Circle-Aktien steigen 20%: Geopolitische Spannungen treiben
Nach Luftangriffen im Nahen Osten sehen Analysten Vorteile für den Stablecoin-Emittenten. Höhere Ölpreise könnten Zinssenkungen verzögern – und Circles Einnahmen aus USDC-Reserven stützen.
Datum
4. März 2026

Key Takeaways:
- Circle-Aktien (CRCL) legten diese Woche über 20% zu und übertrafen den breiten Markt deutlich.
- Der Anstieg wird mit geopolitischen Spannungen und steigenden Ölpreisen im Nahen Osten in Verbindung gebracht.
- Höhere Zinsen der US-Notenbank (Fed) bedeuten mehr Zinserträge für Circle aus den Reserven des Stablecoins USDC.
- Die japanische Bank Mizuho hat ihr Kursziel für Circle von 90 auf 100 US-Dollar angehoben.
Geopolitische Spannungen als Treiber für Circle
Die Aktien des führenden Stablecoin-Emittenten Circle haben in dieser Woche eine bemerkenswerte Rally hingelegt. Mit einem Plus von über 20% hat das Unternehmen den breiten Markt deutlich outperformed. Analysten führen diesen Anstieg direkt auf die eskalierten Spannungen im Nahen Osten zurück, nachdem Israel und die USA Luftangriffe auf Ziele im Iran flogen.
Die japanische Bank Mizuho sieht einen klaren Zusammenhang: Die geopolitischen Risiken trieben den Ölpreis in die Höhe. Steigende Rohölpreise könnten wiederum die inflationären Druck in den USA verstärken.
Höhere Inflation senkt die Erwartungen für baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank – und genau das kommt Circle zugute.
Warum Circle von hohen Zinsen profitiert
Das Geschäftsmodell von Circle ist eng mit dem Zinsumfeld verknüpft. Der Großteil der Unternehmenseinnahmen stammt aus Zinserträgen. Diese erzielt Circle auf die gewaltigen Reserven an US-Staatsanleihen, die den Stablecoin USDC zu 100% absichern.
- Hohe Zinsen = Höhere Erträge aus den Reserven = Stärkere Einnahmen für Circle.
- Zinssenkungen = Geringere Erträge = Einkommenskompression für das Unternehmen.
Die Analysten Dan Dolev und Alexander Jenkins von Mizuho schätzen, dass die gesunkenen Erwartungen für Fed-Zinssenkungen ihre Umsatzprognosen für Circle in den Jahren 2026 und 2027 um etwa 1% erhöhen.
„Right Tail Risk“: Szenario ohne Zinssenkungen gewinnt an Wahrscheinlichkeit
Noch bedeutsamer ist aus Sicht der Analysten eine Verschiebung in den Markterwartungen. Die Wahrscheinlichkeit für ein „No-Rate-Cut“-Szenario im Jahr 2026 – also gar keine Zinssenkungen – habe sich laut Daten des CME FedWatch Tool verdoppelt.
Dieser sogenannte „Right Tail Risk“ (Risiko am oberen Ende der Wahrscheinlichkeitsverteilung) könnte den Bewertungsmultiplikator für Circle weiter stützen. Ein länger anhaltendes Hochzinsumfeld wäre ein fundamentaler Treiber für das Kerngeschäft.
Kursziel angehoben, aber „Neutral“-Einstufung bleibt
Vor diesem Hintergrund hat Mizuho das Kursziel für die Circle-Aktie von 90 auf 100 US-Dollar angehoben. Die Einstufung der Aktie bleibt jedoch bei „Neutral“. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notierte die Aktie bereits bei etwa 102 US-Dollar.
Die Analysten weisen auch auf längerfristige Herausforderungen hin: Während „Higher-for-Longer“-Zinsen ein kurzfristiger positiver Faktor sind, könnte das Umsatzwachstum langfristig unter Druck geraten, da Stablecoins zunehmend zu einer Commodity (Standardware) werden.
Kontext: Erholung nach heftiger Short-Squeeze
Die aktuelle Rally folgt auf eine äußerst volatile Phase für Circle. Erst in der vergangenen Woche waren die Aktien nach Quartalszahlen um mehr als 45% gestiegen – angetrieben durch eine heftige Short-Squeeze. Dieser Sprung beendete einen brutalen Einbruch von rund 80% von den Rekordhöhen des vergangenen Jahres.
Die jüngste Entwicklung zeigt, wie sensibel der Markt für Krypto- und FinTech-Aktien auf Veränderungen im makroökonomischen Umfeld und in der Geldpolitik reagiert. Für Circle ist das Zinsniveau der Fed weiterhin der bestimmende Faktor.