Polnische Kryptobörse Zondacrypto in der Liquiditätskrise
Der CEO macht den verschwundenen Gründer für fehlende Bitcoin im Wert von 330 Millionen Dollar verantwortlich. Klagen über Auszahlungsprobleme häufen sich.
Veröffentlicht
17. April 2026
Der CEO der polnischen Kryptobörse Zondacrypto, Przemysław Kral, hat sich in einer ungewöhnlichen öffentlichen Stellungnahme zu den anhaltenden Liquiditätsgerüchten geäußert. Er macht den verschwundenen Gründer und früheren Vorstandsvorsitzenden der Plattform, Sylwester Suszek, für den fehlenden Zugang zu einem Bitcoin-Wallet im Wert von rund 330 Millionen US-Dollar verantwortlich.
Kral veröffentlichte die Adresse des Wallets, das nach seinen Angaben 4.500 Bitcoin enthalten soll, auf der Plattform X. Er wolle damit „unbegründete Vorwürfe der angeblichen Veruntreuung von Mitteln“ ausräumen. Ein von ihm vorgelegtes Dokument belege, dass Suszek die Vermögenswerte, einschließlich des Bitcoin-Portfolios, an die aktuellen Eigentümer von Zondacrypto verkauft habe. Die Wallet-Adresse sei von Wirtschaftsprüfern verifiziert worden.
Run auf die Börse und schwindende Reserven
Die Veröffentlichung erfolgt vor dem Hintergrund massiver Abhebungen durch verunsicherte Kunden. Laut Kral habe die Börse am Ostermontag allein 25.000 Auszahlungsaufträge verzeichnet – ein Volumen, das keine Finanzinstitution unter normalen Umständen bewältigen könne. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr seien es etwa 100.000 gewesen.
Medienberichten zufolge sind die Bitcoin-Reserven der Börse um 99 Prozent eingebrochen. Nutzer melden zunehmend Probleme bei Auszahlungen, und einige gesponserte Sportvereine sollen seit Monaten auf Zahlungen warten. Analysen der Firma Recoveris zeigen demnach, dass in derselben Zeit über 76 Millionen Złoty (rund 17,6 Millionen Euro) von Zondacrypto an eine andere Börse transferiert wurden.
Politische Verwicklungen und regulatorisches Vakuum
Die Krise hat auch eine politische Dimension erreicht. Premierminister Donald Tusk drängt auf eine schnelle Abstimmung im Sejm über ein Veto des Präsidenten gegen ein Gesetz zur Regulierung des Kryptomarktes. Hintergrund sind Medienberichte, wonach Kral im Vorfeld der ersten Abstimmung über diese Regulierung im Jahr 2025 Spenden an zwei mit der politischen Rechten verbundene Stiftungen getätigt haben soll.
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen, um die in den Medien aufgetauchten Vorwürfe zu überprüfen. Bislang wurden keine Anklagen erhoben. Präsident Karol Nawrocki hatte das Gesetz zur Aufsicht über Kryptoaktivitäten bereits zum zweiten Mal blockiert, wodurch ein regulatorisches Vakuum bestehen bleibt.
Für Anleger in Deutschland und der EU unterstreicht der Fall erneut die Risiken von Plattformen außerhalb des direkten Aufsichtsrahmens der MiCA-Verordnung. Die geplante EU-weite Regulierung soll genau solche Szenarien durch strenge Liquiditäts- und Transparenzvorschriften verhindern.