Italienische Polizei hebt Bitcoin-Ordinals-Betrug aus
Mittels Ordinals-Protokoll und BRC-20-Standard soll ein Verdächtiger eine Million Euro Steuern hinterzogen haben – die Blockchain zeigte die Spur.
Veröffentlicht
23. Mai 2026

Ein Ermittlerteam der italienischen Finanzpolizei in Foggia ist auf einen Steuerbetrug gestoßen, der mit neuartigen Bitcoin-Techniken durchgeführt wurde. Im Zentrum des Falls: das Ordinals-Protokoll und der BRC-20-Token-Standard. Der Verdächtige soll damit rund eine Million Euro – umgerechnet etwa 1,1 Millionen US-Dollar – an nicht deklarierten Kapitalgewinnen erzielt und verborgen haben.
Wie die Masche funktionierte
Laut der Blockchain-Analysefirma Chainalysis schuf der Beschuldigte mit Hilfe des Ordinals-Protokolls digitale Token, die auf dem Bitcoin-Netzwerk basieren. Diese ließ er auf verschiedenen Marktplätzen notieren – und verkaufte sie zu deutlich überhöhten Preisen wieder. Die Gewinne flossen zurück in eine zentrale Bitcoin-Wallet. Aus dieser Wallet finanzierte er dann die Erstellung neuer Inschriften (inscriptions), sodass das Geld in ständiger Bewegung blieb und sich kein klares Steuerprofil ergab.
Das Ordinals-Protokoll, 2023 eingeführt, weist jedem Satoshi – der kleinsten Bitcoin-Einheit – eine Seriennummer zu und erlaubt das Einbetten von Daten wie Bildern oder Text in eine Bitcoin-Transaktion. Der BRC-20-Standard baut darauf auf und ermöglicht es Nutzern, direkt auf der Bitcoin-Blockchain Token zu erstellen, auszugeben und zu transferieren.
Steuerfahnder im Wettlauf mit der Technik
Steuerhinterziehung via Kryptowährungen ist kein neues Phänomen. Neu ist die Kreativität der Methoden. Chainalysis berichtet, dass Täter zunehmend auf NFTs, dezentrale Finanzprotokolle und neuartige Token-Standards zurückgreifen, um Vermögen vor den Behörden zu verstecken. Die Studie, die Chainalysis am Mittwoch veröffentlichte, zeigt, dass das Problem weit verbreitet ist.
Eine im März veröffentlichte Untersuchung ergab, dass in den USA nur zwischen 32 und 56 Prozent der Krypto-Besitzer ihre Gewinne bei den Steuerbehörden angeben. In Norwegen waren es sogar nur 12 Prozent – das zeigen Forschungsergebnisse vom August 2024. Der Internal Revenue Service (IRS) der USA beziffert die gesamte Steuerlücke des Landes – also die Summe der gesetzlich geschuldeten, aber nicht erhobenen Steuern – auf rund 606 Milliarden Dollar.
Die unauslöschliche Spur der Blockchain
Trotz der technischen Raffinesse hinter solchen Betrugsmaschen betont Chainalysis eine grundlegende Schwäche: Die Blockchain speichert jede Transaktion dauerhaft. Diese Aufzeichnung kann weder geändert noch gelöscht werden. Moderne Analysewerkzeuge können komplette Finanznetzwerke rekonstruieren und mit den Meldedaten von Krypto-Börsen abgleichen. So lassen sich Transaktionen bis zu den mutmaßlichen Steuersündern zurückverfolgen.
Die italienischen Ermittler sehen in dem Fall einen Beleg dafür, dass technische Neuheit nicht mit Anonymität gleichzusetzen ist. Je mehr neue digitale Vermögenswerte entstehen und Einkünfte generieren, desto stärker dürften Ermittler weltweit die Lücke zwischen dem tatsächlichen On-Chain-Vermögen und dem, was Steuerpflichtige angeben, ins Visier nehmen.
Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieses Falls relevant – insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von Ordinals und BRC-20-Token nach § 22 EStG und der Jahresfreigrenze von 600 Euro.