Bitcoin fällt unter 60.000 Dollar – KI verdrängt Krypto als
Die älteste Kryptowährung verliert über die Hälfte ihres Wertes seit dem Allzeithoch. Institutionelle Käufer werden zögerlicher, und die Konkurrenz durch künstliche Intelligenz wächst.
Veröffentlicht
6. Juni 2026
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Der Bitcoin ist am Freitag erstmals seit Oktober 2024 unter die Marke von 60.000 US-Dollar gefallen. Mit einem zeitweiligen Rückgang von bis zu sechs Prozent auf 59.770 Dollar setzt die älteste Kryptowährung ihre Talfahrt fort. Seit dem Rekordhoch von über 126.000 Dollar im vergangenen Oktober hat sie damit mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Sie notiert inzwischen niedriger als zum Zeitpunkt der Wiederwahl Donald Trumps, der von vielen als kryptofreundlicher Präsident gesehen wurde.
KI-Zinswende verändert Anlegerverhalten
Die Ursachen für den Absturz sind vielschichtig. Ein entscheidender Faktor ist der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz als neues Lieblingskind der Finanzmärkte. Über ein Jahrzehnt lang waren Kryptowährungen die unangefochtene Spekulationsplattform schlechthin, erklärt Michael Antonelli, Marktstratege bei Baird. Das habe sich grundlegend geändert: „KI hat Krypto als den großen Investmenttrend abgelöst“, so Antonelli per Telefon. Das Kapital, das zuvor fast automatisch in digitale Währungen floss, verteile sich nun auf ein breiteres Spektrum spekulativer Anlageklassen.
Hinzu kommen massive Abflüsse aus Bitcoin-ETFs, erneute geopolitische Spannungen und zunehmende Zweifel an der Nachhaltigkeit der Nachfrage. Besonders im Fokus steht Strategy Inc. (ehemals MicroStrategy) von Michael Saylor: Das Unternehmen, das maßgeblich zum jüngsten Aufschwung mit gigantischen Bitcoin-Käufen beigetragen hatte, sorgte mit einem seltenen Verkauf von Bitcoin für Verunsicherung.
Gold statt Bitcoin als Inflationsschutz
Auch die Entwicklung der globalen Liquidität spielt gegen den Bitcoin. Während Gold von den erneuten Inflationssorgen profitiert, enttäuscht die Kryptowährung als Inflationsschutz. Der Status des Bitcoins als digitales Gold bröckelt. Dean Chen, Analyst bei der Krypto-Broker Bitunix, bringt es auf den Punkt: „Wenn Gold gegen den US-Dollar konkurriert, konkurriert Bitcoin praktisch gegen die globale Liquidität. Je mehr die Märkte von länger hohen Zinsen ausgehen, desto mehr reduzieren Anleger ihre Allokation in ertragslosen Assets.“
Der paradoxe Kater nach dem Regulierungserfolg
Die aktuelle Schwächephase kommt zu einem Zeitpunkt, der eigentlich als Triumph für die Branche gelten müsste. Unter der Trump-Administration hat die Kryptowirtschaft fast alle ihre langjährigen Forderungen durchgesetzt: einen wohlgesinnten Präsidenten, genehmere Regulierungsbehörden, institutionelle Akzeptanz und einen rechtlichen Rahmen, der digitale Vermögenswerte als dauerhaften Bestandteil des Finanzsystems etabliert. Statt einen neuen Boom auszulösen, fielen diese Errungenschaften jedoch mit einem der tiefsten Kurseinbrüche seit Jahren zusammen.
Die Altcoins leiden noch stärker als der Bitcoin: Ether brach um bis zu 12,8 Prozent ein und fiel auf den niedrigsten Stand seit April 2025. XRP, Solana und Dogecoin verloren jeweils mehr als fünf Prozent.
DACH-Perspektive: Steuerliche Implikationen bleiben relevant
Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet der Kurssturz zunächst einmal eine deutliche Verschiebung der Steuerperspektive. Wer Bitcoin innerhalb der einjährigen Haltefrist verkauft, muss realisierte Gewinne nach § 23 EStG versteuern. Angesichts der aktuellen Verluste stellt sich für viele die Frage, ob ein Teilverkauf zur Verlustverrechnung mit anderen Kapitaleinkünften sinnvoll sein könnte – ehe die Kurse möglicherweise weiter sinken.
Die Konkurrenz durch KI-gestützte Handelsalgorithmen und die Abwanderung von Kapital in künstliche Intelligenz als neue Technologieblase dürfte den Bitcoin-Markt noch länger belasten. Anleger sollten die Entwicklung der Zinserwartungen und die weitere Haltung institutioneller Großinvestoren genau im Auge behalten.