Krypto-Derivate: Kurssprung löscht 547 Millionen US-Dollar an
Ein massiver Short Squeeze trifft den Markt. Über 80 Prozent der Liquidierungen entfallen auf Leerverkäufer, während die ETH-Funding Rates auf eine mögliche Gegenbewegung hindeuten.
Veröffentlicht
16. April 2026

Der jüngste Preisanstieg bei Bitcoin und Ethereum hat auf dem Derivatmarkt eine Welle von Zwangsliquidierungen ausgelöst. Laut Daten von CoinGlass wurden innerhalb von 24 Stunden offene Kontrakte im Gesamtwert von rund 547 Millionen US-Dollar zwangsglattgestellt. Der überwiegende Teil – 446 Millionen US-Dollar oder über 81 Prozent – entfiel dabei auf Short-Positionen, also Wetten auf fallende Kurse.
Wo die Liquidierungen stattfanden
Die Zahlen zeigen ein klassisches Bild eines Short Squeeze: Ein starker Kursanstieg zwingt eine große Anzahl von Leerverkäufern, ihre Positionen mit Verlust zu schließen. Diese erzwungenen Käufe können den ursprünglichen Aufwärtstrend zusätzlich verstärken und eine Kaskade weiterer Liquidierungen auslösen.
An der Spitze der betroffenen Assets steht erwartungsgemäß Bitcoin mit Liquidierungen im Wert von 229 Millionen US-Dollar. Auf Platz zwei folgt Ethereum mit 136 Millionen US-Dollar. Auffällig ist der dritte Platz: Das vergleichsweise kleine RaveDAO (RAVE), aktuell auf Rang 27 nach Marktkapitalisierung, verzeichnete Liquidierungen von 45 Millionen US-Dollar – vermutlich eine direkte Folge seines 62-prozentigen Kursanstiegs innerhalb eines Tages.
Die nächste Risikogruppe könnte wechseln
Solche heftigen Liquidierungsereignisse sind im volatilen und oft überhebeltem Kryptomarkt keine Seltenheit. Die aktuelle Lage deutet jedoch darauf hin, dass sich das Risiko bereits verlagert haben könnte. Die Analysefirma Santiment weist darauf hin, dass die Ethereum Funding Rates auf den meisten Börsen inzwischen positiv sind.
Ein positiver Funding Rate deutet darauf hin, dass Long-Positionen (Kaufwetten) dominieren und diese Trader eine Prämie an die Short-Verkäufer zahlen.
Historisch gesehen trifft ein Squeeze meist die übergewichtete Marktseite. Da die Funding Rates nun auf eine Dominanz der Bullen hindeuten, könnten bei einer plötzlichen Kurskorrektur als nächstes überhebeltete Long-Positionen unter Druck geraten. Die Volatilität bleibt somit eine konstante Gefahr für beide Seiten.
Kursentwicklung und Ausblick
Bitcoin korrigierte am Montag zunächst auf etwa 70.500 US-Dollar, startete aber am Dienstag mit einem Sprung auf über 74.300 US-Dollar erneut durch. Diese Dynamik unterstreicht die anhaltende Unsicherheit und die schnellen Richtungswechsel, die für Derivatehändler besonders riskant sind.
Für Anleger im DACH-Raum ist bei solchen Derivate-Geschäften neben dem offensichtlichen Verlustrisiko auch die steuerliche Behandlung zu beachten. Gewinne aus Termingeschäften unterliegen unabhängig von der Haltefrist der Abgeltungsteuer, Verluste können unter bestimmten Bedingungen mit anderen Kapitalerträgen verrechnet werden.