Pilotprojekt verbindet XRP Ledger mit traditionellen Bankrillen
Ondo Finance, Mastercard, J.P. Morgan und Ripple wickeln grenzüberschreitenden OUSG-Rückkauf ab – inklusive Settlement außerhalb der Bankgeschäftszeiten.
Veröffentlicht
7. Mai 2026

Ondo Finance, die Blockchain-Plattform Kinexys von J.P. Morgan, Mastercard und Ripple haben am 6. Mai eine grenzüberschreitende Pilottransaktion abgeschlossen. Dabei gelang es erstmals, den XRP Ledger mit den etablierten Abwicklungsschienen des Interbankensystems zu koppeln. Die Operation betraf den Rückkauf von OUSG, einem tokenisierten Fonds, der durch US-Staatsanleihen gedeckt ist.
Die Transaktion lief in drei Schritten ab: Ondo wickelte den Rückkauf von OUSG im XRP Ledger ab. Mastercards Multi-Token Network leitete die Instruktionen an Kinexys von J.P. Morgan weiter. Und J.P. Morgan stellte schließlich US-Dollar auf dem Bankkonto von Ripple in Singapur bereit. Das Settlement erfolgte damit außerhalb der üblichen Bankgeschäftszeiten – ein Novum für diese Kombination aus öffentlicher Blockchain und klassischen Zahlungssystemen.
Brücke zwischen zwei Welten
Ondo Finance ist ein Protokoll zur Tokenisierung realer Vermögenswerte (Real World Assets, RWA). Mit OUSG bildet es einen börsengehandelten Fonds ab, der in US-Treasuries investiert. Die Teilnahme an diesem Pilotprojekt ist kein Zufall: Ondo positioniert sich als Gateway zwischen traditionellen Kapitalmärkten und der öffentlichen Blockchain-Infrastruktur. Kinexys (ehemals Onyx) ist J.P. Morgans eigene Distributed-Ledger-Plattform für Zahlungen. Mastercard steuerte die Multi-Token-Network bei – eine Routing-Schicht für Transaktionen zwischen verschiedenen Blockchains und konventionellen Zahlungsnetzen.
Echtzeit und global rund um die Uhr
Laut Ondo Finance sei der entscheidende Punkt nicht allein der technische Erfolg: „Zum ersten Mal haben eine öffentliche Blockchain und die globale Bankeninfrastruktur gemeinsam eine grenzüberschreitende Transaktion mit einem tokenisierten Fonds in Echtzeit abgewickelt.“ Die Aussage zielt darauf ab, dass tokenisierte Vermögenswerte „nicht länger vom globalen Finanzsystem getrennt“ seien.
Mastercard ergänzte in einer Mitteilung, die Partner legten damit „das Fundament für globale 24/7-Märkte, die niemals schließen“ – ein Hinweis auf die Fähigkeit, außerhalb der starren Fenster des konventionellen Interbanken-Settlements zu operieren.
Bedeutung für den DACH-Raum
Aus deutscher Perspektive wirft die Entwicklung regulatorische und steuerliche Fragen auf: Wenn tokenisierte Treasury-Fonds wie OUSG künftig jederzeit und grenzüberschreitend liquidiert werden können, müssen Anleger hierzulande die steuerliche Einordnung solcher Produkte im Auge behalten – insbesondere die Abgeltungsteuerpflicht auf Kapitalerträge aus ausländischen Fonds und die mögliche Anwendung des Investmentsteuergesetzes. Sollte sich das Modell durchsetzen, dürfte auch die BaFin die Transaktion als relevanten Präzedenzfall für die Regulierung tokenisierter Wertpapiere nach MiCA werten.