Bitcoin fällt unter 63.000 Dollar – KI-Rallye verliert an Schwung
Broadcoms enttäuschende KI-Prognose löst weltweite Verkaufswelle aus: Bitcoin verliert 14,5 Prozent in einer Woche, Ether und Solana noch stärker. Auch asiatische Aktienmärkte unter Druck.
Veröffentlicht
6. Juni 2026

Bitcoin ist auf den tiefsten Stand seit Wochen gefallen. Am Freitagmorgen notierte die Kryptowährung bei 62.715 Dollar – ein Minus von knapp zwei Prozent an einem Tag, 14,5 Prozent binnen sieben Tagen. Der Abverkauf traf die gesamte Branche. Ether verlor 4,8 Prozent auf 1.696 Dollar, Solana gab 5,4 Prozent nach und notiert nun bei 66,51 Dollar, ein Wochenverlust von 18,5 Prozent.
Auslöser ist kein kryptospezifisches Ereignis, sondern ein Stimmungsumschwung an den globalen Aktienmärkten. Der Chiphersteller Broadcom hatte am Mittwoch mit seinem Ausblick für KI-Chips die hohen Erwartungen verfehlt. Das beendete eine monatelange Rally bei Halbleiterwerten, die zuvor von geopolitischen Spannungen und dem KI-Hype angetrieben worden war.
Asiatische Märkte unter Druck
Die Folgen sind weit über die Branche hinaus spürbar. Der Nasdaq-100 fiel im Futures-Handel um 0,9 Prozent, der südkoreanische KOSPI – der in diesem Jahr stärkste Aktienindex weltweit – stürzte um 4,7 Prozent. Der Speicherchiphersteller SK Hynix verlor acht Prozent. Auch der breite MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien gab um 1,4 Prozent nach.
Die Anspannung zeigt sich an den Devisenmärkten: Der südkoreanische Won fiel auf den tiefsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2009. Die indonesische Rupiah notierte nahe ihrem Rekordtief, ausländische Investoren zogen Milliarden aus lokalen Anleihemärkten ab. Allein die indische Rupiah stabilisierte sich, nachdem die Notenbank neue Maßnahmen zur Kapitalanziehung ankündigte.
Krypto im Sog der Risikoaversion
Bitcoin und Co. ordnen sich in dieses Bild nahtlos ein. Selbst Hyperliquid (HYPE) , das zuvor als einziger Top-Ten-Token die Woche im Plus gehalten hatte, gab am Freitag um 14,8 Prozent nach und liegt jetzt nur noch 1,5 Prozent im Plus. Die These, dass Tokens mit hohem Cashflow in eine sichere Rotation gehen, während der Rest blutet, hielt kaum einen Handelstag. Auch Zcash, gestern noch grün, hat seine Überrendite vollständig abgegeben.
Die strukturelle Schwäche bleibt bestehen. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen inzwischen 13 Handelstage in Folge Nettoabflüsse – insgesamt rund 4,4 Milliarden Dollar seit Mitte Mai. Strategy (ehemals MicroStrategy) hat den ersten Bitcoin-Verkauf seit 2022 gemeldet: 32 BTC zur Bedienung von Dividenden auf Vorzugsaktien. Beide Entwicklungen hatten den Markt zuvor über Monate gestützt.
US-Arbeitsmarkt als nächster Test
Der nächste Kursimpuls kommt am Freitag mit dem US-Arbeitsmarktbericht (Nonfarm Payrolls). Fällt er schwach aus, könnten die Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung der Fed unter dem neu bestätigten Chef Kevin Warsh wieder aufleben. Niedrigere Realzinsen würden vermutlich die KI-Rallye und damit auch Krypto stützen. Ein starker Jobbericht würde das Gegenteil bewirken. Bis dahin bleibt der Weg des geringsten Widerstands der, den Aktien und Krypto bereits eingeschlagen haben.
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Bei Haltefristen unter einem Jahr fallen Gewinne aus privaten Kryptotransaktionen in Deutschland weiterhin als Spekulationsgeschäft unter den persönlichen Einkommensteuersatz. Die aktuellen Verluste könnten zumindest steuerlich gegengerechnet werden – vorausgesetzt, die Anleger halten nicht bereits länger als zwölf Monate.