Bitcoin-Treasury-Unternehmen verlieren 62 Milliarden Dollar
Der Kryptowährungsabschwung trifft Firmen wie Strategy und Forward Industries besonders hart – der DAT-Prämie verfliegt, und die Refinanzierung wird zur Herausforderung.
Veröffentlicht
6. Juni 2026

Kryptowährungs-Treasuries unter Druck: 62 Milliarden Dollar Wertverlust seit Oktober
Bitcoin-Treasury-Unternehmen haben seit Anfang Oktober rund 62 Milliarden Dollar an voll verwässerter Marktkapitalisierung eingebüßt. Das geht aus Daten von Artemis hervor. Der kombinierte Wert der Kohorte fiel von einem Höchststand von fast 134 Milliarden Dollar auf nunmehr etwa 72 Milliarden Dollar – ein Rückgang von knapp 46 Prozent.
Damit hat der Sektor Bitcoin selbst deutlich übertroffen. Die Kryptowährung verlor seit ihrem Oktober-Hoch rund die Hälfte ihres Wertes. Analysten sprechen vom Zerfall der sogenannten Digital-Asset-Treasury (DAT)-Prämie, die die Kurse dieser Aktien 2024 und 2025 getrieben hatte.
Erste Risse im Geschäftsmodell
Die Anzeichen für eine Schieflage mehren sich auf Unternehmensebene. Strategy (ehemals MicroStrategy) gab unter der Woche seinen ersten Bitcoin-Verkauf seit 2022 bekannt. Das Unternehmen veräußerte 32 BTC, um Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien zu bedienen – ein Schritt, der als Indiz für Liquiditätsengpässe gewertet wird.
Noch drastischer ist die Lage bei Forward Industries, einem der aggressivsten Nachahmer des Solana-Treasury-Modells. Nach einem Monat der Inaktivität hinterlegte die Firma am Freitag 455.784 SOL im Wert von rund 31,87 Millionen Dollar bei Coinbase Prime. Der durchschnittliche Einstiegskurs von über 230 Dollar bedeutet, dass die gesamte SOL-Position nun mit etwa 1,13 Milliarden Dollar unter Wasser liegt.
"Die DAT-Prämie löst sich auf, und die Unternehmen müssen sich neu erfinden – oder untergehen", kommentiert ein Händler der Kryptobörse Coinbase gegenüber dem Branchendienst The Block.
Refinanzierungsdruck wächst – auch für DACH-Anleger relevant
Über die gesamte Kohorte hinweg zeichnet sich ein Muster ab: Unternehmen führen Reverse Stock Splits durch, restrukturieren Finanzierungen und geben neue Vorzugsaktien aus, um zahlungsfähig zu bleiben. Der Trend verdeutlicht, wie riskant die Strategie sein kann, Unternehmensreserven in hochvolatile Kryptowährungen zu parken.
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant. Sollte ein Unternehmen wie Strategy oder Forward Industries seine Bestände massenhaft liquidieren müssen, könnten Kursverluste in den Aktien auch Fonds oder ETFs betreffen, die in deutsche und europäische Depots eingebucht sind. Die BaFin beobachtet den Sektor zudem im Rahmen der neuen MiCA-Verordnung mit erhöhter Aufmerksamkeit.