MARA Holdings verkauft 20.880 Bitcoin für 1,5 Milliarden Dollar
Der Bitcoin-Miner wandelt sich zum KI-Infrastrukturanbieter: Milliardenverkauf zur Schuldentilgung und Akquisition eines Gaskraftwerks.
Veröffentlicht
13. Mai 2026

Der Nasdaq-gelistete Bitcoin-Miner MARA Holdings hat im ersten Quartal 2026 insgesamt 20.880 Bitcoin veräußert und dafür rund 1,5 Milliarden Dollar eingenommen. Das Geld fließt nicht etwa in neue Mining-Rigs, sondern in eine grundlegende Neuausrichtung des Geschäftsmodells: weg vom reinen Bitcoin-Schürfen, hin zu Künstlicher Intelligenz und Hochleistungsrecheninfrastruktur.
Milliardenverlust als Wendepunkt
Die Bitcoin-Liquidation fällt mit einem dramatischen Quartalsergebnis zusammen. MARA meldete für Q1 2026 einen Nettoverlust von 1,26 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie der Verlust von 533 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen brachen um 18 Prozent auf 175 Millionen Dollar ein, was das Unternehmen auf fallende Bitcoin-Kurse zurückführt.
Der Großteil der Verkäufe – 15.133 Bitcoin für etwa 1,1 Milliarden Dollar – erfolgte zwischen dem 4. und 25. März und diente laut Unternehmensangaben dem Rückkauf von Wandelanleihen. Insgesamt senkte MARA seine ausstehenden Wandelschulden um 30 Prozent von rund 3,3 auf 2,3 Milliarden Dollar und verbuchte dabei einen Gewinn von 71 Millionen Dollar.
Strategischer Neubau statt Mining-Ausbau
Parallel dazu kündigte MARA die bislang größte Übernahme seiner Geschichte an: Für knapp 1,5 Milliarden Dollar erwirbt das Unternehmen den Energieversorger Long Ridge Energy von FTAI Infrastructure, inklusive der Übernahme von mindestens 785 Millionen Dollar Schulden. Long Ridge betreibt ein 505-Megawatt-Gaskraftwerk in Ohio auf einem 1.600 Hektar großen Gelände. Die Anlage soll jährlich 144 Millionen Dollar EBITDA generieren.
„Wir rechnen nicht damit, künftig großflächig ASIC-Mining-Hardware zu kaufen“, heißt es im Aktionärsbrief des ersten Quartals. Stattdessen hat MARA bereits 90 Prozent seiner nicht fremdvermieteten Mining-Kapazität so umgerüstet, dass sie für KI- und IT-Infrastruktur genutzt werden kann. Zudem streicht das Unternehmen 15 Prozent seiner Belegschaft, um jährlich zwölf Millionen Dollar einzusparen.
Der Vorstand skizziert eine Dual-Use-Strategie: „Wir können neue Infrastruktur dort ansiedeln, wo bereits Bitcoin-Mining läuft – und zugleich die Flexibilität bewahren, die Energie später für KI umzuleiten, sobald sich diese Geschäftsmodelle konkretisieren.“
Branchentrend: Vom Miner zum AI-Provider
MARA vollzieht damit eine Wende, die in der Branche zunehmend Schule macht. Erst vor wenigen Tagen sicherte sich der Mitbewerber IREN einen 3,4 Milliarden Dollar schweren KI-Deal mit Nvidia. Keel Infrastructure, ehemals Bitfarms, meldete zeitgleich einen Verlust von 145 Millionen Dollar, nachdem es den kompletten Wandel vom Bitcoin-Miner zum KI-Dienstleister abgeschlossen hatte.
Trotz der massiven Bitcoin-Verkäufe bleibt MARA mit 35.303 Bitcoin (derzeit rund 2,84 Milliarden Dollar wert) der viertgrößte Unternehmenshalter der Kryptowährung weltweit.
Die Aktie reagierte am Dienstag mit einem Minus von über fünf Prozent auf die Quartalszahlen und notierte bei rund 12,65 Dollar. Im Monatsvergleich steht jedoch ein Plus von 32 Prozent – ein Zeichen, dass Anleger den Strategiewechsel zunächst goutieren. Für Anleger im DACH-Raum bleibt die steuerliche Einordnung solcher Krypto-Desinvestitionen nach § 22 EStG relevant: Werden Bitcoin-Bestände von Unternehmen veräußert, unterliegen die Gewinne der Körperschaftsteuer – ein Aspekt, der bei der Bewertung künftiger Quartalszahlen nicht außer Acht bleiben sollte.