Bitcoin-Hashrate stagniert: Miner flüchten in KI-Geschäft
Fidelity-Report zeigt strukturellen Wandel: Mining-Difficulty fällt stärkster seit 2021, während Miner Rechenzentren für KI umrüsten.
Veröffentlicht
1. Juni 2026

Die Netzwerksicherheit von Bitcoin schwächelt. Die Mining-Difficulty ist im Februar 2026 um 11 Prozent eingebrochen – der stärkste Rückgang seit Chinas Mining-Verbot 2021. Gleichzeitig flacht die globale Hashrate ab, ein Signal, dass immer mehr Miner ihre Rechenleistung und ihr Kapital in künstliche Intelligenz verlagern. Ein aktueller Report von Fidelity Digital Assets beschreibt das Jahr als eines der „strukturellen Umrüstung“.
Miner unter Druck – KI lockt mit Rendite
Die Zahlen sind deutlich: Die Bitcoin-Hashrate wächst nicht mehr. Gleichzeitig sinkt die Mining-Difficulty, was auf fallende Preise und temporäre Ausfälle durch schwere Winterstürme in den USA zurückgeht. Hinzu kommt ein langfristiger Trend: Börsennotierte Miner wie Bitdeer steigern ihre Produktion nicht primär für Bitcoin, sondern rüsten auf KI-Workloads um.
Analysten sehen darin ein zweischneidiges Schwert. Während die Energieknappheit im KI-Sektor für Miner mit großen Stromkapazitäten ein Segen sein könnte, warnen andere vor einem historischen Fehler. „Public Bitcoin Miners are dumping crypto for AI“, schrieb ein Analyst – mit potenziell negativen Folgen für das Sicherheitsmodell des Bitcoin-Netzwerks.
Institutionelle Nachfrage bleibt stabil
Trotz des Drucks auf die Miner zeigt sich die institutionelle Nachfrage robust. Metaplanet aus Tokio kaufte im ersten Quartal 2026 rund 5.075 Bitcoin im Wert von knapp 400 Millionen Dollar und wurde damit drittgrößter Unternehmenshalter. Auch die kasachische Zentralbank plant eine Investition von 350 Millionen Dollar in Krypto-Unternehmen und Blockchain-Infrastruktur.
Fidelity beobachtet zudem eine zunehmende Nutzung regulärer Finanzvehikel: Das Open Interest an Optionen auf Bitcoin-Spot-ETFs ist mittlerweile vergleichbar mit dem nativen Bitcoin-Optionsmarkt. Der Bitcoin-Markt spalte sich zunehmend in zwei Gruppen – eine Handvoll institutioneller Zwangskäufer absorbiere das Angebot anderer Marktteilnehmer.
Netzwerksicherheit und Zentralisierungsrisiken
Neben der Hashrate bereitet die Konzentration bei der Knoten-Software Sorge. Bitcoin Core liegt bei rund 77 Prozent aller Nodes, während Alternativen wie Bitcoin Knots kaum eine Rolle spielen. Fidelity bezeichnet dies als ein „nicht vernachlässigbares Risiko“ für eine mögliche Fragmentierung des Netzwerks. Fortschritte gibt es hingegen bei quantenresistenten Ausgabetypen – ein wichtiger Schritt für die langfristige Sicherheit.
Gold als Inflationshedge zurück
Außerhalb der Kryptowelt hat Gold seine Rolle als Makro-Hedge zurückerobert. Der Preis legte Anfang 2026 um fast 30 Prozent zu, bevor er sich auf ein Jahresplus von 3 bis 4 Prozent einpendelte. Zentralbanken kaufen weiter kräftig zu, Gold verdrängt in manchen Reservemixen US-Dollar und Treasuries. Die BRICS-Staaten treiben parallel ein alternatives Zahlungssystem voran, das die Dominanz des Dollar begrenzen soll.
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Die Umrüstung von Mining-Kapazitäten auf KI könnte Auswirkungen auf die Haltefristen und Betriebsausgaben haben – ein Thema, das die Finanzämter genau beobachten dürften.