JPMorgan sieht Abkühlung des Devaluation Trades bei Bitcoin-ETFs
Massive Abflüsse bei US-Spot-ETFs und fallende Kurse deuten laut Analysten auf ein Ende der geopolitischen Risikoabsicherung hin – auch Gold ist betroffen.
Veröffentlicht
29. Mai 2026

733,4 Millionen US-Dollar – so viel Geld zogen Anleger am 27. Mai aus den US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs ab. Es war der schlechteste Tag für die Fonds seit Ende Januar. JPMorgan wertet den massiven Mittelabfluss als klares Zeichen: Der sogenannte Devaluation Trade, also die Absicherung gegen Währungsverfall und geopolitische Krisen, verliert an Schwung.
Ein Signal für den gesamten Markt
Die Strategie des Devaluation Trades ist simpel: In Zeiten hoher Inflation, schwacher Fiat-Währungen oder internationaler Spannungen kaufen Investoren Vermögenswerte, die als Wertspeicher gelten – vor allem Bitcoin und Gold. Genau diese Narrative scheint nun zu bröckeln. JPMorgan zufolge sind die jüngsten Abflüsse kein isoliertes Phänomen, sondern Teil eines breiteren Trends. Auch Gold-ETFs verzeichnen demnach Kapitalabflüsse.
Besonders auffällig: Der iShares Bitcoin Trust (IBIT) von BlackRock meldete am 27. April einen Abfluss von 527,8 Millionen US-Dollar – der zweithöchste Tagesabfluss seit seiner Einführung. Zusammen mit den anderen Spot-ETFs summierten sich die Nettoabflüsse auf den genannten Rekordwert. Zum Vergleich: Der Höchststand von Bitcoin bei rund 82.000 US-Dollar liegt nur wenige Wochen zurück. Seither fiel der Kurs auf etwa 73.200 US-Dollar, ein Minus von fast elf Prozent.
Die geopolitische Wette
Hintergrund der Analyse ist eine veränderte Risikowahrnehmung. JPMorgan verweist auf die zunehmende Hoffnung auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Sollte sich diese Erwartung verfestigen, verlöre die Absicherung gegen geopolitische Risiken rapide an Attraktivität. „Die Anleger scheinen das Schlimmste schon einzupreisen“, schreiben die Analysten. Die jüngsten Abflüsse bei Bitcoin- und Gold-ETFs seien daher eine logische Reaktion: Kapital, das zuvor als Schutz vor Eskalation gedient habe, werde nun umgeschichtet.
Institutionelle Zurückhaltung auch bei Futures
Noch bedeutsamer als die ETF-Daten ist für JPMorgan die Entwicklung auf dem Futures-Markt. Auch dort hätten institutionelle Investoren ihre Bitcoin-Exposition zuletzt reduziert. Das deute darauf hin, dass der Rückzug nicht nur eine kurzfristige Positionsglättung sei, sondern eine strategische Neubewertung. „Der Devaluation Trade hat an Momentum verloren“, lautet das Fazit.
Einordnung aus DACH-Perspektive
Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind diese Entwicklungen vor allem aus steuerlicher Perspektive relevant. Wer Bitcoin über einen ETF hält, muss bei Veräußerung nach einem Jahr Haltefrist keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne zahlen – anders als bei Direktinvestments in die Kryptowährung selbst. Ein Ausstieg aus ETF-Positionen könnte daher steuerliche Konsequenzen haben, die von der individuellen Haltedauer abhängen. Zudem bleibt die Frage, ob die EU-Regulierung MiCA künftig ähnliche Produkte für den europäischen Markt attraktiver macht.
Ob die Abkühlung des Devaluation Trades ein vorübergehendes Phänomen ist oder eine längerfristige Trendwende einleitet, hängt maßgeblich von der geopolitischen Lage ab. Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten weiter entspannen, könnten sowohl Bitcoin als auch Gold unter zusätzlichen Druck geraten. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant.