Bitcoin verliert 5% – Geopolitik drückt Risikoappetit an allen
Rekord-Abflüsse aus Aktien-ETFs und steigende Ölpreise signalisieren eine breite Risikoaversion. Analysten sehen Parallelen zum Ukraine-Krieg 2022.
Veröffentlicht
22. März 2026

Bitcoin (BTC) hat innerhalb weniger Tage fast 5% seines Wertes eingebüßt. Die Korrektur verläuft parallel zu Verlusten an den großen Aktienindizes S&P 500, Dow Jones und Nasdaq sowie beim Goldpreis. Einziger Gewinner in dieser Risikoflucht ist der Rohstoffmarkt: Der Preis für Rohöl ist seit Kriegsbeginn zwischen den USA, Israel und dem Iran Ende Februar um über 53% gestiegen.
Diese koordinierte Schwäche unterstreicht einen grundlegenden Wandel der Kapitalströme. Anleger reduzieren ihr Risiko, was sich in massiven Abflüssen aus börsengehandelten Fonds (ETFs) zeigt.
Rekord-Abflüsse aus Aktien- und Bitcoin-ETFs
Das Kobeissi Letter meldete kombinierte Netto-Abflüsse von 64 Milliarden US-Dollar aus den wichtigsten S&P 500- und Nasdaq 100-ETFs über die letzten drei Monate – der höchste jemals verzeichnete Wert. Damit wurde ein Zufluss von 50 Milliarden Dollar aus dem November mehr als ausgeglichen.
Die neuen US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs spiegeln diese breite Marktschwäche wider. Nach einem starken Monat verzeichneten sie in den letzten zwei Tagen Netto-Abflüsse von 253 Millionen Dollar. Die monatliche Bilanz bleibt zwar mit 1,48 Milliarden Dollar positiv, doch der Gesamtkontext ist fragil: Zwischen November und Februar gab es kumulierte Abflüsse von 6,3 Milliarden Dollar.
Die Analysefirma Glassnode sieht die Märkte aktuell mit der Absorption von Verkaufsdruck überfordert. Der realisierte Netto-Gewinnmitnahme erreichte kurzzeitig etwa 17 Millionen Dollar pro Stunde, bevor der Impuls nachließ und der Bitcoin-Preis unter 70.000 Dollar zurückfiel. „Breitere geopolitische Unsicherheit scheint die Nachfragestärke zu komprimieren“, so Glassnode.
Parallelen zum Ukraine-Krieg 2022
Marktbeobachter ziehen Vergleiche zwischen der aktuellen Lage und dem Russland-Ukraine-Krieg im Februar 2022. Der Krypto-Kommentator Carlitosway weist darauf hin, dass Bitcoin damals nach dem initialen Verkauf eine Erholungsrally von etwa 24% innerhalb von vier Wochen hinlegte, bevor der Kurs bis November 2022 um weitere 64% einbrach.
Ein ähnliches Muster könnte sich nun abzeichnen. Nach einem Anstieg um fast 10% seit Kriegsbeginn verliert die Bitcoin-Rally aktuell an Schwung. Analysten führen die Schwäche auf anhaltenden Liquiditätsdruck, steigende Energiekosten und erzwungenen Verkauf in Stressphasen zurück – Faktoren, die die Nachfrage nach Risikoassets wie Bitcoin dämpfen.
Der Krypto-Analyst Finish hält eine nachhaltige Erholung für Bitcoin erst für wahrscheinlich, nachdem ein Boden im Bereich um 55.000 Dollar gefunden wurde. „Solange der Iran-Krieg nicht beigelegt ist, wird es für BTC schwer sein, zu steigen“, so seine Einschätzung. Die Umgebung sei risikoscheu.
Für Anleger im DACH-Raum unterstreicht die Entwicklung, wie stark Krypto-Assets mittlerweile mit der globalen Risikostimmung korrelieren. In Phasen geopolitischer Spannungen und steigender Ölpreise kann die traditionelle „Safe-Haven“-Erzählung für Bitcoin vorübergehend in den Hintergrund treten. Die steuerliche Behandlung von Verlusten oder Gewinnen bei solchen Volatilitätsschüben bleibt ein zentraler Aspekt für die Portfolio-Planung.