Bitcoin-Finanzierungsraten auf Mehrjahrestief – Droht ein Short
Der 50-Tage-Durchschnitt der Funding Rates auf Binance fällt auf den tiefsten Stand seit April 2020. Analysten sehen Parallelen zur Zeit nach dem COVID-Crash – und Potenzial für eine explosionsartige Kursbewegung.
Veröffentlicht
10. Mai 2026

Die Stimmung kippt – aber in die falsche Richtung?
Bitcoin hat sich in den vergangenen Tagen oberhalb der 80.000-Dollar-Marke stabilisiert. Nach wochenlangem Zögern durchbrach die Kryptowährung am 4. Mai diese psychologisch wichtige Schwelle und kletterte zwischenzeitlich bis auf 82.000 Dollar. Doch während der Kurs seitdem wieder etwas nachgab, zeichnet sich im Untergrund ein bemerkenswertes Signal ab – eines, das erfahrene Marktbeobachter hellhörig werden lässt.
Die Funding Rates von Bitcoin auf Binance sind auf den tiefsten Stand seit April 2020 gefallen. Konkret zeigt der gleitende 50-Tage-Durchschnitt dieses Indikators einen Wert von -0,002 an – ein Niveau, das zuletzt während des COVID-Crashs erreicht wurde. Das berichtet der Analyst CryptoOnchain in einem Beitrag auf der Plattform CryptoQuant.
Was negative Funding Rates bedeuten
Funding Rates sind regelmäßige Zahlungen zwischen Long- und Short-Positionen in Terminmärkten. Liegen sie im negativen Bereich, zahlen die Leerverkäufer eine Gebühr an die Käufer. Es ist ein klares Zeichen dafür, dass die Mehrheit der spekulativen Händler auf fallende Kurse setzt – und zwar aggressiv.
„Anhaltend negative Funding Rates in dieser Größenordnung deuten auf eine absolute Dominanz der bärischen Stimmung und aggressives Short-Selling hin“, schreibt CryptoOnchain.
Doch genau diese Schieflage birgt ein explosives Potenzial. In der Vergangenheit, so der Analyst, folgte auf eine derart einseitige Positionierung oft ein Short Squeeze – ein plötzlicher Kurssprung, der Short-Händler zu panikartigen Rückkäufen zwingt und dadurch die Aufwärtsdynamik weiter verstärkt.
Parallelen zu 2020 – und was daraus folgt
Der letzte vergleichbare Einbruch der Funding Rates fand im April 2020 statt. Damals notierte Bitcoin bei rund 7.000 Dollar und startete wenige Wochen später eine monatelange Rallye, die den Kurs bis Ende des Jahres auf über 29.000 Dollar trieb. Die aktuelle Situation ist nicht identisch, weist jedoch strukturelle Ähnlichkeiten auf: extreme Short-Dominanz bei gleichzeitig stabiler Kursbasis.
CryptoOnchain sieht daher die 80.000-Dollar-Region nicht als Widerstand, sondern als möglichen Ausgangspunkt für die nächste Aufwärtsphase. Die Daten legen nahe, dass der Markt derzeit auf eine Bewegung vorbereitet ist, die viele Händler auf dem falschen Fuß erwischen dürfte.
Bitcoin-Preis aktuell
Zum Zeitpunkt der Analyse notiert Bitcoin bei rund 80.132 Dollar und damit nahezu unverändert zum Vortag. Über die Woche beträgt das Plus gut zwei Prozent. Orderbücher und Optionsmärkte deuten auf erhöhte Volatilität in den kommenden Tagen hin.
Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Ein plötzlicher Kurssprung könnte bei kurzfristig gehaltenen Positionen (§ 22 EStG) zu realisierten Gewinnen führen, die innerhalb der Jahresfreigrenze von 1.000 Euro (unter dem alten Recht) beziehungsweise nach neuem Recht ab 2025 steuerpflichtig werden.