Circle friert 12,6 Mio. USDC ein – Kritik an willkürlicher
Onchain-Ermittler ZachXBT wirft Circle vor, im Zuge eines Zivilverfahrens Gelder von Privacy-Protokoll Zama einzufrieren, ohne die Betreiber zu informieren.
Veröffentlicht
31. Mai 2026

Der Stablecoin-Emittent Circle hat am Samstag 12,6 Millionen US-Dollar an USDC eingefroren, die mit dem Privacy-Protokoll Zama verbunden sind. Das berichtet der Onchain-Ermittler ZachXBT. Der Smart Contract sei auf Block-Explorern und in der technischen Dokumentation von Zama öffentlich gekennzeichnet – der Eingriff wirkt daher nicht wie ein Versehen, sondern wie eine gezielte Maßnahme.
Der genaue Grund für die Sperre ist unklar. Allerdings fällt auf, dass Wallets des DeFi-Protokolls Overnight Finance am 11. Mai 2026 rund 12,4 Millionen Dollar in das Zama-Protokoll eingezahlt hatten. ZachXBT weist auf einen kürzlichen Governance-Vote bei Overnight Finance hin, bei dem die Community nach Vorwürfen eines Rug Pulls über die Verteilung von Treasury-Mitteln abstimmte.
„Es ist präzedenzlos, die Verträge oder Adressen eines Protokolls unilateral einzufrieren, in dem Gelder mit Zama-Nutzern vermischt wurden.“
Bemerkenswert: Das Zama-Team wurde nach ZachXBTs Erkenntnissen nicht vorab über die Sperre informiert. Cointelegraph erhielt auf Nachfrage bei Circle keine Stellungnahme.
Widersprüchliche Bilanz bei der Einfrierpraxis
Circle steht zunehmend in der Kritik – und das aus zwei Richtungen. Einerseits friert das Unternehmen Gelder von legitimen Projekten und Börsen ein, oft im Zusammenhang mit US-Zivilverfahren. Bereits im März hatte ZachXBT Circle vorgeworfen, 16 Wallets von Online-Casinos und seriösen Krypto-Börsen „zu Unrecht“ blockiert zu haben – die Verbindung zum zugrundeliegenden Gerichtsverfahren sei nicht erkennbar gewesen.
Andererseits zeigt die Bilanz bei gestohlenen Geldern eklatante Lücken: Seit 2022 habe Circle in 15 Fällen versäumt, insgesamt rund 420 Millionen Dollar einzufrieren, die aus Hacks und Betrug stammten. Dazu zählt der Drift-Protocol-Hack im April 2026, bei dem 232 Millionen Dollar abflossen, ohne dass Circle trotz eines sechsstündigen Zeitfensters eingriff. Betroffene Nutzer haben daraufhin eine Sammelklage gegen Circle eingereicht.
Lehren für Anleger im DACH-Raum
Der Fall zeigt ein grundsätzliches Spannungsfeld zentralisierter Stablecoins: Emittenten wie Circle können Gelder jederzeit einfrieren – ohne Vorankündigung, ohne Rechtsmittel für die Betroffenen. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant, auch wenn der konkrete Fall kein deutsches Unternehmen betrifft. Wer USDC hält oder in Protokolle mit blacklistable Smart Contracts investiert, sollte die rechtlichen Risiken nicht unterschätzen.