Bitcoin-Entwickler Dashjr: Scheitert RDTS, ist Bitcoin am Ende
Luke Dashjr stellt die Weichen für die Zukunft des Netzwerks: Die BIP-110-Einschränkung von Datenmüll sei überlebenswichtig – seine Position ist jedoch umstritten.
Veröffentlicht
18. Mai 2026

Bitcoin-Entwickler Luke Dashjr sorgt mit einer drastischen Aussage für Aufsehen. Auf die Frage eines Nutzers, ob ein 42-Jähriger zu alt sei, um sein gesamtes Geld in Bitcoin zu stecken, antwortete Dashjr nicht mit einer Einschätzung zum Anlagehorizont. Stattdessen erklärte er das Schicksal des gesamten Netzwerks für ungewiss: „Wenn RDTS scheitert, ist Bitcoin am Ende. Wenn es erfolgreich ist, sind die Grenzenlosigkeit.“
Dashjr, langjähriger Maintainer des alternativen Clients Bitcoin Knots und treibende Kraft hinter der umstrittenen BIP-110, schob hinterher: „Falls Bitcoin scheitert, steht der gesamten Wirtschaft eine sehr schwere Zeit bevor. Fiat ist ohnehin zum Scheitern verurteilt.“ Der Hinweis auf fehlende Anlageberatung folgte prompt.
Was ist RDTS – und warum spaltet es die Community?
RDTS steht für Reduced Data Temporary Softfork. Die als BIP-110 registrierte Änderung zielt darauf ab, die Menge an beliebigen Daten zu begrenzen, die in Bitcoin-Transaktionen eingefügt werden können. Hintergrund ist der Boom von Ordinals und Inschriften – Bilder, Texte und ganze Dateien, die direkt auf der Blockchain landen. Das vergrößert die Blöcke, verteuert den Betrieb von Nodes und schafft Raum für illegale Inhalte – etwa Missbrauchsmaterial.
Die Lösung von Dashjr und seinen Mitstreitern: Ein temporärer Softfork, der Datenanhang strikter reguliert, ohne ältere Nodes auszuschließen. Die Einschränkung soll etwa ein Jahr dauern, bis eine langfristige Lösung bereitsteht. Seit Mai 2026 ist RDTS in der Version 29.3 von Bitcoin Knots enthalten – allerdings nur mit expliziter Zustimmung des Nutzers.
Nur eine Minderheit an Bord
Die Unterstützung für RDTS ist bislang gering. Im Februar 2026 sprachen sich lediglich rund 583 Nodes für die Änderung aus – etwa 2,38 Prozent des gesamten Netzwerks. Ein Konsens, der für einen konfliktarmen Softfork nötig wäre, ist nicht ansatzweise erreicht. Zudem sieht der Vorschlag neben einer terminierten Aktivierung auch eine reaktive Route vor, die auf umstrittene Weise eine Neustrukturierung der Chain erlaubt – Kritiker halten das technisch für gefährlich.
Martin Habovštiak, ein slowakischer Bitcoin-Entwickler, zeigte zudem, dass sich BIP-110 mit bestimmten Dateiformaten umgehen lässt – ein Beleg dafür, dass die technische Durchschlagskraft der Reform begrenzt ist.
Zwischen existenzieller Warnung und persönlicher Meinung
Dashjr stellt seine Aussage als ungeschönte Wahrheit dar, nicht als Drohung. Die Reaktionen in den sozialen Medien sind gespalten: Während er Zuspruch von jenen erhält, die das Netzwerk vor Datenmüll schützen wollen, werfen ihm andere Alarmismus vor. Dass Bitcoin bereits zahlreiche Governance-Krisen und Skalierungsdebatten überstanden hat, spricht gegen die These eines unmittelbaren Endes. Dennoch berührt RDTS einen ungelösten Grundsatzkonflikt: Soll Bitcoin ein reines Währungsnetzwerk bleiben oder nicht-monetäre Anwendungen tolerieren?
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant. Eine fundamentale Änderung der Bitcoin-Regeln könnte Auswirkungen auf die Haltefrist nach § 23 EStG haben – denn ein Hardfork löst mitunter eine Neubewertung aus. Bei einem konsensgetragenen Softfork wie RDTS dürfte das unwahrscheinlich sein, doch das Tauziehen um die Zukunft des Netzwerks ist noch nicht entschieden.