Bitcoin-ETF-Abflüsse: 2,2 Milliarden Dollar in zwei Wochen
US-Spot-ETFs verzeichnen die höchsten Kapitalabflüsse seit Januar – Bitcoin-Kurs fällt um fünf Prozent auf 76.800 Dollar
Veröffentlicht
25. Mai 2026

Die US-amerikanischen Spot-ETFs auf Bitcoin erleben einen massiven Kapitalabfluss. In den vergangenen zwei Wochen zogen Anleger insgesamt 2,2 Milliarden Dollar aus den Fonds ab – 1,26 Milliarden in der Vorwoche, 1,0 Milliarden in der Woche davor. Der 18. Mai markierte mit 648 Millionen Dollar den schlechtesten Einzeltag seit dem 29. Januar, als 819 Millionen Dollar abflossen. Die Folgen für den Bitcoin-Kurs blieben nicht aus: Er fiel von rund 81.200 Dollar (10. Mai) auf 76.800 Dollar (22. Mai) – ein Minus von fünf Prozent.
Mechanik der Abflüsse
Spot-ETFs kaufen und halten Bitcoin physisch, um die Anteilsscheine zu decken. Ziehen Anleger Kapital ab, müssen die Fondsmanager Bitcoin verkaufen, um die Rücknahmen zu bedienen. Das erhöht kurzfristig das Angebot und drückt den Kurs – besonders, wenn keine ausreichende Nachfrage gegenübersteht. Die Abflüsse der vergangenen Woche verteilten sich auf 331 Millionen (Dienstag), 70 Millionen (Mittwoch), 100 Millionen (Donnerstag) und 105 Millionen Dollar (Freitag) – ein streng negativer Trend ohne einen einzigen Tag mit Nettozuflüssen.
Trotz der jüngsten Verluste halten die Bitcoin-ETFs kumuliert 57,1 Milliarden Dollar an Nettozuflüssen. Das verwaltete Vermögen liegt bei 98,9 Milliarden Dollar. Allein der IBIT-Fonds von BlackRock repräsentiert vier Prozent des gesamten Bitcoin-Umlaufs.
Mehrere Belastungsfaktoren
Andri Fauzan Adziima, Forschungsleiter am Bitrue Research Institute, nennt neben den ETF-Abflüssen drei weitere Gründe für die Kursschwäche: „Die Hauptschuldigen sind der starke Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen auf 12-Monats-Hochs, ein stärkerer Dollar und die geopolitische Eskalation.“ Höhere Anleiherenditen machen US-Staatsanleihen attraktiver und ziehen Kapital aus riskanteren Anlagen wie Bitcoin ab. Gleichzeitig belastet der eskalierende Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran die Märkte.
US-Präsident Donald Trump signalisierte am 24. Mai, dass er sich nicht zu einem schnellen Abkommen drängen lasse, um den Krieg zu beenden. Zwar laufen Gespräche über ein Memorandum of Understanding, das eine Roadmap für offene Fragen liefern soll. Sollte eine politische Einigung gelingen, könnte die Beseitigung der geopolitischen Unsicherheit dem Bitcoin neue Impulse geben – doch bis dahin bleibt die Lage angespannt.
DACH-Perspektive
Für Anleger im deutschsprachigen Raum ist die Entwicklung auch steuerlich relevant: Gewinne aus Bitcoin-ETFs unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer – im Unterschied zu direkt gehaltenen Kryptowährungen, bei denen nach einjähriger Haltefrist steuerfreie Veräußerungsgewinne möglich sind. Wer also über einen ETF investiert, sollte die Haltefristen und Steuerfolgen im Blick behalten.