Iran-Konflikt: Experten sehen keine Gefahr für Bitcoin-Netzwerk
Soziale Medien spekulieren über massiven Hashrate-Ausfall und BTC-Verkäufe. Analysten und Miner halten die Auswirkungen für minimal und erklären, warum.
Datum
3. März 2026

Key Takeaways:
- Soziale Medien spekulierten über einen massiven Ausfall der Bitcoin-Hashrate und Milliarden-Verkäufe durch den Iran-Konflikt.
- Experten und Miner halten die Auswirkungen für minimal, da Irans Anteil am globalen Mining im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt.
- Die Kriegsvolatilität wird eher durch Preissentiment als durch echte Netzwerkrisiken getrieben.
Soziale Medien warnen vor „Supply Shock“ – Experten bleiben gelassen
Die Eskalation des Konflikts im Iran wird das globale Bitcoin-Mining-Netzwerk nach Ansicht von Branchenanalysten und -akteuren nicht wesentlich stören. Damit widersprechen sie kursierenden Gerüchten in sozialen Medien, die einen katastrophalen Einbruch der Hashrate und eine Flut von Bitcoin-Verkäufen vorhersagten.
„Ich glaube nicht, dass es für Bitcoin von größerer Bedeutung ist“, sagte Wolfie Zhao, Forschungsleiter bei TheMinerMag, gegenüber Decrypt. Er wies die Annahme zurück, dass konfliktbedingte Stromausfälle im Iran das Netzwerk wesentlich beeinträchtigen würden. Während einzelne Miner betroffen sein könnten, sei das Ausmaß nicht mit vergangenen globalen Schocks wie dem Mining-Verbot in China 2021 vergleichbar.
Die Gerüchte im Detail
Die Spekulationen auf Plattformen wie X nahmen zuletzt Fahrt auf. Einige Nutzer warnten, dass eine Störung des iranischen Stromnetzes „2-5 %“ der globalen Bitcoin-Hashrate betreffen könnte. Ein Tweet vom vergangenen Samstag prognostizierte sogar:
„Wenn dieses Regime fällt: - Milliarden in BTC werden verkauft oder für immer verloren gehen - 5 % der globalen Hashrate verschwinden über Nacht - 427.000 Miner gehen aus. Macht euch bereit für den Supply Shock.“
Die Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: Laut CoinWarz lag die globale Hashrate am 28. Februar – unmittelbar nach den ersten Angriffen – bei rund 986 EH/s und stieg bis zum 1. März sogar auf über 1,1 ZH/s, bevor sie am Dienstagmorgen leicht auf knapp unter 1 ZH/s fiel.
Irans Mining-Industrie: Kleiner Player mit großen Problemen
Obwohl der Iran das Mining 2019 legalisierte, kämpft die Branche dort seit Jahren mit erheblichen strukturellen Hürden:
- Instabile Stromversorgung
- Hohe Importkosten für Hardware
- Komplexe regulatorische Vorgaben
Diese Faktoren haben das Wachstum stark begrenzt. Ethan Vera, COO von Luxor Technology, schätzt Irans Anteil an der globalen Hashrate auf weniger als 1 %. Selbst bei einer vollständigen Unterbrechung der Aktivitäten gäbe es laut ihm „keine nennenswerten Auswirkungen auf die Blockzeiten und null Auswirkungen auf die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks“.
Die Industrie bestehe hauptsächlich aus kleinen privaten Unternehmen und einigen verbliebenen chinesischen Firmen.
Krypto als Finanzkanal unter Sanktionen
Der Iran hat ein beträchtliches Krypto-Ökosystem aufgebaut, das als alternativer Finanzkanal außerhalb des US-Dollar-Systems dient – ein System, von dem das Land aufgrund internationaler Sanktionen weitgehend ausgeschlossen ist.
Laut einem Bericht von Chainalysis aus dem Januar erreichte die iranische Krypto-Volkswirtschaft 2025 ein Volumen von 7,78 Milliarden US-Dollar. Die Aktivität sei stark mit politischen Ereignissen und Konflikten korreliert.
Die jüngsten Angriffe lösten einen deutlichen Anstieg der Krypto-Abflüsse von iranischen Börsen aus. Die Blockchain-Analysefirma Elliptic berichtete von einem Anstieg der ausgehenden Transaktionsvolumina um 700 % innerhalb von Minuten nach dem ersten US-israelischen Angriff.
Fazit: Sentiment, nicht Substanz
Während die politische Unsicherheit zu kurzfristiger Preisvolatilität führen kann, sind die fundamentalen Risiken für das Bitcoin-Netzwerk selbst nach Ansicht der Experten gering. Die Debatte zeigt erneut, wie schnell sich in Krisenzeiten narrative Blasen in sozialen Medien bilden können, die von der Realität der dezentralen und global verteilten Mining-Infrastruktur entkoppelt sind.
Die eigentliche Bedeutung des Iran für Bitcoin liegt weniger in seiner Hashrate, sondern in seiner Rolle als Fallstudie für die Nutzung von Kryptowährungen in einer von Sanktionen geprägten Wirtschaft.