Bitcoin fällt unter 70.000 Dollar – ETF-Abflüsse verstärken
Die älteste Kryptowährung verliert binnen einer Woche fast zwölf Prozent. Institutionelle Verkäufe und makroökonomische Unsicherheit setzen dem Markt zu – der Ausblick hängt nun an US-Inflationsdaten.
Veröffentlicht
4. Juni 2026
Bitcoin hat einen herben Dämpfer erlitten: Der Kurs fiel innerhalb einer Woche um knapp zwölf Prozent und notiert erstmals seit zwei Monaten wieder unter der psychologisch wichtigen Marke von 70.000 Dollar. Am stärksten zeigte sich der Druck am Dienstag, als die Kryptowährung bis auf rund 66.000 Dollar nachgab. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung lag der Kurs bei etwa 66.260 Dollar – ein Minus von vier Prozent binnen 24 Stunden.
Der breitere Kryptomarkt folgte dem Abwärtstrend. Ethereum verlor 5,5 Prozent und notierte bei rund 1.871 Dollar. Auch Altcoins wie BNB, XRP, Solana, Dogecoin und Cardano gaben um bis zu sieben Prozent nach. Die gesamte Marktkapitalisierung sank auf 2,31 Billionen Dollar.
Warum der Markt unter Druck steht
Der jüngste Ausverkauf ist nach Einschätzung von Analysten nicht auf ein kryptospezifisches Ereignis zurückzuführen, sondern auf ein Bündel negativer Faktoren. Vikram Subburaj, CEO der indischen Börse Giottus, beschreibt die Lage als Folge von institutionellen Verkäufen, negativen ETF-Zuflüssen und einem sich verschlechternden makroökonomischen Umfeld. Diese Kombination habe den Vermögenswert unter die 70.000-Dollar-Marke gedrückt, so Subburaj.
Tatsächlich zeigen die Daten: Die Nettozuflüsse in Bitcoin-ETFs haben sich deutlich abgeschwächt. Im Mai flossen nur noch 180 Millionen Dollar in die Produkte – der niedrigste Wert seit Oktober 2024. Gleichzeitig wurden seit Montag rund 1,8 Milliarden Dollar an gehebelten Positionen liquidiert, was den Abwärtsdruck zusätzlich verstärkte.
Auch das Handelsdesk der indischen Plattform WazirX verweist auf die gedämpfte Nachfrage von Großanlegern: "Die Risikoaversion hält global an, und die verlangsamten ETF-Zuflüsse deuten auf eine nachlassende institutionelle Nachfrage hin."
Makroökonomische Signale im Fokus
Die Hoffnung auf eine rasche Erholung ruht nun auf den nächsten Konjunkturdaten aus den USA. Am 10. Juni wird der US-Verbraucherpreisindex (CPI) veröffentlicht, der Aufschluss über die Inflation gibt. Am 16. und 17. Juni tagt die US-Notenbank Federal Reserve. "Diese Termine werden entscheiden, ob sich die Liquiditätsbedingungen verbessern oder weiter verschärfen", sagt Subburaj.
Ein weiterer Belastungsfaktor: Die Bewegung von 10.300 Bitcoin aus Wallets, die mit der insolventen Börse Mt. Gox in Verbindung stehen. Dies nährte erneut Ängste vor einem bevorstehenden Verkaufsdruck aus der Masseverwertung der einst größten Kryptobörse.
Wo die Reise hingehen könnte
Avinash Shekhar, Mitgründer der Futures-Börse Pi42, sieht die 65.000-Dollar-Zone als wichtige Unterstützung. Sollte sich dort erneute Kaufbereitschaft zeigen, könnte Bitcoin in Richtung der vorherigen Widerstandszone zurückkehren. Bleibe die Nachfrage jedoch schwach, drohe ein längerer Seitwärtstrend, bis stärkere Akkumulationssignale sichtbar werden.
Zwar hat der Verkauf von Bitcoin durch das Unternehmen Strategy (ehemals MicroStrategy) das Sentiment kurzzeitig belastet – Analysten zufolge war dieser aber zu gering, um den gesamten Kursrutsch zu erklären. Die Märkte reagierten vielmehr auf das Zusammenspiel aus nachlassender institutioneller Nachfrage, hoher Hebelwirkung und wachsender Unsicherheit an den Finanzmärkten.
Bedeutung für Anleger im DACH-Raum
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant. Bitcoin gilt in Deutschland nach § 23 EStG bei einer Haltedauer von mehr als einem Jahr als steuerfreier privater Veräußerungsgewinn – vorausgesetzt, der Coin wurde nicht zwischenzeitlich für Kredite oder Staking genutzt. Wer während der aktuellen Korrektur verkauft und die Ein-Jahres-Frist noch nicht erfüllt hat, muss den Gewinn versteuern. Ein Halten über die volatile Phase könnte sich daher aus steuerlichen Gründen lohnen.