Iran setzt Bitcoin für Schiffsversicherung in der Straße von
Teheran launcht „Hormuz Safe“ – ein Blockchain-basiertes Versicherungsangebot für Frachtschiffe. Für Anleger stellt sich die Frage nach regulatorischen Risiken und den Grenzen von Krypto in geopolitischen Krisen.
Veröffentlicht
19. Mai 2026
Während der Iran-Konflikt in den dritten Monat geht, wagt Teheran ein ungewöhnliches Experiment: Die staatliche Nachrichtenagentur Fars meldet die Einführung einer Schiffsversicherung auf Bitcoin-Basis. Das Projekt trägt den Namen „Hormuz Safe“ und soll Frachtern die Passage durch die Straße von Hormus ermöglichen – einem der strategisch wichtigsten Seewege der Welt.
Bitcoin als Versicherungslösung für eine blockierte Wasserstraße
Laut Dokumenten des iranischen Wirtschaftsministeriums sollen „kryptografisch verifizierbare Versicherungspolicen“ für Schiffe ausgestellt werden, die durch den Persischen Golf, die Straße von Hormus und die angrenzenden Gewässer fahren. Die Abwicklung der Zahlungen erfolgt demnach in Bitcoin. Die Regierung erhofft sich Einnahmen von bis zu zehn Milliarden Dollar.
Die Idee geht auf den Milliardär Babak Zanjani zurück, der bereits am 8. Mai auf seinen Social-Media-Kanälen dafür warb. Zanjani steht allerdings im Schatten schwerer Vorwürfe: Ihm wird Untreue gegenüber dem iranischen Ölministerium zur Last gelegt.
Hohe Nutzung von Bitcoin in Iran – aber auch hohe Risiken
Dass Bitcoin im Iran während des Krieges stark nachgefragt wird, belegen Zahlen des digitalen Vermögensverwalters Coinshares. Analyst Chris Bendiksen beziffert die Zahl der iranischen Bitcoin-Nutzer auf rund 14 Millionen – etwa jeder sechste Iraner. Das jährliche Transaktionsvolumen wuchs um 11,8 Prozent und macht mittlerweile rund 2,2 Prozent des iranischen BIP aus.
Doch die praktische Umsetzung von „Hormuz Safe“ bleibt fraglich. Die USA und Iran blockieren weiterhin gegenseitig die Durchfahrt von Schiffen. Der Schiffsverkehr liegt nahezu still. Hinzu kommt das Risiko von Sanktionen: Reedereien, die ein von der iranischen Regierung unterstütztes Bitcoin-System nutzen, setzen sich der Gefahr von US-Sanktionen aus. Für global operierende Unternehmen dürfte das ein unkalkulierbares Risiko darstellen.
Bedeutung für den DACH-Raum
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche und regulatorische Einordnung dieser Entwicklung relevant. Sollte sich das Modell als praxistauglich erweisen, könnte es den Druck auf europäische Aufsichtsbehörden wie die BaFin erhöhen, klare Regeln für Blockchain-basierte Versicherungsprodukte zu schaffen. Bleibt das Projekt dagegen eine Randnotiz, zeigt es vor allem eines: die Grenzen von Kryptowährungen in geopolitischen Konflikten, in denen staatliche Macht und Sanktionen letztlich schwerer wiegen als technologische Innovation.