Europol knackt 12 Jahre alte Bitcoin-Wallets: 1.000 BTC
Irische Behörden und Europol beschlagnahmen zweite Tranche von 500 BTC aus dem Besitz eines verurteilten Drogenhändlers – Gesamtwert rund 73 Millionen US-Dollar.
Veröffentlicht
22. Mai 2026

Über zehn Jahre lang galt das Bitcoin-Vermögen des irischen Drogenhändlers Clifton Collins als unwiederbringlich verloren. Die herrschende Meinung: Collins habe die Seed-Phrasen seiner Wallets weggeworfen, die Papiere landeten auf einer Müllhalde, die Bitcoins für immer versunken. Doch die Realität sieht anders aus. Die irische Criminal Assets Bureau (CAB) hat zusammen mit Europol einen zweiten Schwung von 500 BTC sichergestellt – aktueller Wert rund 38 Millionen Dollar. Zusammen mit der ersten Tranche von 500 BTC aus März 2026 summiert sich die Beute auf 1.000 Bitcoins im Wert von etwa 73 Millionen Dollar.
6.000 Bitcoins aus einer anderen Zeit
Collins wurde 2018 wegen Cannabis-Anbaus und -Handels verurteilt. Zwischen Ende 2011 und Anfang 2012, als Bitcoin noch im einstelligen Dollarbereich notierte, kaufte er rund 6.000 BTC auf. Nach seiner Verurteilung beschlagnahmten die Behörden zwar verschiedene Vermögenswerte, doch die Kryptobestände galten als verloren. Collins selbst gab an, die Seed-Phrasen nicht mehr zu besitzen. Zwölf mit ihm verbundene Wallets blieben über ein Jahrzehnt völlig inaktiv.
Am 24. März 2026 zeigte das erste Wallet plötzlich Bewegung. Das CAB transferierte 500 BTC im Wert von etwa 35 Millionen Dollar. Die Blockchain-Forensik-Firma Arkham Intelligence, die die Wallets öffentlich als „Clifton Collins: Lost Keys“ markiert hatte, dokumentierte den Vorgang und bestätigte, dass die Gelder zu Coinbase Prime gingen. Im Mai 2026 folgte das zweite Wallet – gleiches Muster, gleiches Ziel, nur diesmal aufgrund des zwischenzeitlichen Preisanstiegs von Bitcoin rund 38 Millionen Dollar schwer.
Wie knackt man ein Wallet ohne Schlüssel?
Die genauen technischen Details der Entschlüsselung sind nicht öffentlich. Fest steht: Europas Cybercrime-Zentrum von Europol lieferte die forensische Expertise. Die Wallets waren mehr als ein Jahrzehnt inaktiv, was bedeutet, dass Collins sie nicht heimlich aus dem Gefängnis heraus bedient haben kann. Die Behörden fanden einen Weg, Wallets zu öffnen, die selbst ihr Eigentümer nicht mehr öffnen konnte oder wollte.
Was das für Anleger bedeutet
Von Collins‘ ursprünglichen 6.000 BTC sind noch rund 5.000 nicht aufgetaucht. Sollten die Behörden auch diese Wallets knacken können, stünden weitere Vermögenswerte von über 350 Millionen Dollar im Raum. Dass beschlagnahmte Gelder bei regulierten Custody-Dienstleistern wie Coinbase Prime landen, unterstreicht die zunehmende Legitimität der Infrastruktur. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass selbst jahrelang ruhende Kryptobestände nicht mehr als sicher vor Strafverfolgern gelten können.
Für Anleger in Deutschland bleibt die steuerliche Einordnung solcher Beschlagnahmungen relevant: Werden Kryptowerte durch Behörden transferiert, kann dies Auswirkungen auf die Haltefrist nach § 23 EStG haben – ein Aspekt, den Steuerexperten und Investoren gleichermaßen im Auge behalten sollten.