CLARITY Act: Chance für US-Krypto, doch die Zeit drängt
Trotz eines Volumens von über 2,4 Billionen US-Dollar entgeht den USA der Großteil des Krypto-Handels. Das CLARITY-Gesetz soll gegensteuern – doch die Halbzeitwahlen drohen, das Vorhaben zu stoppen.
Veröffentlicht
10. Mai 2026

Der amerikanische Krypto-Markt ist gewaltig – aber er findet außerhalb der USA statt. Der US-Dollar ist mit über 2,4 Billionen Dollar Volumen zwischen Juli 2024 und Juni 2025 die weltweit wichtigste Fiat-On-Rampe für Kryptowährungen. Doch der überwältigende Anteil des Handels erfolgt auf Börsen, die nicht in den Vereinigten Staaten registriert sind. Auf die größte Plattform, Binance, entfielen im Dezember 2025 über 38 Prozent des gesamten Handelsvolumens zentralisierter Börsen. Coinbase, als einziger US-Vertreter unter den Top Ten, kam gerade einmal auf 6,1 Prozent.
Ein Gesetz soll die Wende bringen
Dieser Zustand könnte sich ändern – mit dem Digital Asset Market Clarity Act of 2025, kurz CLARITY Act. Der Entwurf, der von beiden Parteien breite Unterstützung erfährt, zielt darauf ab, endlich klare und verbindliche Regeln für die Kryptoindustrie in den USA zu schaffen. Laut Bill Hughes, Senior Counsel bei Consensys, würde das Gesetz regulatorische Unsicherheit beenden und Anreize schaffen, dass Projekte und Firmen wieder vermehrt in den USA aufbauen. „Der US-Dollar ist der größte Fiat-On-Ramp der Welt. Das Potenzial, diesen Vorteil auch im Krypto-Handel zu nutzen, liegt auf der Hand“, so Hughes.
Midterms setzen die Uhr in Gang
Doch die Zeit läuft. Die entscheidende Hürde ist der Kalender: Die Halbzeitwahlen im November 2026, deren Kampagnenphase bereits im Spätsommer beginnt, ließen dem Senat nur wenige Wochen für eine Verabschiedung vor der August-Pause. „Das Zeitfenster ist erbarmungslos“, warnt Hughes. Sollte der CLARITY Act jetzt scheitern, könnte eine umfassende Regulierung des Kryptomarktes erst wieder im Jahr 2030 möglich sein.
Der Senatsausschuss für Banken hat für die Woche nach dieser Veröffentlichung eine Anhörung zum Gesetzentwurf angesetzt. Brad Garlinghouse, CEO von Ripple Labs, mahnte jedoch auf der Consensus 2026 in Miami, dass die Zustimmung keineswegs sicher sei. Eine aktuelle Umfrage von HarrisX unter 2.028 registrierten Wählern ergab, dass 52 Prozent den CLARITY Act befürworten – quer durch beide großen Parteien.
Was das für Anleger bedeutet
Der CLARITY Act wäre ein Wendepunkt für die Krypto-Industrie in den USA. Er würde nicht nur die Frage klären, wann ein Token ein Wertpapier ist, sondern auch den Weg für einen stärker regulierten, aber auch attraktiveren Heimatmarkt ebnen. Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche und regulatorische Entwicklung in den USA dennoch relevant: Eine Klärung dort könnte als Blaupause für die EU-MiCA-Verordnung dienen und die globalen Marktbedingungen beeinflussen. Die kommenden Tage im Senat werden zeigen, ob der Gesetzentwurf eine echte Chance hat – oder ob er ein weiteres Kapitel in der Geschichte der vertagten US-Kryptoregulierung bleibt.