Revolut-Panne: Bitcoin für 2 Cent – Anbieter-Fehler legt App lahm
Ein externer Preisdatendienst sorgte für groteske Kursausschläge auf der Plattform. Bitcoin notierte kurzzeitig bei 0,02 Dollar – samt Benachrichtigung über ein 52-Wochen-Tief.
Veröffentlicht
10. Mai 2026

Bitcoin für zwei Cent – auf dem Bildschirm eines Revolut-Nutzers war das am Freitag kurzzeitig Realität. Der Fehler lag nicht im Markt, sondern in der Datenleitung. Die Fintech-App zeigte massiv verzerrte Kryptopreise an, das Unternehmen bestätigte einen Ausfall bei einem externen Preisdienstleister als Ursache.
Betroffen war nicht nur Bitcoin. Nutzer posteten auf X und Reddit Screenshots, auf denen auch XRP, Solana und selbst die Stablecoins USDT und USDC auf bizarre Werte fielen. USDC, konstruiert für eine feste Bindung an einen Dollar, notierte plötzlich weit darunter. Revolut sprach von einer Störung bei einem nicht genannten Drittanbieter, die inzwischen behoben sei.
Auffällige Push-Nachricht
Viele Nutzer erhielten eine automatische Benachrichtigung, wonach Bitcoin ein 52-Wochen-Tief von 0,02 Dollar erreicht habe. Das 24-Stunden-Chart in der App zeigte einen intraday-Einbruch von rund 50 Prozent, der Kurs schien kurz bei knapp 39.900 Dollar zu verharren, bevor er zurückschnellte. Ein Blick auf große Kursaggregatoren wie CoinMarketCap oder CoinGecko zeigte zur gleichen Zeit nichts Ungewöhnliches. Auch die Derivatemärkte blieben ruhig. Die Anomalie war vollständig auf Revoluts Infrastruktur beschränkt.
Zwei mögliche Erklärungen
Ranveer Arora, ehemaliger quantitativer Trading-Lead bei PwC und Mitgründer von Altura.trade, nannte zwei Szenarien. Das wahrscheinlichere: Ein einzelner fehlerhafter Datenpunkt – ein „corrupt data tick“ – wurde in das Preissystem gespült und verzerrte die Chartdarstellung kurzzeitig, bevor er korrigiert wurde. Weil Revolut keine eigene Börse betreibt, sondern Preise von externen Anbietern bezieht, könne ein einziger falscher Input eine solche Verzerrung auslösen.
Die zweite Möglichkeit: Eine vorübergehende Liquiditätslücke. Revoluts Orderbuch ist dünner als das einer regulären Börse. Ein großer Sell-Order könnte theoretisch alle Gebote aufgefressen haben, bevor sich die Preise wieder erholten. Arora hält das für unwahrscheinlicher: Vergleichbare Kursausschläge fehlten auf anderen Plattformen.
Marc Tillement, Director bei der Blockchain-Orakelorganisation Pyth Data Association, wies darauf hin, dass der Vorfall zeige, wie schnell ein einziger fehlerhafter Datenpunkt die Preiswahrnehmung verzerren könne – besonders in Systemen, die auf Privatanleger zugeschnitten sind und bei denen Nutzer nicht automatisch gegenchecken, was sie sehen. Transparente, verifizierbare Datenebenen, so Tillement, seien der Unterschied zwischen einem Glitch und einer Krise.
Lehren für Anleger
Für Nutzer im DACH-Raum bleibt die steuerliche Einordnung solcher Datenfehler relevant: Wer aufgrund eines falschen Kurses panisch kauft oder verkauft, handelt trotzdem reale Transaktionen. Ein nachträglicher Verweis auf einen Systemfehler dürfte Finanzämter kaum überzeugen, einen Trade rückabzuwickeln. Die Episode ist eine Erinnerung daran, Preise vor Handlungen zu verifizieren – und daran, dass die Infrastruktur hinter den Kursen mindestens so wichtig ist wie der Kurs selbst.