Finanzminister Bessent warnt vor Zeitmangel
US-Finanzminister Scott Bessent erhöhte am Dienstag öffentlich den Druck. In einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal und gegenüber Reuters mahnte er zum sofortigen Handeln, bevor die verbleibende Zeit im Senat knapp wird. >"Die Zeit ist knapp, und jetzt ist der Zeitpunkt zum Handeln", sagte Bessent. Er stufte die Gesetzgebung nicht nur als finanzpolitische, sondern als nationale Sicherheitsfrage ein: "Wirtschaftssicherheit ist nationale Sicherheit."
Die Dringlichkeit wird durch Zahlen untermauert. Schätzungen zufolge hält bereits etwa jeder sechste US-Amerikaner digitale Assets. Große Finanzinstitute sind längst im Markt aktiv oder planen den Eintritt. Der globale Kryptomarkt schwankte im vergangenen Jahr zwischen einer und drei Billionen Dollar – eine Größenordnung, die regulatorische Klarheit erfordert.
White House sieht geringes Risiko, Banken widersprechen
Eine Analyse des Weißen Hauses kommt zu einem für die Kryptobranche ermutigenden Ergebnis: Das Risiko, dass die Erlaubnis von Stablecoin-Renditen zu einem signifikanten Abfluss von Bankeinlagen führt, sei "quantitativ gering". Der Gesetzentwurf verbietet Stablecoin-Emittenten zwar direkt, Zinsen zu zahlen. Die CLARITY-Regelung würde jedoch die Tür dafür öffnen, dass verteilende Drittunternehmen wie Krypto-Börsen dies übernehmen.
Vertreter der Bankenindustrie widersprechen dieser Einschätzung scharf. Sie argumentieren, die Analyse übersehe fundamentale Risiken für die Finanzierungsstabilität, die über reine Einlagensummen hinausgingen. Senatorin Cynthia Lummis, eine treibende Kraft hinter dem Gesetz, sieht dennoch eine historische Chance: "Wir haben die Administration, den Schwung und wir haben parteiübergreifende Fortschritte gemacht."
Für Anleger im DACH-Raum ist der Streit ein Lehrstück in regulatorischer Komplexität. Während die USA um eine nationale Lösung ringen, setzt die EU mit MiCA bereits einen umfassenden Rahmen – der die Behandlung von Erträgen aus sogenannten "E-Geld-Token" allerdings ebenfalls detailliert regeln muss. Die steuerliche Behandlung solcher Zinserträge unterliegt hierzulande den Regeln für § 20 EStG (Kapitalerträge) und kann je nach Konstellation die Spekulationsfrist und Jahresfreigrenze berühren.